Gendertröten

Aus meinem Kommentar drüben bei den Gleisbauarbeiten: Die neopietistischen Genderetikettierungströten haben mit Judith Butler in etwa soviel zu tun wie SED-Schulungsmaterial aus den 50ern mit Marx.

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Kommentare

  • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 00:22

    Beide Begriffe, Gender und Etikettierung verraten doch schon, dass es sich um eine Theorie handelt, die eine Unterscheidung und damit ein zu bekämfendes, zu veränderndes oder anzupassendes „Gegenüber“ manifestiert statt vom Menschen auszugehen. Die ganze Genderdebatte und alle dem Thema untergeordneten Maßnahmen sind nur ein weiterer Schritt, die Geschlechter auseinander zu differenzieren statt den Menschen zu sehen und zu akzeptieren, wie er ist. Dasselbe Dilemma zeigt sich beim heutigen Feminismus: Wenn die Frau dann emanzipiert sein soll, wenn sie nach gesellschaftlich-patriarchalem Vorbild zum „erfolgreichen Teil“ der Gesellschaft wird, ist das nur eine Kopie nie hinterfragter kulturell-gesellschaftlicher Muster und Machtstrukturen. Machen wir die Frau zum Mann, wenn es um Karriere und Macht geht (aber bitte mit Einsatz der Waffen einer Frau) oder den Mann zur Frau, wenn es um die Gefühlsebene geht. Welch ein Unsinn! Sind Frauen, nur weil sie Frauen sind, die besseren Menschen? Besitzen Männer, nur weil sie Männer sind, das Erfolgs- und Durchsetzungsgen? Wen interessieren denn individuelle Fähigkeiten und Talente eines Menschen, ob Frau oder Mann? Das alles hat ganz und gar nichts mit Juduth Butler zu tun, sehr viel aber mit allgemeinem gesellschaftlichem Konsens einer Gesellschaft, die alt hergebrachte Muster bedient und überhaupt kein Interesse daran hat, von ihren Rollenklischees abzulassen (Wie sonst könnte man denn sonst auch die „schönen“ Machtspielchen spielen?). Und weil das leider so ist, findet man bei sehr sehr vielen Menschen dieses klischeebehaftete Rollenverhalten und den Geschlechter“kampf“, und das bis in den privaten Bereich. Mich hat tatsächlich mal jemand gefragt, wie das in meiner Ehe mit dem Geschlechterkampf gewesen sei. Da kann man doch nur staunen.

    Was ich an deinem Blog mag: Dass du mich zum Nachdenken und zur Auseinandersetzung zwingst. Danke!

  • hf99  On Februar 28, 2012 at 11:47

    „Die ganze Genderdebatte und alle dem Thema untergeordneten Maßnahmen sind nur ein weiterer Schritt, die Geschlechter auseinander zu differenzieren statt den Menschen zu sehen und zu akzeptieren, wie er ist. “

    Sehe ich anders. Die ganze Debatte zeigt m.E. eher: Alles ist missbrauchbar, alles kann in Ideologie transformiert (= Wendung des Denkens ins Starre, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen oder umgekehrt) werden.

    • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 17:57

      Und das eine schließt das andere nicht aus, weil auch das Aufrechterhalten der Geschlechterdebatte – wer ist der bessere Mensch – nichts anderes als eine Strategie ist, die zu Missbrauch führt.

      • che2001  On März 6, 2012 at 12:37

        Wer ist der bessere Mensch? ist aber nicht eigentlich Thema der Geschlechter- schon gar nicht der Genderdebatte, sondern vielmehr: Wie gelangen wir zu wahrer Gleichberechtigung (und zwar nicht zu Gleichberechtigung IM bestehenden Kapitalismus, sondern unter Überwindung der sozialen Schranken, die Frauen und Männer insgesamt an wirklicher Freiheit hindern), und was für Faktoren sorgen dafür, dass genau das nicht gelingt? Das ist die eigentliche Geschlechterdebatte, alles Andere moralisch aufgeladene Irrwege und Sackgassen.

    • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 22:27

      „Alles ist missbrauchbar“

      Was aber nicht in jedem Fall bedeutet, dass es auch missbraucht wird. Wieso eigentlich nicht? Wäre es nicht viel interessanter, sich damit zu beschäftigen, warum so viel und so oft, wie du sagst,“ in Ideologie transformiert“ wird? Und wie man gegensteuern könnte? Mich interessiert, wieso du ausgerechnet dieses Thema als Beispiel für deine allgemeingültige Aussage gewählt hast.

      • hf99  On Februar 28, 2012 at 23:16

        „ausgerechnet dieses Thema“ habe ich nicht, mit Verlaub. Ich mache das seit Jahren an vielen Themen ab. Etwa: Sogar Antisemitismuskritik kann in Ideologie transformiert werden (Stichwort Antideutsche). Marx kann in Ideologie transformiert werden (und wurde; Belege erspare ich mir). Etcetc.

        • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 23:26

          Entschuldigung, dass ich „so“ nachgefragt habe. Aber schließlich lautete der Titel ja auch „Gendertröten“. Ich wollte wirklich niemandem zu nahe treten. Dann lass ich das mal.

          • hf99  On Februar 28, 2012 at 23:34

            völlig in Ordnung, nachzufragen. Ist halt nur interessant, dass – ich meine es nicht böse – aus einer faktisch falschen Beobachtung jetzt falsche Schlüsse gezogen werden könnten, hier etwa: ich sei antifeministisch, hätte Probleme mit Frauen etcetc. Hab ich alles schon erlebt (nicht nur im Feminismus-Modus, sondern auch im Rassismuskritik- und Antisemitismuskritk-Modus…)

            • Frau Lehmann  On Februar 29, 2012 at 00:11

              Ja. Ist interessant. Auch das (aus Erfahrung) voreilige Unterstellen von Unterstellungen. Ich bin an unterstellungsfreier Auseinanderstzung interessiert. Aber auch als (nur) Beobachterin der hier gerne präsentierten provokanten Anregungen und Wissenswerweiterungen komm ich gut klar.

  • fk  On Februar 28, 2012 at 12:30

    @frau lehmann,

    männer haben keine gebährmutter.

    hgfk

    • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 17:53

      Ach was! Wusst ich’s doch. Frauen sind also schon darum die besseren, belastbareren und nützlicheren Menschen.

      • fk  On Februar 28, 2012 at 19:43

        @frau lehmann

        nur weil a != b ist, ist nicht zwangsläufig a < b.

        hgfk

        • David  On Februar 28, 2012 at 19:51

          Gilt die Ordnungstrichotomie?

          • hf99  On Februar 28, 2012 at 21:08

            seit der Strafrechtsreform 1975 nicht mehr…

        • Frau Lehmann  On Februar 28, 2012 at 22:35

          Na gut. Männer sind die besseren Mathematiker, obwohl… dass die „Gleichung“ a=b nicht gleich a<b richtig sein muss, leuchtet sogar mir als Frau ein 😉

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