„Ostseeripper“ Schales Lob? Falsches Lob? Bemerkungen eines Romanautors

Gewiss doch, gewiss doch. Tucho und so. Wer in der Öffentlichkeit kegelt, hat sich auch sagen zu lassen, wieviel Kegel er geschoben hat. Dennoch…dennoch…

Meine Güte, ich darf ja nix sagen, weil der Roman überwiegend gelobt wird. Aber was ist anzufangen mit einem öffentlichen Lob, in welchem es allen Ernstes heißt:

Es ist witzig, wenn auch zum Teil etwas schwierig, zu lesen. Der Erzähler verfällt öfter in Gedanken, die hier auch geschrieben werden. So kann der Leser auch die wirren Gedanken des „Dorf-Sheriffs“ kennenlernen, die skuril und amüsamt zugleich sind. So stellt man sich eine „Dorf-Polizeiwache“ vor, die zum ersten Mal mit echter Kriminalität zu tun hat.

Naja… Immerhin 5 Sterne. Zu Recht natürlich.

Dafür erhalte ich dann eine Email, die ihn als sehr spannenden Kriminalroman lobt – nur mit Merrit habe man so seine Probleme: femme fatalé (sic!), säuft, raucht, trägt Männerhosen (doppel-sic!), was, zum Teufel, habe die beim Spießerbullen in der Provinz verloren…?

Ganz allgemein finde ich die Reaktionen aber hochinteressant. Merrit wird von einer gewissen Klientel über den grünen Klee gelobt – vielleicht nicht zu Unrecht, aber ihr Fragwürdiges bleibt außen vor. Wer finanziert ihr denn eigentlich ihren Non-Konformismus? Ist das etwa Spießer-Götz? Über ihren Ehemann äußert sich so gut wie keiner resp wenn, dann negativ. Dass es auch, fast vor allem, um ihn geht (wie ja wohl schon aus dem Conrad-Motto hervorgehen sollte) – einer einzigen Kommentatorin ist es aufgefallen; ich hätte sie umarmen mögen. Und und und…schon ne spannende Sache, was ich da so an Reaktionen erfahre. Kann man Texte eigentlich „falsch“ lesen? Wer bemisst das?

Anyway: Wer Fragen zum Roman hat, kann die hier los werden.

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Kommentare

  • summacumlaude  On Februar 15, 2012 at 17:51

    Interessant ist Deine Anmerkung, zu Spießer-Götz kamen wenige, und dann fast nur negative Kommentare.
    In der Tat: Ein gesichertes Grundeinkommen sichert Merrit den elaborierten, non-konformistischen Code, in dem sie das triviale Spießerdasein auseinandernimmt. Wie sähe ihr Code aus, wenn sie – wie soviele Zeitverträgler – von Monat zu Monat die Vertragsverlängerung herbeisehnend einen öden Job tageintagaus wegknuffen müßte?

  • fk  On Februar 15, 2012 at 19:57

    tsja mein lieber. die interpretation der kunst bleibt dann eben doch noch dem publikum überlassen. aber sicherlich eine interessante erfahrung wenn sich das punktum verschiebt.
    weiter damit und viel vergnügen bei den lesungen. eventuell schaffst du es ja mal ins rheinland?
    dein buch kam übrigens leider nicht mehr an. irgend so ein unterbezahlter werbeblättchen-verteiler hat es wohl aus meinem briefkasten mit gehen lassen, das ist hier jetzt so mode geworden. nun denn, hoffentlich weiß er es zu schätzen und ärgert sich nicht zu sehr darüber, dass es ein buch und keine dvd ist…

    hgfk

  • hf99  On Februar 15, 2012 at 20:29

    Ahoi, fk, dann aber bitte mail an mich mit alternativer Versendeadresse.

    Tja, das Publikum. Hat es immer Recht? Wahrscheinlich. Aber wenn ich erzählte, ich fände Florian Kuhlmanns Gedichte nicht so gut, würdest Du auch kurz und knapp klarstellen, dass Du eigentlich keine Gedichte schreibst, sondern andere Formen von Kunst präferrierst, oder?

