Thomas Straubhaar: Copyrightpflichtig (nüchtern editiert)

Wenn einen ein lieber Blogger-Kollege überraschend besucht, sollte man post vino nicht mehr bloggen; es dient der Klarheit der Gedanken nicht wirklich. Nüchtern sei dennoch nachgefragt: Hat Thomas Straubhaar eigentlich in meinem Blog abgeschrieben? Oder bei meiner Blogroll? Seit Jahren, seit Jahrzehnten weisen wir auf den Irrsinn hin, der entsteht, wenn man menschliche Handlungen entscheidungstheoretisch als „Entscheidung unter Sicherheit“ versteht, also einen sich jederzeit rational agierenden homo oeconomicus postuliert. Können wir bei Straubhaar jetzt copyright-Gebühren einfordern?

Herr Prof. Dr. Straubhaar bekundt´ nun also:

„Wir müssen den Mythos von der Effizienz der Finanzmärkte zertrümmern“, sagt er jetzt. Marktversagen sei schließlich kein Einzelphänomen, begleitet von so irrationalen Nebenwirkungen wie Herdenverhalten, Panik, Eigendynamik und Automatismen. Der Homo oeconomicus hat abgewirtschaftet. „Mikroökonomisches Gewinnstreben kann zum makroökonomischen Untergang führen“, sagt Straubhaar

Wir gratulieren, wir gratulieren.

Das Fatale am „homo oeconomicus“-Postulat war ja nicht der Irrtum, der ihm zugrunde liegt, sondern die klägliche Offensichtlichkeit dieses Irrtums. Es bedurfte keines Einsteinschen Intelligenzquotienten und keines Prädikatsexamens in VWL, um diesen Blödsinn als solchen zu erkennen. Klassischer Fall von Tunnelblick. „Weil, so schließt er messerscharf/ nicht sein k a n n, was nicht sein d a r f“. Adam Smiths „Trick der Vernunft“ (die unsichtbare Hand des Marktes) war immer schon unvollständig. Philosophisch gesprochen handelt es sich bei dem Fehler der Neoklassik um eine grundsätzliche Unklarheit utilitaristischer Ansätze. „Größtmögliches Glück für eine größtmögliche Zahl von Menschen“ – dieses berühmte Theorem muss genauer ausgeführt werden. Insbesondere muss es mit einer klaren Präferenz zugunsten der „größtmöglichen Zahl von Menschen“ versehen werden. Ansonsten wären – einmal unterstellt, dergleichen sei quantifizierbar, was der Utilitarismus ja voraussetzt! – Glücksfaktor 1 für 10 Menschen und Glücksfaktor 10 für einen (plus Glücksfaktor 0 für die restlichen 9) utilitaristisch gedeutet eben moralisch gleichwertig. Und genau das sind die beiden Situationen schon intuitiv nicht. Straubhaar, Sinn und Hüther hätten einfach mal bei den Philosophinnen und Philosophen nachfragen können…Aber das war ja unmodern, Philosophie ein Laberfach, und die Effizienz Lieblingswort jener knallharten realisten, die jetzt so langsam begreifen, vor den Trümmern ihrer geistigen Existenz zu stehen.

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