Kittler

Friedrich Kittler ist gestorben. Meine Zeit reicht nicht hin für eine ausgiebige Würdigung. Der Essay im Rahmen des Florian Kuhlmannschen Projekts, an dem ich gerade sitze, mag als Ersatz dienen.

das Werk mit dem Titel „Aufschreibesysteme 1800 1900“ wurde prägend für eine Schule in den Geisteswissenschaften, die die technische Umsetzung des Denkens in den Mittelpunkt rückte. Kittlers These war, dass die Techniken und Institutionen, mit deren Hilfe Kulturen Daten adressieren, verarbeiten und speichern, auch das Denken selbst prägen – Kulturwandel gehe deshalb immer mit medientechnischen Veränderungen einher.

Damit hat Kittler, in prä-Netz-Zeiten, sozusagen die Theorie des Netzes vorweg genommen. ich bestreite das, bestreite es mit Verve, aber es war immer großartig, sich mit ihm asueinander zu setzen. Seine Bemerkungen über Prometheus zeigen, was an der Postmoderne konservativ genannt werden kann – wobei konservativ für mich niemals per se ein Schimpfwort war:

„Und doch unterstand auch Prometheus wie jede Kunst in letzter Analyse einem Symbolischen, sofern das symbolische in Lacans methodischer Dreiteilung mit erinem sprachlichen Code zusammenfällt. Denn daß Prometheus überhaupt den Plan fassen konnte, Menschen nach seinem Bilde zu formen, gehorchte aller behaupteten Selbständigkeit zum Trotz einem Gotteswort. Die Auflehnung gegen Zeus schuf Herrndiskurse und Befehlsketten nicht ab.“ (Kittler, Fiktion und Simulation, in: Barck, Karlheinz, u.a. (Hrsgb): Aisthesis, Leipzig 1990, p.196 ff, hier 199)

Das nenne ich (mir sympathischen!) Ahistorismus…

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