Occupy

Wollte gerade kurz was schreiben (habe eigentlich Terminarbeiten auf dem Tisch, ich weiß, Florian, ich weiß!) – da nimmt mir Genova dankenswerter Weise alles von den Lippen. Tatsächlich: Eine Bewegung, der sich auch Merkel und Steinbrück anschließen können, kann uns gestohlen bleiben. Per heizt den Bänkern ein. Die dürften aber zittern…

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Kommentare

  • fk  On Oktober 19, 2011 at 19:22

    kein bange. die deadline steht zwar auf irgendwelchen plakten. aber das sollte man alles nicht zu ernst nehmen. von daher, mach hin, aber stress dich nicht mehr als notwendig. andereseits ist es gut wenn es da ist…

    zu dem kommentar von genova.
    hm ja und nein. finde es gut dass er sich mit dem typen mal auseinandersetzt der da eventuell gerade aufgebaut wird.
    is aber glaube ich ein fehler diesen mit einer irgendwie gearteten bewegung gleich zu setzen.

    hgfk

  • genova68  On Oktober 20, 2011 at 11:34

    Ich setze den auch nicht gleich, finde es aber bezeichnend, dass ausgerechnet der zum „Sprecher“ wird und direkt von den Medien gehypt. In dieser Bewegung geht es um Repräsentation nach außen, um Wahrgenommen werden, um publizistische Relevanz, ob einem das passt oder nicht.

  • fk  On Oktober 20, 2011 at 13:47

    @genova du schreibst „Ich setze den auch nicht gleich, finde es aber bezeichnend, dass ausgerechnet der zum „Sprecher“ wird“.
    das stimmt natürlich. worauf ich doch aber hinaus wollte ist, warum wird er und durch wen.
    ich bin nun auch kein experte für diese, wie auch immer geartete bewegung, von daher weiß ich nicht inwiefern er durch wen legitimiert wird.

    aber zumindest mit der bewegung der empörten in spanien habe ich mich eine weile beschäftigt, und dort hat man es auf seiten der empörten immer tunlichst vermieden irgendeine einzelperson zum sprecher zu machen.

    ich gehe jetzt auch einfach mal davon aus, dass dir das ja ebenso bewusst ist. aber man sollte es imho eben auch vermeiden die gewohnten kommandostrukturen auf dieses difuse entstehende netzwerk zu übertragen. einfach weil man gefahr läuft damit die dümmliche ideologisch geprägte wahrnehmung des mainstreams unbeabsichtigt zu stützen. (was natürlich nicht heißt dass ich dich oder deinen post dümmlich finde.)

    es ist leider wahrscheinlich, dass sich auch aus diesen kreisen irgendwann ‚führungsfiguren‘ herauskristallisieren, derzeit ist aber der anonymous-gedanke noch stark ausgeprägt und vorhanden. den sollte man – ganz nach dem prinzip hoffnung im blochschen sinne – einfach stützen.

    „In dieser Bewegung geht es um Repräsentation nach außen, um Wahrgenommen werden, um publizistische Relevanz, ob einem das passt oder nicht.“

    worum es in dieser bewegung derzeit geht weiß doch eigentlich niemand so genau und es ist doch auch gar nicht so wichtig, von daher wäre ich auch mit solchen aussagen vorsichtig. ich finde zu dieser frage aber die posts vom geschätzten monoma sehr erhellend http://autismuskritik.twoday.net/stories/notiz-ein-sonniger-occupy-nachmittag-im-oktober/

    ich gebe dir aber im großen und ganzen völlig recht. es ist in der tat bezeichnend, dass der mainstream versucht diese figur zum anführer von etwas zu machen wovon es keinen anführer gibt oder keinen geben muss.
    das geschieht aber sicherlich auch, weil der gedanke einer führerlosen, rein auf ideologischer ebene verbundenen gruppe wahrscheinlich das beunruhigenste ist, was man sich auf politischer ebene vorstellen kann.

    hgfk

  • genova68  On Oktober 20, 2011 at 14:54

    hi fk,
    bei dem geschätzten Monoma habe ich das Problem, dass er alles klein schreibt, in viel zu breiten Zeilen schreibt und viel zu lange Texte. Außerdem braucht er ewig, um zum Punkt zu kommen. Ich kriege bei dieser unstrukturierten Bleiwüste Herzrasen. Inhaltlich ist das vielleicht in Ordnung, keine Ahnung, ich komme nie besonders weit. Das ist Internet, nicht Kant.

