„Der Islam“

Das ganze Gerede, das „den“ Islam als monolithischen Block sieht, der „uns“ bedroht, ist auf nachgerade peinliche Art und Weise kenntnisbefreit, wenn wir nur an die beiden größten Konfessionen (Sunniten und Schiiten) denken. (Denen eine Einheit zu unterstellen ist in etwa so realitätsnah, als wenn man von „dem“ Christentum spräche und glaubte, der Papst hätte ein Bild von Martin Luther auf seinem Schreibtisch stehen. Sind ja beides Christen!)

Carolin Emcke

hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen.

Allein für diesen Satz (aus 2010!) hat sie ihn schon verdient:

Früher nannte man es Rassismus, wenn Kollektiven Eigenschaften zugeschrieben wurden – heute dagegen gelten dumpfe Vorurteile als »Angst, die man ernst nehmen muss«.

„Islamistischer Terroranschlag“

Wenn die bis jetzt vorhandenen, sich stabilisierenden Informationen stimmen, dann war Herr Mateen ein in den USA geborener und sozialisierter Psychopath, häufig gewalttätig, und ist 150 Kilometer gefahren, um Schwule zu töten. Kriminologisch handelt es sich also um einen Amoklauf eines psychisch schwer gestörten Mannes. Dass Herr Mateen kurz vorher 911 angerufen hat und das Stichwort „IS“ fallen ließ und der IS hinterher natürlich auf den fahrenden Zug aufsprang, hat mit den relevanten Tatsachen nichts zu tun. (Vor einigen Wochen hatten wir hier einen ganz ähnlichen Vorfall, als sich ein psychisch Kranker mit dem Ruf „Allah Uakbar“ und einem Messer auf Passanten stürzte.)

Beim IS reden wir über eine von ehemaligen Mitgliedern der säkularen irakischen Baath-Partei, insbesondere ehemaligen Geheimdienstlern gegründete warlord-Orga. Es handelt sich dabei einfach um eine seit dem 30jährigen Krieg, den Konquistadoren, den Raubrittern bekannte Art, sich seinen Lebensunterhalt zu sichern, wenn staatliche bzw andere Rechtsstrukturen nicht mehr funktionieren (failed state) bzw nicht vorhanden sind. Dass der IS aus dem Koran zitiert, gehört zum Geschäftsmodell, mehr nicht.

Aber das will man nicht hören. „Islamistischer Terroranschlag“ schmeckt einfach zu gut. Man will immer mehr davon haben. Trump ist sofort auf den Zug aufgesprungen, obwohl seine Klientel mit Schwulen ansonsten ja eher wenig zu tun haben wollen.

 

Übrigens: Breivik beruft sich in seinem kruden Manifest u.a. auf Broder und behauptet die Existenz einer Orga, der neuen Tempelritter, in deren Auftrag er agiert habe. Ich als Laie würde der Analyse diverser forensischer Psychiater beipflichten, wonach Breivik einfach psychisch schwer gestört ist. Das dürfte wohl auch auf Mateen zutreffen.

Orlando, Sicherheit

Was wissen wir, Stand jetzt?

Omar Mir Seddique Mateen hat für G4S gearbeitet und deswegen zwei Waffenscheine. G4S ist eine der größten sog. „Sicherheitsunternehmen“ der Welt. Es arbeitet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch mit Geheimdiensten zusammen.

Gibt es eigentlich einen „Terror“anschlag, einen – ich verlange nur einen, einen! -, in dem es keine unklaren Geheimdienst/Behördenbezüge gibt?

Jules Rimet still gleaming

They think it’s all over. It is now, it’s four!

Sie werden es wieder machen…

 

IS und die Säurefässer

Nicht, dass ich dem IS dergleichen nicht zutraute. Das sind warlords (Krieg und also Kriegsgründe finden, Gegner finden, Haß säen, Menschen zerstören ist deren Job, deren Lebensaufgabe)! Und dennoch: Als ich las, dass der IS seine Gegner (oder „Gegner“) in Säure ertränkt – Stern-online bedient sich des Indikativs! …ich weiß nicht.

