Euro-Bonds! Euro-Bonds?

Ich bin nicht gegen Euro-Bonds, die Art, in der sich eine ersichtlich unfähige Kanzlerin durch die Krise brüningen und hoovern will, muss jeden fassungslos machen, der einfach mal nur „Börsencrash 1929“ und „Danat-Bank“ gegoogelt hat, und wenn der kleine, unbedeutende, schmierige Herr Kauder davon faselt, nun werde aber deutsch gesprochen in Europa – er meint offenbar sein Deutsch! – , so pendel ich zwischen Fremdschämen, schallendem Gelächter und Kopfschütteln hin und her. (Und damit wollen wir Herrn Kauder auch ganz schnell wieder vergessen – als ob wir sonst nichts zu tun hätten!)

Eurobonds wären wie Freischokolade für eine Bande überfetteter Kinder. Dabei ist die Stunde der Diät längst gekommen.

gutsherrt der überforderte Herr Weimer, dem ich unterstelle, dass er genau weiß, wie es um die soziale Situation in Griechenland, Spanien, Portugal, Italien bestellt ist. Nicht nur das deutsche Klein-, auch das deutsche Bildungsbürgertum wird immer wieder vom Teufel geritten.

Ich bin aber auch nicht für Euro-Bonds. Mit allem Respekt etwa für den ganzen Nachdenkseitenkreis: Euro-Bonds, derzeit aus pragmatischen Gründen natürlich unerläßlich, werden lediglich eine Atempause bedeuten. Sie werden nicht einen Deut ändern am grundlegenden Problem dieser Wirtschaftsordnung, nämlich an ihrer Unwucht, die sich darin ausdrückt, dass die oberen 5 % dieser Gesellschaft Werte unglaublichen Ausmaßes angehäuft haben, während die öffentlichen Haushalte dieser an sich reichen Gesellschaften zerschossen sind. Und zwar final zerschossen. Vergessen Sie Griechenland. Das ist ein kleines, sympathisches Land an der Ägäis, aber für die Weltwirtschaft relativ unerheblich. (Wenn die Haushaltsprobleme Griechenlands wirklich geeignet wären, die ganze Euro-Zone ins Rutschen zu bringen, dann stimmte grundlegend etwas nicht an diesem System. Es stimmt wirklich grundlegend etwas nicht derzeit…das schon! Aber Griechenlands Provinzhallodris sind dabei unsere geringste Sorge.)

Alle westlichen Staaten, Japan und die USA übrigens vorneweg, sind pleite, sind de facto und nach heutiger Kaufkraft bankrott. 15 Billionen Dollar sind, wenn wir die heutige Kaufkraft zugrunde legen, eine Summe, die die USA im Ernst nicht mehr werden schultern können, und das wissen auch alle. Pleite sind alle – letztlich selbstverständlich auch die Bundesrepublik -, weil seit eh, in verstärktem Maß aber seit etwa 40 Jahren die erwirtschafteten Gewinne nach oben durchgeschossen werden, während die Allgemeinheit auf den Kosten sitzen bleibt. Seit Jahren hören wir von Maßnahmen – in Deutschland, wohlgemerkt, nicht in Griechenland -, deren klägliche Hilflosigkeit anzeigt, wie dramatisch die finanzielle Situation der öffentlichen Hand ist: Hier wird die Temperatur der öffentlichen Bäder um 1 Grad abgesenkt, dort jede zweite Straßenlaterne abgeschaltet… Dass sich die Probleme durch solch hilfloses Treiben nicht werden lösen lassen, liegt auf der Hand.

Die massive Unwucht zwischen privaten Vermögen in Händen weniger, also zwischen Kapital, welches, mit Marx gesprochen, nach Mehrwert heischt, und der desolaten Situation der öffentlichen Kassen wird ausgeglichen werden. Fragt sich nur, wie. Durch eine Inflation zum Beispiel, also eine massive Privilegierung der Sachwertebesitzer (die ganzen, verzeihung, Riester-Idioten werden auf ihren erarbeiteten Forderungen sitzenbleiben*). Durch einen Währungs-Crash (dito). Oder dadurch, dass man das Geld, welches in den letzten Jahrzehnten nach oben durchgeschossen wurde, erbarmungslos wieder einsammelt. Das wäre keine Enteignung. Es wäre ein payback. Da dies – man nennt so etwas auch eine Revolution – das Vernünftigste wäre, wird es, fürchte ich, so nicht kommen. Und es wird deswegen so nicht kommen, weil nicht nur die oberen 5-10 % – das kann ich verstehen -, sondern merkwürdigerweise auch der gesamte Mittelbau eine Umgestaltung aka Revolution fürchtet wie das Weihwasser den Teufel.

Dass die Euro-Bonds dann lediglich das neueste Spekulationsobjekt wären, sei der Vollständigkeit halber hinzu gefügt.

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* werden sie sowieso, egal, wie es kommt. In etwa 20, 25 Jahren werden die ganzen Riester-Trottel realisieren wollen. Na, viel Spaß dabei, jemanden zu finden, der einem die erarbeiteten Forderungen abkauft…

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Kommentare

  • antiferengi  On November 25, 2011 at 23:14

    Na, da stimm ich dir einfach so was von zu.

  • hf99  On November 26, 2011 at 00:29

    Tu s mal lieber nicht. Das problem bei solchen Sachen ist, dass Kopp-Verlag und Gesell-Friggels kräftig mit einsteigen. Ich sehe nur dertzeit eben nicht, wo, zB, Japan oder die USA (oder letztlich auch die BRD) ihre Schulden nach heutiger Kaufkraft bedienen können. Und ein milde inflationäres Weiterschieben der Schulden von einer generaton auf die nächste wird irgendwann auch enden. „Aber die BRD hat doch 2,9 % mehr erwirtschaftet, jedoch nur 2,8 % mehr sich verschuldet – wo ist das Problem?“ Vielleicht da? WER hat sich die 2,9 % angeeignet, und wer die 2,8 % bedient? Und wer spekuliert mit der Differenz, und auf wessen Kosten? Wer soll das alles mal zahlen?

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