    Und da sind wir auch schon bei Occupy. Ohne Medien, ohne Vermittlung geht nichts. Die Form ist eben nicht egal. Sonst sitzen die auf einem Rasen und keinen interessiert es. Ich habe auch nichts gegen Sprecher von Bewegungen, die Frage ist nur die der Legitimation. Es ist die uralte Diskussion um Basisdemokratie: wie viel und wie geht das? Man will irgendwas hören, Statements. Es muss also jemand reden. Und das ist eben ein Mensch mit einem Mund.

    Ich halte wenig von diesem quasi-jungfräulichen Ding, genausowenig, wie ich etwas davon halte, alle Parteien grundsätzlich aus dem Protest auszuschließen. Zumindest Equipment sollte man sich von der Linkspartei hemmungslos ausleihen. Bei Occupy Berlin waren die Lautsprecher so unterdimensioniert, dass man praktisch nichts verstand.

    Und auch inhaltlich: Wenn es Überschneidungen gibt, dann bitte. Warum das Parlament grundsätzlich ausschließen?

    Ich glaube, ich denke zu strategisch.

  • ziggev  On Oktober 20, 2011 at 17:22

    vielleicht ein schiefer Vergleich. Aber wenn ich die 80er Proteste gegen AKWs, den Nato-Doppelschluss versuche auf ihren rationalem Kern zu reduzieren, dann ist dieser die Auflehnung gegen die damaligen absurden Verhältnisse gewesen. Etwas übertrieben gesagt: das Überleben der ganzen Menschheit aufs Spiel setzen, das Ende des menschlichen Lebens androhen, um einen zeitweiligen Burgfrieden zu bekommen. Diese Drohung aufrechzuerhalten war irrational. Das Gegenüber aber für rational zu halten und selber rational zu agieren würde bedeuten, man könne eben doch mal so eben in der DDR resp. die BRD einmarschieren, was wieder, nüchtern betrachtet, die Drohung sinnvoll erscheinen ließ. Man musste also den Gegner vernünftig genug halten, irrationale Drohungen auszusprechen. Die Strategie, die UDSSR tozurüsten hätte ebensogut auch nicht aufgehen können, wie wir heute wissen. Am klügsten wäre wahrscheinlich ein Pakt gewesen: im Ernstfall den Atomkrieg auf Gebiete außerhalb des eigenen Territoriums zu begrenzen, wo Atomrateken stationiert sind, etwa auf Deutschland. Außerdem: war Russland nicht letztlich, global betrachtet, doch wirtschaftlich abhängig vom Westen? Nena: „… Kriegsminister – Streichhölzer und Benzinkanister“ ? Die Massenkundgebungen fasste ich also als Aufschrei auf: Das ist doch absurd ! Wir haben keine große Lust dafür die Köpfe hinzuhalten ! Manchmal gebe ich mich sogar der Illusion hin, das habe etwas bewirkt.

    Ähnlich Atomenergie: Im Katastrophenfall einen unermesslichen (so wurde das ja damals durchaus imaginiert – jedenfalls eine, zugegebenermaßen zynische, Kosten/Nutzung-Rechnung, im Falle Fukushima etwa, aufzumachen, getraut sich bis heute fast niemand in der Öffentlichkeit), also einen unendlich hohen Schaden/Preis in kauf nehmen zu wollen, bedeutete nichts anderes als ein Risiko eingehen, das schlicht nicht wägbar ist. Restrisiko hin oder her. Dass das nicht rational war, konnte ja jeder unschwer erkennen. Und dann waren die Fronten verhärtet. Nicht ganz zu unrecht, wie wir heute wissen (Gorleben war eine politische Entscheidung). Dass man das „Restrisiko“ irgendwie durch Laufzeiten, also durch Überlegungen zur Zeit n a c h Atom, etwas mehr in den Griff zu bekommen versucht, ist da ja schon mal kein schlechter Anfang.

    In gewissem Sinne könnte ich die heutigen Proteste als gegen eine völlig absurde Situation gerichtete auffassen. Und der ‚anonymous-gedanke‘ ist doch gerade der Witz an der ganzen Sache der 99%. Nur die Deutschen haben es mal wieder verpeilt, und sich so schnell wie möglich alles wieder kaputt gemacht – bevor eine „kritische Masse“, aus der etwas hätte entstehen können, erreicht war. Der Gag an den 99% ist doch, dass zunächst einmal jeder Individuum bleibt und der Phantasie bei Formen des Ausdrucks und der Organisation zunächst keine Grenzen gesetzt sind.

