Nur endabschließend

noch dies zum Thema unfaire Unterredung. Letztlich genügen ein paar Links. Denn besser als Schopenhauer (dort auch Link auf den Originaltext) kann ich es nicht machen. Ganz abgesehen davon, dass ich seit Jahren, seit Jahrzehnten auf diese unklaren Verfahren hinweise und es so langsam leid bin.

Es gibt zwei Arten von Diskutanten, die mit Hilfe eristischer Verfahren Recht zu behalten suchen: Die Zyniker des Betriebs, die ihren gut antrainierten Schopenhauer eiskalt durchzocken (nicht umsonst ist Schopenhauers Eristik längst zur Bibel des PR-Betriebs mutiert)…und die ehrlich Überzeugten, die den Blödsinn, den sie da erzählen, subjektiv aufrichtig glauben. Mit ersteren kann eine Debatte ernsthaft nicht geführt werden, da sie ja wissen, dass sie lügen – da genügt meist ein Satz, etwa: „ich habe Schopenhauer auch gelesen, wollen wir wetten?“ -, mit letzteren, dem Fußvolk der ersteren, ist sie nervzerrend, letztlich sinnlos. Denn wer subjektiv völlig aufrichtig Blödsinn glaubt, z.B.: Hannah Arendt sei eine „jüdische Selbsthasserin“, Norman Paech ein „Antisemit“, Katharina Rutschky eine „Täterschützerin“, der wird sich, denn er hat sich längst in den Inquisitions-Wahnwitz begeben, auch durch stringenteste Gegenargumente nicht überzeugen lassen. Im Gegenteil: Entsprechend seines Wahnwitzes nimmt er den Widerstand, der ihm entgegen schlägt, auch noch als „Beleg“! („Wer zugibt, vom Teufel besessen zu sein, ist schuldig. Wer leugnet, vom Teufel besessen zu sein, zeigt gerade durch seine Verstocktheit, wie massiv ihn der Teufel im Griff hat und ist schuldig. Du bist also immer schuldig.“)

Deswegen gibt es zum Beispiel auf hanebüchene Antisemitismusvorwürfe der Antideutschen nur eine Antwort: „Richtig, in Deinen Augen bin ich Antisemit. Wäre ich es nicht, ich müsste mich fragen, was, um alles in der Welt, ich nur falsch gemacht habe!“

Und damit könnte ich schon schließen. Denn was ist hier noch zu sagen? Persönlich bin ich vollkommen desinteressiert an diesen Lügnern und Trotteln, habe ihre Vorwürfe auch nie ernst genommen, mir nie reingewürgt; dafür gab es keine Veranlassung. Politisch ist die unstreitige Tatsache, dass weite Teile der öffentlichen Unterredung, auch die innerlinke, eristischen Motiven folgt, jedoch ein Desaster. Nur zwinge ich mir hier nicht mehr länger dazu, einzugreifen. Vor kurzem fiel hier im Kommentarteil, nicht ohne Grund, das Stichwort Kohlhaas… Es gibt ein Leben vor der Revolution und das Recht auf Ruhe in ihm. Mit Leuten, die Arendt zur „jüdischen Selbsthasserin“, Paech zum „Antisemiten“, Rutschky zur „Täterschützerin“ umschmutzen, umlügen, diskutiere ich einfach nicht mehr, ich schüttele sie ab, ich kenne sie nicht. Um meine intellektuelle Zahlungsfähigkeit klarzustellen, habe ich es nämlich nicht nötig, meine Zeit in die nächste Pfütze zu schmeißen.

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Kommentare

  • ziggev  On Dezember 26, 2011 at 16:39

    ich stelle mir manchmal vor, es müsste zur Bedingunggemacht werden, um an einer Diskussion teilnehmen zu dürfen, dass jedem Diskussionsbeitrag der entsprechende Kunstgriff aus der eristischen Dialektik vorangestellt werden müsse, etwa:

    „Ich hingegen will entgegnen (KG 1; 4-6 und KG 31): ‚…'“ Idealtypisch nur noch in Stichworten: „Meine Antwort lautet (1) KG 30 ‚[Stichwort]…‘; (2) KG 4: ‚[Stichwort]…‘ und (3) KG 6: ‚[Stichwort]…‘ zusammen mit (1) als KG 4 ([Stichwort]’…‘) und (3) aks KG 7 (‚[Stichwort]…‘) !“

    Schließlich könnte sich ganz auf KGs beschränkt werden:

    A: KG 3 !
    B: wo denkst du hin: KG 31 !!
    usf.

    • ziggev  On Dezember 26, 2011 at 16:58

      beliebtestes Argument dann natürlich:

      „dein Argument könnte freilich ebenso als echtes Argument und nicht als KG interpretiert werden und ist mithin nicht zulässig!

  • eb  On Dezember 26, 2011 at 16:50

    Ui, – gerade ähnliche Problematik?

    nicht umsonst ist Schopenhauers Eristik längst zur Bibel des PR-Betriebs mutiert…

    Jaja, – schon lange nicht mehr gehört. Oder wieder? Schön wärs ja.

