Zum Phänomen des falschen Geständnisses

Hier (ich hatte den Fall schon mal erwähnt…) zeigt sich wieder einmal in aller Deutlichkeit: Das verstörende Phänomen des falschen Geständnisses lässt sich häufig, fast immer, wenn wir von pathologischen Selbstbezichtigungen absehen, als Ergebnis ungeheuren Drucks erklären, der auf Beschuldigte ausgeübt wurde. Möchte nicht wissen, wie viele Beschuldigte erst ebenso weichgekocht wurden, um dann als „schuldig“ (der Kerl hat ja gestanden!) einzufahren. Der Fall ist nur deswegen so außergewöhnlich, weil das Geständnis von vorneherein absurd war. Und zwar so absurd – an Schweine und Dobermann verfüttert -, dass bei den Ermittlern eigentlich alle Alarmsirenen hätten angehen müssen. Ich kenne die Verjährungsfristen nicht; an sich sind hier dienstrechtliche Konsequenzen fällig. Jede Wette, dass die Damen und Herren Ermittler als ausgezeichnete Verhörer galten…

Ähnlichkeiten zum Fall Pascal sind kein Zufall, sondern strukturell bedingt. Das aber wird Alice Schwarzer und andere selbstermächtigte „Opferanwälte“ nicht daran hindern, bis an ihr Lebensende die Bezichtigung Unschuldiger mit Aufklärung und Feminismus zu verwechseln.

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Kommentare

  • summacumlaude  On März 19, 2012 at 19:47

    Die Äquivalenz zum Fall Bruno Lüdke sticht ins Auge.

  • hf99  On März 19, 2012 at 20:35

    Jein, summa. Was das Vernutzen gewisser Intelligenzdefizite zum generieren von „geständnissen“ betrifft ja, aber bei Lüdke 8wie Du ja auch weißt) gabs auch klare Vorgaben des RSHA. Inklusive Mordbefehl. Schlimm, dass Lüdke im Westen noch bis in die 80er als schuldig galt. Da war die DDR weiter. In Prodöhls Bänden ist der Fall Lüdke – anläßlich des westdeutschen Films „Nachts wenn der teufel kommt“ mitz Adorf- schon zutreffend geschildert.

  • Frau Lehmann  On März 23, 2012 at 23:14

    Was die beiden Fälle gemeinsamm haben sind die erzwungenen Geständnisse und das (gerade auch wegen der Inhalte der Geständnisse) „Sensationspotenzial“ (und das dadurch gewährleistete öffentliche Interesse – um nicht zu sagen die Befriedigung der Sensationsgeilheit – passt doch wunderbar als BILD-Schlagzeile). Im ersten Fall spielten sog. „Opferanwälte“ doch aber keine Rolle. Schnelle Erfolgsmeldungen und die Möglichkeit, den Fall emotionalisierend medial ausschlachten zu können, mögen vielleicht zu dieser hahnebüchenen Art der Ermittlungen und Verhandlung geführt haben. Im Fall Pascal sieht das m.E. schon anders aus.Denn, wenn es um (angebliche oder tatsächliche) Sexualstraftaten geht, erst recht an Kindern begangen, greift ein unsäglich moralisierendes und rechthaberisches „Instrumentarium“, das weniger Recht und Gesetz durchsetzen will als sich selbst als festgesetzter einziger Vertreter der „Von- Natur- Aus“ -Opfer gegen „Sowieso“-Täter zu legitimieren. Das problem der unbedingt notwendigen sensationellen „Präsentation“ eines solchen Falles (um sich mittels der Öffentlichkleit in seinem Eigendünkel selbst bestätigen zu können) kommt noch hinzu.
    Was absurd und zu verurteilen ist bleibt absurd und zu verurteilen. Beide Fälle werden auch den Opfern in keiner Weise gerecht. Aber dennoch: Du wirfst da zwei Dinge in einen Topf, die nur teilweise zusammen da hinein gehören.

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