    Natürlich ließ dann jemand wie Ulf Poschardt nicht lange auf sich warten mit seiner wieder etwas billigen Kritik an Links in der Welt. Seine Stilkritiken kann er sich sowieso von mir aus mal … Und dann dieser Gauck mit seinem „unsäglich albern“. Die haben ziemlich schnell geschaltet mit den üblichen Diffamierungen. Geholfen hätte dagegen unorganisierte vermutlich Masse.

    http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13660070/Geht-schoen-demonstrieren.html

  • fk  On Oktober 20, 2011 at 19:57

    nein du denkst nicht zu strategisch, nur mit zu wenig selbstvertrauen. deine beobachtungen sind stets präzise und erhellend. aber du bist nicht bereit dich den dingen konsequent zu stellen sondern verharrst dann immer wieder erneut in etablierten mustern.
    versuch doch einfach mal neben der strategie der kritik auch die der affirmation. letzteres macht einen nicht zwangsläufig zum opportunisten, eröffnet aber neue möglichkeiten.

    hgfk

  • ziggev  On Oktober 20, 2011 at 22:11

    In gewissem Sinne – indem ich sie mit den Anti-AKW-Demos, den Friedensdemos in den 80ern vergleiche – könnte ich die heutigen Proteste als in erster Linie gegen eine völlig absurde Situation gerichtete auffassen. Neu allerdings und gerade der Witz an der ganzen Sache ist doch gerade der ‚anonymous-gedanke‘ der 99%. Eigentlich brauchte es die alten Verhärtungen zweier sich gegenüberstehenden Lager nicht mehr geben. Der Gag an den 99% ist doch, dass zunächst einmal jeder Individuum bleibt und der Phantasie bei Formen des Ausdrucks und der Organisation zunächst keine Grenzen gesetzt sind. Da ich nicht oder kaum daran glaube, dass sich nun alles in Wohlgefallen auflösen könnte, werden sich die radikalen Forderungen von allein ergeben, oder hätten sich, was Deutschland betrifft, ergeben können. Nur die Deutschen haben es mal wieder verpeilt (Siener), und sich so schnell wie möglich alles wieder kaputt gemacht – bevor etwas hätte entstehen können.

    Natürlich ließ dann jemand wie Ulf Poschardt nicht lange auf sich warten mit seiner wieder etwas billigen Kritik an Links in der „Welt“. Seine Stilkritiken kann er sich sowieso von mir aus mal … Diese abgeschauten abgestandenen Versuche, die Linke lächerlich zu machen, früher, weiß das überhaupt noch jemand, war das eher ein innerlinker Topos, sich (ironisch) auf Stilfragen zu beziehen. Man denke nur an die bis heute (in einigen Kreisen) andauernden Diskussionen etwa zu Punk. Der Versuch, mit lahmer Ironie diese Bewegungen als Mode- Zeigeistphänomen niederzuschreiben, ist selber etwas sehr oberflächlich geraten. Er geht nach einem Schema vor, derart asbach-uralt, dass es schon lange nicht mehr zieht. Wenn es tatsächlich eine lebendige gesellschaftliche Diskussion geben würde, würden seine miefigen Provokationen ja noch eventuell noch etwas auslösen. Ich will gar nicht behaupten, dass es mal einen linken Mainstream gab, oder gar ein Vorherrschen in den Medien, kann ja sein, seine Formeln aber, und im ähnlichen Stil etwa Signalwörter wie „Mulitikulti“ (jetzt geht´s aber mal so richtig los, den verblödeten linken Naivlingen ein drüberzugeben!), rühren von längst vergangenen Animositäten her, aus einer Zeit, als es etwas wie einen übergreifenden Diskurs (AKW, Pazifismus) noch gab. Dass es dazu nocheinmal kommen könnte, will er unter allen Umständen vermeiden, auch will er auf jeden Fall nicht irgend ’sexy‘ zu sein. Trotzdem könnte er das auch gar nicht. Es soll blutleer, hohl sein. Die Linke ist also irgendwie nicht sexy: aha! – Und dann noch dieser Gauck mit seinem „unsäglich albern“.