  • El_Mocho  On Dezember 27, 2011 at 21:09

    Leszek Kolakowski schreibt im Schlusskapitel seiner Geschichte des Marxismus: „Der optimitische Glaube, für alle Probleme und jedes Unglück der Menschen stehe eine sofortige Lösung bereit, deren unverzügliche Anwendung nur durch die Bosheit von so oder anders indentifizierten Feinden verhindert wird, kommt immer wieder in verschiedenen ideologischen Gebilden vor, die unter der Bezeichnung Marxismus auftreten. Heute ist der Marxismus eine Ideologie, die die Welt weder erklärt noch verändert; er ist nichts als ein Vorrat an Schlagworten, die der Organisierung unterschiedlicher Interessen dienen. … Die Selbstvergötterung des Menschen, welcher der Marxismus philosophischen Ausdruck verlieh, endet wie alle Versuche der individuellen und kollektiven Selbstvergötterung: Sie erweist sich als der farcenhafte Aspekt der Menschlichen Unzulänglichkeit.“ (Bd. 3 S. 575)

    Genau das ist der Grund für das immer wiederholte Scheitern der Linken, die du ansprichst: Man will (0der kann?) nicht von der Selbstvergötterung ablassen.

    Ein paar Seiten vorher schreibt Kolakowski: „Wenn der Sozialismus mehr sein willals ein totalitäres Supergefängnis, kann er nur in einem System von Kompromissen zwischen verschiedenen, sich gegenseitig begrenzenden Werten bestehen. … Der demokratische Sozialismus ist ein Versuch, Institutionen zu errichten, die nach und nach erreichen können, dass die Unterordnung der Produktion unter den Profit eingeschränkt, die Not beseitigt, die Ungleichheit verringert … und die sowohl von der Staatsbürokratie wie von totalitären Versuchungen ausgehende Gefahr für die demokratischen Freiheiten minimalisiert wird.“

    Dessen muss man sich bewusst sein, und Selbsvergottung ist mit einer solchen Haltung nicht vereinbar. Da aber viele Linke um jeden Preis an der uotpischen Selbsvtergottung festhalten wollen, wenden sie gegen alle Kritiker die von dir beschriebenen eristischen Tricks und Diffamierungen an. Und dabei sind ihnen nahezu alle Mittel recht, einschließlich höchst absurder Diskurstheorien, die heute an die Stelle des Marxismus getreten sind.

  • Nörgler  On Dezember 28, 2011 at 12:46

    Auch im Jahre 2012 dürfen wir mit einem El_Mocho rechnen, der noch immer nicht geschnallt hat, dass diejenigen, in deren Blogs er herumalbert, mit „Marxismus“ nie etwas am Hut hatten. Diese Subreption muß er aber aufrechterhalten – Eristik! –, weil er sonst nichts zum rumalbern hätte.
    Und wenn hierzulande eine demokratische Massenbewegung der „Unterordnung der Produktion unter den Profit“ tatsächlich ans Leder ginge, wäre El_Mocho der Erste, der nach den Freikorps ruft.

  • El_Mocho  On Dezember 28, 2011 at 16:55

    Wie üblich nichts gerafft, dabei habe ich doch eigentlich recht klar geschrieben.

    Ob sich die Selbstvergötterer nun auf Marx oder Foucault oder wen sonst berufen, ist egal; die jeweils gewählte Ideologie ist relativ beliebig, Hauptsache sie unterfüttert den Wahn.

    Und lies mal genauer: Kolakowski schreibt, dass „die Unterordnung der Produktion unter den Profit eingeschränkt“ werden kann; dazu ist keine Massenbewegung von nöten, ein paar simple Gesetzesänderungen würden reichen: http://exportabel.wordpress.com/2011/12/21/lucas-zeise-ein-kurswechsel-ware-popular-und-einfach/ .

    Du kannst dich ja gerne weiter von der Flachpfeife da beleidigen lassen und trotzdem um Symapthie von ihm betteln; mache Leute haben eben ein so dickes Fell, dass sie auch ohne Rückgrat stehen können.

  • flummi  On Dezember 28, 2011 at 20:04

    totaly off topic

    wollte nur sagen, dass der Postmann mit dem Krimi hier heute 3 mal klingelte. Thx!!!

  • Nörgler  On Dezember 28, 2011 at 23:28

    Mit „Flachpfeife“ ist wohl Momorulez gemeint.
    Keiner hat ihn so tiefgreifend, so häufig, so ausführlich und so hart kritisiert wie ich das tat. Dass ausgerechnet ich (!) bei ihm um Sympathie betteln würde, ist eine eristische Halluzination.
    Allerdings stelle ich abermals fest, was ich schon Jolly_Roger ins Stammbuch schrieb: In Momorulez Scheiße ist mehr Intelligenz als in Deinem Hirn. –

    „Kolakowski schreibt, dass ‚die Unterordnung der Produktion unter den Profit eingeschränkt‘ werden kann; dazu ist keine Massenbewegung von nöten, ein paar simple Gesetzesänderungen würden reichen“.
    Schon richtig. Aber um die Poltik zu einer solchen Gesetzgebung zu bringen, bräuchte man eine Massenbewegung. K. macht sich Illusionen über den Kapitalismus.

  • eb  On Dezember 28, 2011 at 23:38

    @flummi
    Genieß ihn. Macht mehr Sinn. Der Rest, ergeht sich im elitären Gestöhne 😉 Und alle sind ganz furchtbar klug.

    • flummi  On Dezember 29, 2011 at 01:19

      aber des nörglers senf, den les isch immer gerne,,,

      • eb  On Dezember 29, 2011 at 01:38

        Yooo. ich les sie alle gerne. Die brauchen das.

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