Asphaltbrand

U.a. an der Ecke Friedrichsberger/Eilbeker hats einen kleinen Asphaltbrand gegeben; vorhin flogen 2 Böller und 3 Bierflaschen. Den MoPo-Liveticker (gibts inzwischen nicht nur bei Fussballspielen, sondern auch bei Demos) „Linksautonome errichten Barrikaden“ darf man als gelinde Übertreibung werten. Also, wenn das Barrikaden sein sollen..

Habe dort mit einem Kumpel fröhlich auf einer Bank gesessen, als einige recht nette, aber naive Junglinke zu uns stießen. Ja früher, so mein Kumpel, da sei er auch noch Streetfighter gewesen, jetzt ginge es, allein schon der Gelenke wegen, etwas ruhiger zu, aber er wolle mal wieder zuschauen. Die Junglinken waren begeistert; so stelle man sich sein Leben 25 Jahre später aber auch vor. O-Ton: „In 25 Jahren sitzen wir dann auf der Bank, hahahaha!“ Alles okay, es gibt nur ein klitzekleines Problem: Mein Kumpel war vor 25 Jahren weder Nahkampfausbilder der Links-Autonomen noch Hafenstrassenbewohner, sondern schlicht HSV-Hool mit allerbesten Kontakten zu Carsten W.; Skinheadleader der Hamburg Hools. Übrigens, zur Klarstellung: Christian Worch hat damals versucht, die HSV-Hools für seine Nazi-Scheisse zu keilen, und wurde dabei den ganzen E-Block die Treppe runter getreten. Arndt-Heinz Marx muss oder soll bibbernd daneben gestanden haben…

Mein Kumpel gehört zum Inventar dieses legendären Buchs. Zum sog. Hooligan-„Problem“ ist zu sagen: Genau wie bei Skinheads müssen wir uns schon darüber einigen, worüber wir eigentlich reden. Hooligans waren in den 80ern (und sind es ggfls zum Teil auch heute noch) einfach wilde Jungs, ein paar wilde Mädels müssen nicht schaden, und zwar aus allen sozialen Schichten, u.a. Anwälte, die sich mehr oder weniger mit Hooligans anderer Vereine zu so etwas wie einem Fight Club verabredet haben. Waffen, Steine, Angriffe auf Unbeteiligte waren verpönt; beim Fight Club galt nur eine Regel, aber die durchgängig: Wenn am Boden, ist Schluß. Ist nicht meine Kultur, aber man sollte es mal zur Kenntnis nehmen. Neubürgerliche Verlogenheit weigert sich nach wie vor, die Tatsachen anzuerkennen. Bis heute glaubt alle Welt: Hools = Skinheads = Nazis! Und das ist so einfach nicht wahr.

Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • piet  On Juni 3, 2012 at 12:00

    Daß Glatze nicht gleich Nase ist, müßte sich, hoffentlich, rumgesprochen haben. Und aber sicher gab´s bei den Hools auch immer rechtsaffine Gesellen. Im Ganzen ging es aber quer durch´s Spektrum, wie du richtig schreibst. Ich hatte das Glück ein paar von den Jungs als Drohkulisse im Rücken zu haben, als es gegen Nasen ging. Thanx. Gewalt ist immer scheiße und war früher und heute schon gar nicht ein Feld der Ehre, von wegen Kodex und so. Nee,nee.

    • hf99  On Juni 3, 2012 at 12:37

      sehe ich na klar auch so.

      zu den Hools, auch zum derzeitgen Gewaltdiskurs (Stichwort Relegationsspiel und so) im Fussball: solange ein paar Jungs (und inzwischen wohl auch Mädels) lediglich, sozusagen safe, sane and consensual, so etwas wie einen Fight Club eröffnen wollen – na, meinen Segen haben sie. Ich persönlich verstehe nicht, wie man sich zum sich-verkloppen verabreden kann, aber gut. Solange sie das unter sich machen, keine Unbeteiligten mit reinziehen – who cares. Rechtsradikale hats da immer gegeben bei den Hools, klar, sie waren aber, ähnlich wie bei den Skinheads, niemals die Mehrheit. Und die Versuche von Leuten wie Worch, diese Jungs zu „organisieren“, sind in der tat kläglich schief gegangen. Hooligans sind eher der Jugendkultur zuzurechnen. Siehe auch das ganze Gangsta-Getue im rap etcetc. Iist alles im weitesten unpolitisch zu deuten.

  • piet  On Juni 3, 2012 at 14:20

    Sich „gepflegt“ auf die Fresse zu hauen ist leider vorbei. Auch wenn´s abgeleiert ist : Unpolitisch ist hirntod. 80 % der Nasen, die mir in den letzten zwanzig Jahren untergekommen sind kamen vom Fußball. Da war die Zeck, wenn kein „Kölner“ ( bitte jeweils ergänzen) vorhanden war immer ein beliebter
    sparringspartner. Brauch ich nicht wirklich.

    • hf99  On Juni 4, 2012 at 07:16

      aus Altersgründen kann ich zu den letzten 20 jahren Jugendkultur naturgemäß nicht mehr so gar so Authentisches beitragen 😉 Die Nasen, die mir untergekommen sind, kamen eher aus der pseudointellektuellen Ecke, Junge Freiheit Leser und so, Spengler, Jünger, falsch verdauter Nietzsche…

  • piet  On Juni 4, 2012 at 12:58

    Das gab dann doch sicherlich interessante Wortgefechte. Der Kategorie, sie nennt sich C, die ich meine, könnte man vielleicht noch Stahlgewitter vorlesen, wenn die Aufmerksamkeitsspanne noch reicht.Dann sollte man ihnen gleich auch die Briefe von Jünger (zu finden im Echolot von olle Kempowski) vorlegen. Nicht unüblich zu den Zeiten jeden Furz mit Pathos zu belegen. Ich glaube, manche Menschen brauchen das.

    Aus Altersgründen >? Alter …..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: