work hard – play hard

Auf Bersarins wunderbaren Artikel sei hiermit werbend hingewiesen. Er fasst die Kritik am ganzen furchtbaren „Selbstmanagement“-Gequassel noch einmal gut zusammen. Auch dieses Blog nennt seit Jahren den Satz, den (ich glaube) Roland Berger einst offerierte – man müsse sein ganzes Leben als Unternehmen begreifen -…diesen Satz bezeichne ich seit Jahren als ohne jede Einschränkung faschistisch. Eine Verbesserung sei erlaubt (Schulmeister bleibt Schulmeister, da helfen keine Rotweine!): Bersarin spricht von Selbsterniedrigung, ich würde es eher „Zwang zur Selbsterniedrigung“ nennen. Denn dieser ganze Selbstmanagement-Mist wird den Leuten ja machtgeschützt abgefordert. Psychologisch betrachtet handelt es sich um die intelligenteste aller Machttechniken: Keine direkte Gewalt, sondern subtiler Druck, sich „freiwillig“ selbst zu entwürdigen. Unterwerfung ist erst dann total, wenn sie vom Unterworfenen lustvoll selbst vollzogen wird. Auch ich habe einiges an „Schulungen“ über mich ergehen lassen müssen. Die vordergründig libertäre, vordergründig auf gleicher Augenhöhe operierende Sprache fand ich persönlich immer am erniedrigendsten. Gegen die Knute kann man sich wehren. Aber gegen das sonore Getue des Du-ich-möchte-mit-Dir-gemeinsam-an-Deiner-Leistungsfähighkeit-arbeiten? Bereits der Begriff „neurolinguistic programming“ ist entlarvend. Spätere Generationen von Historikern werden schwer daran arbeiten müssen, wenn sie diesen Totalitarismus erklären wollen. Denn er vollzieht sich, und darin besteht sein Wesen, inmitten einer vordergründig libertären Gesellschaft.

Warum so viele diesen Kasperkram (bei dem man, ginge es nicht um wichtige Dinge, eigentlich nur in schallendes Gelächter ausbrechen kann) auch noch verinnerlichen, Selbst- und Weltbild daraus ziehen – das wäre die 6-Millionen-Dollar-Frage. Sozusagen die Frage „Warum ist der kapitalismus so stabil?“ auf psychologisch.

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Kommentare

  • summacumlaude  On Mai 4, 2012 at 19:44

    Ich schrieb es schon bei Bersarin: Der Leidensdruck fehlt, der Leidensdruck an der Selbstpräsentation, am eigenen Ausdruck. Fragte man nach, diese Bedauernswerten würden sich und ihre Äußerungen als selbstbestimmt sehen. Deswegen hatte ich nach „Aussteigern“ gefragt und Fräuleinfrederiecke hat dankenswerterweise einen Link bei Bersarin reingestellt. Die Äquivalenz zu „Ich war ein Munie“ ist nicht zu übersehen, den Dauerdruck auf die Gekaschten eingeschlossen; allerdings ist diese Form der Gehirnwäsche in Kongruenz zur gesamtgesellschaftlichen Stoßrichtung sich befindend.

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