Fahndungspannen, lauter Fahndungspannen – update

Tja, sind halt Fahndungspannen. Wenn das wahr ist, handelt es sich nicht um eine Fahndungspanne, sondern um eine Straftat.

Jetzt wird nach SPIEGEL-Informationen bekannt: Bayerische Ermittler waren den Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) offenbar dichter auf der Spur als bisher bekannt. Den Fahndern war bereits früh ein außergewöhnliches Muster im Verhalten der Täter aufgefallen: In vier von neun Mordfällen der sogenannten Ceska-Serie hatten Zeugen jeweils zwei Männer auf Fahrrädern beobachtet.

Das geht aus einem vertraulichen Bericht der Sonderkommission „Bosporus“ hervor. Demnach passen die detaillierten Personenbeschreibungen teilweise exakt auf die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die im November nach einem Banküberball in Eisenach erschossen aufgefunden wurden.

Das verdächtige Radfahrer-Duo war dem Ermittlungsbericht zufolge zuerst im September 2000 gesichtet worden, als in Nürnberg ein türkischer Blumenhändler ermordet wurde. Dann tauchte es 2001 in München, 2005 erneut in Nürnberg und 2006 in Dortmund an Tatorten auf.

Bei dem Mord in Nürnberg (Opfer: Enver Simsek 2000) handelte es sich um den ersten Mord der Mordserie. Wenn bereits dort zwei Verdächtige beobachtet worden sind, dann wirds so langsam ranzig. Sehr ranzig. Oder: Noch ranziger, als es ohnedies war.

Ich bitte um Entschuldigung: ich bin – hope so – kein naiver Trottel; ich ahnte so manches, und seit November 2011 fügte sich einiges zusammen. Aber das es noch schlimmer zu sein droht, als ich vermutete, das macht mich ratlos.

In ihrem Bericht fasste die Soko „Bosporus“ im Mai 2008 zusammen: Aufgrund der „Opferauswahl (Türken)“ und „der Verwendung von Fahrrädern“ könne „ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden“.

Sogar im Fall der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter gab es Hinweise auf verdächtige Radler: Gleisarbeiter der Bahn hatten damals zwei Mountainbike-Fahrer beobachtet, die in unmittelbarer Nähe des Tatorts miteinander diskutierten. Wenig später seien Schüsse gefallen. Warum der Radfahrer-Spur letztlich keine größere Bedeutung beigemessen wurde, ist unklar.

Das alles kann doch einfach nicht wahr sein!

Tut mir leid: Wir reden hier über eine spätestens (das ist sehr wohlwollend ausgedrückt!) seit 2004 als brisant erkannte Mordserie!

Die Topleute waren dran (zumindest wird uns das suggeriert). Zweimal in Aktenzeichen, eine weitere Sondersendung – fast immer wurde uns der eine psychopathische Einzeltäter angedient. Und diese offenkundigen Bezüge will niemand gesehen haben? Die Zwei-Mann-Beobachtung wurde sogar offenkundig ignoriert (oder wie sonst soll ichs nennen)? Stattdessen wurden wg angeblicher Bosporus-Mafia-Kontakte Angehörige jahrelang unter Verdacht gestellt?

Ich denke an Lübeck 1996, an versengte Haare, an unklare Tote in der Lübecker Hafenstrasse…

Ja, ich bin ein Verschwöriker. Die Linie – von München 1980 über die Morde in Solingen, mit den bis heute nicht aufgeklärten Bezügen zur Kampfsportschule, über Lübeck bis Zwickau – bleibt mir in ihrer Unklarheit kläglich deutlich…Glauben Sie an Zufälle? Mich macht das seit November ganz krank. Ich habe viel für möglich gehalten – das nicht! Ich war, aber Sie müssen versprechen, nicht zu lachen!, so naiv, dass ich eine „Organisation Consul„-Struktur in der Bundesrepublik der 2000er jahre so denn doch nicht für möglich gehalten habe. Der lokale Leiter des VS, hirnvernagelt in seinem Rassismus und Judenhaß – klar! Das war jederzeit eingepreist. Aber über Jahre hinweg, unter zumindest indirekter Kooperation/augenzwinkernden Abnickens des BKA diverser Dienststellen?

Ich bin immer noch ratlos. Ich verstehe das nicht.

An dieser Stelle muss der Fall Lübeck 1996 wieder ins Spiel gebracht werden. ich möchte wissen, was da war. Was tut die Lübecker Staatsanwaltschaft? Ermittelt sie noch? Sie müsste es, denn Mord verjährt nicht! Ist die Akte noch offen, oder beruhigend zu?

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Kommentare

  • nobs  On April 15, 2012 at 07:40

    Mich macht das auch krank und ich finde kaum Worte dafür. Ich befürchte das Schlimmste.

  • ebversum  On April 15, 2012 at 09:58

    Taj, wo du gerade meine Heimatstadt ansprichst. Da gibt es einen ganzen Verein der die Welt nicht mehr versteht. Als er unbequem wurde, wurden ihm einfach die Mittel gestrichen. Die frühere Geschäftsführerin davon, – kann man im wahrsten Sinne des Wortes mittlerweile als ausgebrannt bezeichnen. Ich weiß nicht, ob man so große Zusammenhänge bezüglich der Morde und Anschläge ziehen kann. Dafür hab ich zu wenig Ahnung von den Zusammenhängen. Aber das dumpfe Schweigen, dieses abstruse Wegsehen, – ist überall gleich.

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