Schimpfen im Grobianston

tut erst einmal gut, hinterläßt aber einen nicht unerheblichen Kater. Ich lösch meine Suade denn mal; nicht, weil ich inhaltlich etwas zurück zu nehmen habe, sondern weil ich, für mich persönlich, den Entschluß fassen möchte, mich diesen unguten Diskursgebahren endgültig zu entziehen. Denn diese Dinge tun mir nicht gut, sie helfen mir nicht dabei, ich selber zu sein. Wer Politik als Theologie- und Moral-Diskurs betreibt, mit „Gut“ und „Böse“, mit Opfern, die zu Märtyrern meiner Bewegung werden (was ist, wenn die Opfer ausbleiben?), mit Exkommunikation und Inquisition, kurz: wem es nicht um die Sache geht, sondern nur noch um Distinktionsgewinne für sich selbst („wer Unterdrücker ist, bestimme ich; mir, mir allein eignet Opferempathie“), dem habe ich nichts zu sagen.

Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • georgi  On Februar 19, 2012 at 11:18

    … verstehe ich nicht:

    Ich lösch meine Suade denn mal; nicht, weil ich inhaltlich etwas zurück zu nehmen habe, sondern weil ich, für mich persönlich, den Entschluß fassen möchte, mich diesen unguten Diskursgebahren endgültig zu entziehen.

    Diese Logik leuchtet mir nicht ein. Mit dieser Suada weiß doch nun jeder, woran er bei Hartmut ist, wenn er es nicht sowieso schon weiß, und berücksichtigt das dann, wenn er lieb ist. Und wenn das Diskurs-Gesindel nicht lieb ist, dann wird es Hartmut für einen Frauenfeind, Antisemiten, Rassisten, Kinderficker, Täterschützer oder für sonst etwas halten. Dem Diskurs-Gesindel entkommst Du nicht, auch wenn die Suada nicht mehr dasteht.

    Also bitte, stell die Suada wieder ein!

    • hf99  On Februar 19, 2012 at 12:28

      Georgi: Im zweiten teil meiner Trilogie lasse ich die Protagonistin sagen: „Letztlich kann ich hier nur noch verachten. Aber niemand kann allein aus Verachtung leben“

      • georgi  On Februar 19, 2012 at 14:27

        Wenn Du mit dem Diskurs-Gesindel nichts mehr zu schaffen haben willst, kann Dir doch eigentlich dessen Urteil, insbesondere das Urteil über Deine Suada gleichgültig sein. Das Diskursgesindel darf ruhig wissen, was Harmut von ihm hält. Oder nicht?

        • hf99  On Februar 19, 2012 at 14:42

          georgi: Über diese hanseln weiß ich seit 25 jahren bescheid. es geht m i r ganz egoistisch um mich: Eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Komplex tut mir nicht gut.

  • Frau Lehmann  On Februar 19, 2012 at 13:39

    Mich hätte aber dann doch interessiert, ob ich dich einigermaßen richtig verstanden hatte.

    ’niemand kann allein aus Verachtung leben‘

    Ds ist harter Tabak! Und ist tatsächlich (selbst)zerstörerisch. Aber glaubst du nicht, dass da doch mehr ist?

    • hf99  On Februar 19, 2012 at 13:54

      ja, hast Du. Es geht um das falsche progressive Bewusstsein, um eine Reduzierung kritischen Denkens auf Moraltheologie, auf Erbauungstraktätchen, letztlich um eine Reduzierung politischer Tätigkeit auf Spielmaterial zur Gewinnung persönlicher Identität. Ich bin natürlich nicht gegen Empathie, aber der Begriff ist zweischneidig und man sollte sich seiner Zweischneidigkeit schon bewusst sein. Wenn ich politische Verbrechen bemerke, muss ich mich nicht in Opferempathie stürzen – wohl gar noch öffentlich inszeniert -, sondern helfen, indem ich alles in meiner Macht stehende tue, um die Täter aus dem Verkehr zu ziehen. Thats all. Und wenn ich nichts tun kann – derzeit kann ich nichts tun -, dann sollte ich zumindest den Tätern signalisieren, dass ihre Taten nicht verborgen geblieben sind und dass sie, bei veränderten Voraussetzungen, damit rechnen müssen, zur verantwortung gezogen zu werden. Thats all. Mit meinem persönlichen Leben hat das ganze nur wenig zu tun. Ich halte den Satz „Das persönliche ist politisch und vice versa“ für hochgefährlich.
      Da geht es dann nämlich nicht mehr um Lösungen für irgend welche Probleme, sondern um das persönliche Seelenheil.

      • Frau Lehmann  On Februar 19, 2012 at 14:58

        Der Begriff Empathie ist nicht zweischneidig. Zweischneidig ist der Umgang mit der Empathie genannten Einstellung. Man kann jede echte Einstellung, jedes echte Gefühl benutzen, um sich selbst moralisierend auf einen Sockel zu heben und/oder als Schwert im Kampf gegen „die Bösen“. Das sind dann aber nichts mehr als Alibihandlungen zur eigenen Selbstbeweihräucherung und damit nur Scheinidentifizierungen, verkommen zur schön klingenden und, noch schlimmer, verkaufsträchtigen Phrase. Es mangelt in dieser Gesellschaft an der Fähigkeit zur Reflexion und Selbstreflexion, an der Fähigkeit, echte von gespielten Gefühlen zu unterscheiden oder unterscheiden zu wollen, an der Fähigkeit und dem Willen, Entscheidungen über die Reduzierung auf juristische Belange und grobe Pauschalisierung bzw. allgemein gängige Klischees hinaus zu begründen, weil alles oberflächlich reduziert wird auf Funktionalität und schnellen Erfolg. Es soll ja auch nichts verändert/verbessert werden, sonst müsste doch tatsächlich Aufklärung betrieben werden, müssten echte Diskussionen geführt werden, müssten Lösungen ertstritten werden statt in Scheinaktionismus zu verfallen. Schmidt-Salomon fordert in seiner Streitschrift „Keine Macht den Doofen“, dass wir, statt uns zu empören, uns entblöden müssten. Ich bin allerdings selber ziemlich ratlos, wie man die allgemein vorherrschende und als Besser-Wissen verkaufte Doofheit bekämpfen sollte, als immer und immer wieder und überall darauf hinzuweisen.

  • georgi  On Februar 19, 2012 at 14:39

    Empirischer Nachweis: Che und Netbitch1 jammern über ihre von momo beigebrachten Veilchen.

    • hf99  On Februar 19, 2012 at 14:52

      Die beiden haben natürlich Recht. ich hätte allerdings ne copyright-Angabe nett gefunden.

  • che2001  On Februar 20, 2012 at 13:17

    Dann könnte ich ebensogut von Dir eine verlangen, ich erzähle das Ganze auch schon seit 1985, als ich erstmals mit politischer Korrektheit in ihrer repressiven Form konfrontiert wurde, auch wenn diese sich in den für mich wahrnehmbaren politischen Umfeldern erst nach 1989 so richtig durchsetzte. Wobei ich Deine ursprüngliche Schimpferei nicht gelesen habe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: