Serialkiller auf Schwedisch

Von dieser Art ist das gegenwärtige Werk, für dessen Brauchbarkeit ich veranlaßt worden bin ein öffentliches Zeugniß abzulegen, und ich glaube keine andre Gründe nöthig zu haben, um die Herausgabe desselben zu rechtfertigen. Man findet in demselben eine Auswahl gerichtlicher Fälle, welche sich an Interesse der Handlung, an künstlicher Verwicklung und Mannigfaltigkeit der Gegenstände bis zum Roman erheben und dabei noch den Vorzug der historischen Wahrheit voraus haben. Man erblickt hier den Menschen in den verwickeltesten Lagen, welche die ganze Erwartung spannen, und deren Auflösung der Divinationsgabe des Lesers eine angenehme Beschäftigung gibt. Das geheime Spiel der Leidenschaft entfaltet sich hier vor unsern Augen, und über die verborgenen Gänge der Intrigue, über die Machinationen des geistlichen sowohl als weltlichen Betruges wird mancher Strahl der Wahrheit verbreitet. Triebfedern, welche sich im gewöhnlichen Leben dem Auge des Beobachters verstecken, treten bei solchen Anlässen, wo Leben, Freiheit und Eigenthum auf dem Spiele steht, sichtbarer hervor, und so ist der Kriminalrichter im Stande, tiefere Blicke in das Menschenherz zu thun.

Welches zu beweisen war… Es gibt im Bereich Kriminalität letztlich nichts, was es nicht gibt, sicher, haben wir hier auch vielfach festgestellt – aber das ein geständiger Serial Killer falsche Geständnisse abgelegt hat, das ist schon selten. Serial wrong confession. Wahnsinn…

Schillers Plädoyer für das true-crime-Genre und seine offenkundige Faszination für Verschwörungstheorien (die sich ja auch in seinem sonstigen Werk problemlos nachweisen läßt) finde ich übrigens auch literarisch sehr spannend. Derzeit lese ich Stevensons Romane Kidnapped und Catriona (und befasse mich so ein wenig mit einer Neuübersetzung…). Was ich nicht wusste: dass der Appin-Mord an Colin Campbell historisch ist, dass Alan Break Stuart ebenfalls historisch ist und er tatsächlich (wohl fälschlich) Hauptverdächtiger war und dass die Hinrichtung von James of the Glans wenige Jahre nach Culloden vermutlich ein politisch motivierter Justizmord war. Nur David Balfour ist natürlich fiktiv. Kenne es ja noch von damals, der Adventsvierteiler im ZDF, 1978, jaja, long long ago.

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