    Da hat wer ziemlich schnell geschaltet, um mit den üblichen Diffamierungen erstmal loszulegen. Sich bereits vorweg über das Scheitern auf links lustig machen, abwarten, bis sich Verquickungen mit „Stützen“ der Gesellschaft ergeben, bis also alles harmlos ist, dann übernehmen … Aber so wird´s diesmal vielleicht doch nicht laufen. Vielversprechend – sicherlich auch gefährlich – war doch gerade, dass ein Schwarz-weiß-Denken „die Guten/die Bösen“ bei den 99% überhaupt keinen Sinn ergab. (Denke ich an Deutschlad, lande ich unweigerlich beim Präteritum.)

    Ich glaube auch, dass viele der jungen Leute etwas oberflächlich sind (viel besser bin ich zwar auch nicht), was eine gewisse Hysterie=Aktionismus begünstigt angesichts der vielen schlechten Nachrichten (seit Jahrzehnten gibt es ja eigentlich schon diese Phänomene: sich an Schienen ketten, G8-Demos … , nur dass die Sache nun tatsächlich etwas unübersichtlich wird); dass bisher immer auch Revolutionsromantik mit hineinspielt, worüber ich im stillem Kämmerchen mich ebenfalls oft etwas lustig gemacht habe: auch mal etwas Demo-Revolte erleben. Dass jetzt eso-verblödete Leute mit wirren Ideen aus dem rechten Sumpf ankommen. Aber jetzt könnte sich es einmal anders entwickeln. Warum nicht jetzt, wo es ernst wird, das Positive sehen, dass sich dann auch neue Formen entwickeln könnten? Bzw. sich bereits entwickeln. Rückwärtsgewandte Revolutionsromantik und andere rituell erstarrte Gewohnheiten sind im Begriff, überwunden zu werden. Hierzu auch ein paar brauchbare Gedanken bei Monoma. Die Lage ist nun mal unübersichtlich, – und absurd. Dem wird durch die gewählte Protestform doch recht gut entsprochen.

    Im Gegensatz zu einer Kritik, die – und darum bin ich halt etwas skeptisch bei solcher Kritik – in Gefahr läuft, wohlfeil zu werden, finde ich die Haltung Monomas, wie er sie gegenüber Elfenbeintürmlern an den Tag legt, eher erfrischend. Er fordert bei Kritik Alternativen ein, hat dazu aber auch ein paar Ideen.

    @ „Bleiwüste“ – Monoma hat immer einwandfreie Sätze (und Kommasetzung), bei denen man allerdings manchmal Luft holen muss, außer Atmen gerät, wenn das Herz nicht schnell genug schlägt, um zusätzlich etwas Blut in den Schädel zu pumpen. Ja, es scheint, dass er etwas lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Aber unterwegs hat er dann doch etwas zu sagen gehabt. Zugegeben, meistens etwas viel; aber unstrukturiert würde ich das nicht nennen. Durch die Kleinschreibung spart er Platz, was allerdings das Überfliegen der Texte etwas erschwert; meiner Erfahrung nach kann man sich daran gewöhnen. Manchmal braucht man halt etwas mehr Sauerstoff im Hirn als unter normalen Umständen.

    Poschardt: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13660070/Geht-schoen-demonstrieren.html

    via Notizen aus der Unterwelt (lesenswert: der von dort hier unten verlinkte Text) hier noch etwas zu Gauck:

    http://www.wdr2.de/unterhaltung/kabarett/volker_pispers102.html

    • genova68  On Oktober 21, 2011 at 10:11

      „Durch die Kleinschreibung spart er Platz“

      :heiterkeit:

      • ziggev  On Oktober 21, 2011 at 10:48

        es freut mich, dass ich dich erheitern konnte. vielleicht hast du ja sogar gelacht. Lachen verscheucht lähmende Ängste, regt den Kreislauf an und fördert damit die Durchblutung des Denkorgans.

        als affirmative Taktik schlage ich Lachyoga vor.

        http://www.youtube.com/watch?v=25q1jQZn6aI

        http://www.youtube.com/watch?v=cTX5m3cmtDQ&feature=related

        besonderes Highlight: QUEEN ELIZABETH LAUGHTER

        aber im Ernst: die kritischen Bemerkungen, ob von mehr oder weniger links oder reaktionär waren alle so vorhersagbar – und ist das etwas deprimierend. anstelle abzuwarten, um dann sich so zu profilieren suchen, wäre ne eigene Aktion vielleicht besser gewesen.

  • hf99  On Oktober 21, 2011 at 01:59

    ziggev, sorry, dass dein erster beitrag als spam hängenblieb (florian kuhlmann konnte arauf noch nicht reagieren, um mal die kommentarchronologie zu erwähnen)

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