Ich musste sofort an die Brutkastenlüge denken (Januar 1991, unvergesslich!). Und an Sender Gleiwitz (googelt selber, ihr blöden Deutschen!). Und an das Flugzeug über Nürnberg.

Ja, ich bin ein böser Mensch. Vermutlich ein Antisemit. Denn was ich sage, sagen ja auch Antisemiten, sagen KenFM und Elsässer, und also… Es ist schon ziemlich deprimierend, den öffentlichen Diskurs mit einer recht ordentlichen Ausbildung in formaler und informeller Logik verfolgen zu müssen. Bettina Stangneth nennt diese widerwärtige Unart, per scheinbar ‚korrektem‘ Denken den Opponenten moralisch zu diskreditieren, „Böses Denken“. Recht hat sie. (Ja, ich kenne Bettina persönlich und schätze sie. Und nun?)

Kein Mensch, der für zwei nano-Sekunden bei moralischem Trost und Verstand ist, findet beim IS irgend etwas, was in die Zukunft weist.

Ich möchte dennoch gerne wissen, was es mit dieser Säure-Geschichte auf sich hat. Und ich lasse es nicht zu, jetzt zum Verschwörungsirren psychiatrisiert zu werden. Ich möchte es einfach wissen. Und bitte nicht abspeisen lassen mit der Bemerkung, solche Nachfragen sei man von AfD-Wählern gewohnt. Da haben wir ja das böse Denken life und in Farbe…genau darum geht es ja, seit Katyn, seit eh und überhaupt: Reductio at Hitlerum!

Gaddis

Das Interview ist unglaubliche 20 Jahre alt:

SPIEGEL: Sie haben früher im Bereich Public Relations gearbeitet. War das Broterwerb oder Recherche?
Gaddis: Reiner Broterwerb. Als 1955 mein erster Roman „The Recognitions“ erschien, hoffte ich auf Erfolg. Ich war jung damals. Doch das Buch verschwand schnell vom Markt. Ich hatte gerade geheiratet, dann kamen zwei Kinder. Also mußte ich einen Job annehmen. Der sollte mit dem Literaturbetrieb nichts zu tun haben. In einem pharmazeutischen Betrieb habe ich fünf Jahre Reden und dergleichen geschrieben – und gelitten.
SPIEGEL: Aber einige Einsichten für Ihren im Wirtschaftsleben spielenden Roman „J R“ haben Sie doch immerhin gewonnen?
Gaddis: Einige schon. Vor allem über die Gefühle, die viele Männer haben, die ihre Familie ernähren müssen und einer Arbeit nachgehen, die sie hassen. Darauf beruht unser System: auf Männern, die ihren Job hassen.
Gaddis habe ich – man kann ja nicht alles wissen – bisher verpasst. Da muss ich etwas nachholen.

Li Shangyin, Teil 2

Wieder unfassbar schön.

Li Shangyin

Auf Tell ein unfassbar schönes Gedicht Li Shangyins, übersetzt von Raffael Keller. Natürlich kann ich mangels Masse die Qualität der Übersetzung nicht wirklich prüfen, auch, wenn Keller eine Interlinear anbietet. Aber das so entstandene deutschsprachige Gedicht spricht für sich selbst (nach meinem Verständnis literarischer Übersetzungen ist ein übersetztes Gedicht ein neues, eigenständiges Gedicht mit einem einzigen Thema: den Spendertext möglichst präzise, möglichst vollständig in der Zielsprache abzubilden).

Linux-Freaks to the front

Was macht man, wenn man verzweifelt Mint 17.3 (32 und 64 bit), dann Mint 17, dann das neueste Ubuntu installiert und ständig Grafik-Probleme hat? Es krisselt bis zum Absturz… Videos werden abgespielt oder auch nicht. Kein Monitorproblem (mehrere ausprobiert), es hängt offenbar an der Grafikkarte. Da ich bekennender DAU bin, bitte ich darum, im Laienmodus hilfreich an die Hand genommen zu werden. Im Erfolgsfall droht die Zusendung eines Ostseerippers gratis; dies soll die Linuxfreaks aber nicht davon abhalten, zu helfen. Danke.

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