Die Wahrheit eines Lebens (zur sog. Authentizität)

Wer wird für uns Zeugnis ablegen? Unsere Werke. Leider! Wer denn sonst? Niemand, außer diejenigen unter unseren Freunden, die uns in genau dem Augenblick gesehen haben, in dem das Herz sich rücksichtslos einem anderen hingab. Diejenigen also, die uns lieben. Aber Liebe ist Schweigen: Jeder Mensch stirbt unbekannt. (Camus, Albert, Tagebuch März 1951 – Dezember 1959, Reinbek bei Hamburg, 1991/97, p. 71)

An solchen Sätzen / vergehen sollt‘. Alles Gerede über „Authentizität“ ist nichtig; der Begriff als solcher ohnedies selbstwidersprüchlich. Es bleibt sogar offen, ob Camus hier – er formuliert diese Sätze bezeichenderweise in den Wochen des Bruchs mit Sartre – dem Existenzialismus eine Absage zustellt, oder ob er ihn zuende denkt. Wie auch immer: Es handelt sich um einen Jahrhunderttext, ein radikales Bekenntnis zur wortlosen Treue, die immer Recht behält gegen alle Begriffe selbstzufriedener, artikulierter Ankläger.

Selbstverständlich bedient sich auch Camus verdinglichender Begriffe – anders kann ich nicht sprechen, es gibt innerhalb der Sprache keine Entdinglichung, außer auf dem Narrenschiff -, aber solche Texte dringen an den Rand vor. Mehr kann ich billigerweise nicht erwarten.

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Kommentare

  • ebversum  On Februar 27, 2012 at 19:55

    Hmmmm
    Alles Gerede über “Authentizität” ist nichtig
    Vergiss doch mal Camus. Was meinst du eigentlich? Ich meine, – du selber? Verstehst du nicht ….. ????

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