Zwickau: Ungereimtheiten gehen fröhlich weiter

Wenn dem Ermittlungsrichter wirklich nur so wenige Aktenstücke vorlagen, hätte aus unserer Sicht der Haftbeschluss nicht auf Bildung einer terroristischen Vereinigung lauten dürfen. Die Bundesanwaltschaft hat uns bisher nur gut 120 Seiten, also fast nichts, zur Verfügung gestellt. Von einem fairen Verfahren kann man da nicht sprechen. Ich kann nicht akzeptieren, dass Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt die Öffentlichkeit bedeutend umfangreicher informieren als uns.

Eine der beiden Parteien belügt also die Öffentlichkeit. Es sollte ein leichtes sein, herauszufinden, welche das ist. Allerdings habe ich da so einen Verdacht. Kann mir nicht vorstellen, dass sich RA Wolfgang Heer das einfach ausgedacht hat.

Kurios war der Fall von vorneherein – 13 Jahre Schweigen, dann ging alles sehr schnell. Zum Bankraub nimmt man fröhlich Beweismittel für einen Mord mit. Eine DVD wird hergestellt, angeblich schon vor Jahren, wird eingelagert, und taucht auf einmal allerorten auf. 13 Jahre Untergrund, also ohne Krankenversicherung (was tut man da, wenn der Zahn mal pocht?), in ständiger Angst (man darf ja nicht in die kleinste Verkehrskontrolle geraten), in den Orten lebend, aus denen heraus man eigentlich untergetaucht ist (untertauchen bedeutet eigentlich Ausland), und mit geringen Barmitteln (die bis jetzt im raum stehenden 400.000 € in 13 Jahren für 3 Personen, also etwa 10.000 € / Jahr, sind zu wenig, wenn man daran denkt, dass man im Untergrund ganz andere Kosten hat; sogar an die Ostseeküste ging es immer wieder). Ein unklarer Bezug zum Inlandsgeheimdienst nach dem anderen, was dann alles immer wieder so halb und halb dementiert wird. Zuerst: Ja, sie hatten Geheimdienstpässe. Nein, doch nicht, ein Gesinnungsgenosse will sie ihnen (allen dreien? auch der Frau?) per Fototausch besorgt haben. Ein hessischer Inlandsgeheimdienstler war am Tatort in Kassel, wird sogar festgenommen – Zufall? Vielleicht. Vielleicht wollte er wirklich nur ungestört auf sexihexi.de surfen. Aber bestimmte Vorlieben scheinen bei dem Mann vorgelegen zu haben, und die Mordserie endete danach – wenn sie es tat… Da stinkt alles.

Die jahrzehntelangen, traditionellen Bezüge des aus alten Nazi-Kadern nach 1945 wieder aufgebauten Inlandsgeheimdienstes zu diversen subversiven Nazi-Gruppen sind gut dokumentiert; das fest zu stellen ist in nichts paranoid. „Aus dem Ruder gelaufen“? Strategie der Spannung? Man hält sich rechte Schläger- und Mördertrupps warm für den Fall der Fälle? Ich weiß es nicht. Aber es stinkt.

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