    @ summacumlaude: auch nicht so ganz. Erstens lebt sie ja selber dieses Spießerleben. Zum zweiten vernutzt sie ihre Bildung nicht, um Distinktionsmasse zu generieren, jedenfalls nicht gegen unten. Sie würde sich zB niemals über einen geistig kompakt Gebauten erheben, der womöglich auch noch „mir“ und „mich“ verwechselt, das fände sie peinlich. Sie tritt, wenn sie tritt, schon nach oben; aber natürlich mit der Sicherheit der Verbeamtung im Rücken. Im zweiten Teil wird sie für als Werbetexterin durch den Roman ziehen müssen, da die Kinder älter werden und die Kosten steigen. Was freue ich mich schon darauf, es dem Agentur-Gesindel mal so richtig zu besorgen!

    Andererseits generiert auch Götz, der vorher seine beziehungen, sein ganzes leben etwas gelangweilt abgehandelt hat, ja Mehrwert aus der beziehung, von der er, nicht zu Unrecht, mutmaßt, er sei zu ihr gekommen wie der Viktorianer zum Kind.

    • hf99  On Februar 16, 2012 at 01:12

      ergänzend, nachdem ich in meinen scripts geblättert habe: ist es überhaupt Non-Konformismus? ist doch eher Hofnarrentum, oder? Und das entscheidende: Sie sagt es selber! An der speakers-corner ihre Zynismen loslassen… Das mit der „speakers-corner“ hatte ich übrigens von Peter Rühmkorf, der das in seinem TaBu I erwähnt. Für die Intertextualitätsforscher unter uns 😉

  • eb  On Februar 15, 2012 at 20:44

    Naja, ich hatte dies schon mal woanders beschrieben. Das Problem liegt einzig und alleine in der Nachvollziehbarkeit. Man kann nur Dinge nachvollziehen, zu welchen man auch selber einen Bezug hat. Und jeder, sieht dies deshalb anders. Das ist Witz, – und Sinn der Geschichte. Bücher sind nicht nur gut zum lesen, – sondern auch zur Vermittlung. So gesehen, – hast du ein wirklich gutes Buch geschrieben 😉

    • hf99  On Februar 15, 2012 at 22:27

      Was Deine (nette) Wertung betrifft: De gustibus non est disputandum. Hab auch schon andere Rückmeldungen bekommen. Motzen ist des zahlenden Kunden gutes recht 😉

      Mir ging es hier, „ohne in heilig thun zu wollen“, darum, wie verquer man Texte lesen kann. Schon spannend, dass jetzt mal am eigenen Leib zu erfahren.

  • summacumlaude  On Februar 16, 2012 at 09:48

    Sie ist nicht non-konformistisch aber sie redet einen non-konformistischen Code. Mir geht es nicht so sehr um die Figur Merrit (als Schriftsteller hast Du naturgemäß jedes Wort als auf Dein Werk bezogen gedeutet), sondern um die allgemeine Frage, wie der Code aussähe, gäbe es kein BAT-Gehalt respektive keine Erbschaft im Hintergrund; stattdessen aber zwei nörgelnde, ewig hungrige Kinder und einen vierteljährlich ausgelobten hireandfire-Job als Alleinerziehende. Bleibt dann noch Raum für das reflektierte Arschloch in uns?

    Es spricht übrigens nicht gegen ein Buch, wenn es zum weiter ausholenden Reflektieren führt, Fragen aufwirft, die intentional zunächst nicht vorgesehen waren. Hier stimmt dann auch der Satz, dass jedes gute Buch klüger ist als sein Autor.

  • fk  On Februar 16, 2012 at 11:19

    lieber hf,

    das was du anhand der gedichte beschreibst ist natürlich in der tat verstörend. so was will man nicht.
    – gleichwohl ich im übrigen wirklich auch gedichte schreibe, aber das kannst du nicht wisssen. von daher verstehe ich wohl was gemeint ist.

    publikum und pöbel. das soll man beides auch mal beschimpfen! sie haben es sich redlich vedient.

    hgfk

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