Vor 75 Jahren

heydrich-endlosung

Moral als Taktik

Moral lediglich als Zug im Diskursspiel vernutzen, also ein rein taktisches Verhältnis zur Moral einzugehen – das ist und bleibt eine der Wurzeln allen Übels.

Die Debatte rund um den Angriff auf einen Berliner Clochard zeigt dies deutlich – niemand macht eine gute Figur dabei. Einen Menschen anzünden zu wollen ist nichts als monströs, und es interessiert mich nicht, ob ich jetzt „dasselbe sage wie die AfD“. Soweit kommts noch, dass ich mich im Diskurs auf pawlowsche Reflexe reduzieren lasse.

Merkwürdigkeiten

Gute Zusammenfassung durch die AZ

Deprimierend.

Der Mann – wenn er denn der Täter ist – soll einen V-Mann nach einer Waffe gefragt haben! Da muss man sich wirklich erst einmal einen Grappa einschenken. Wenn wir schon die allseits bekannten Einschränkungen unserer Freiheit hinnehmen ‚müssen‘ (müssen wir nicht m.E., ist jetzt aber anderes Thema), dann will ich gleichsam wenigstens was sehen fürs Geld! Und ich seh nix! Wir haben ne NSA-analoge Totalüberwachung, aber Leute wir Herr Amri dürfen einfach so durch die Gegend stiefeln und gehen verloren. Hauptsache, der Staatsschutz schmuggelt in die Hamburger rote Flora ein paar Romeos ein. Die rote Flora fährt ja bekanntlich auch jeden Samstag mitm Laster übern Weihnachtsmarkt.

Übrigens soll es auch eine Körperverletzung gegeben haben (Auseinandersetzung im Drogenmillieu). Mach ich als Terrorschläfer auch immer so: Schön ne Kaschemmenschlägerei in Gang setzen, weil die so unauffällig ist.

 

PS: Fefes Terrorbingo

Freiburg und die AfD

Prantl meint das richtige, argumentiert aber falsch. Zitat:

 

„Es ist einfach: Man zeigt auf eine Straftat in Deutschland und schert sich nicht um die Jahrhundertverbrechen von Aleppo.“

Nein!

Das darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Marie L. durfte nicht angegriffen und getötet werden, punkt. Egal – bewusst ohne „“ -, was in Aleppo passiert.

Der richtige Analogieschluss ist folgender:

Am 13. Januar 2012 sank die Costa Concordia vor Giglio. U.a. Dank des großartigen Engagements der Inselbewohner konnten mehrere tausend Passagiere gerettet werden. Darunter etwa 1500 Männer.

Statistisch darf/muss erwartet werden, dass diverse Männer unter den Geretteten im weiteren Verlauf ihres Lebens schwere Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, lies: eine Vergewaltigung begehen werden. Und auch Straftaten durch die geretteten Frauen sind statistisch zu erwarten.

Laut AfD-Logik hätte niemand gerettet werden dürfen. Bzw: Die Retter von Giglio sind ab sofort für jede Strattat, die eine der Überlebenden begehen wird, verantwortlich. Denn ohne Rettung wäre diese Straftat ja nicht begangen worden.

Das ist das schäbige, schmierige, elende, verluderte am AfD-„Argument“. Das AfD-„Argument“ ist nicht einmal erlogen. Es ist nur hemmungslos erstunken.

Silvesterübergriffe – kleine Frage

Kleine Frage am Rande: Die Statistik zeigt eindeutig und undiskutierbar, dass es zu Silvester in Köln keine Massenvergewaltigungen gegeben hat. Es hat überwiegend die Antatschereien, Kussversuche, Busengegrabsche übergriffige Anbaggereien u.ä. gegeben, die es auf Massenpartys leider immer gibt, insbesondere, wenn Alkohol im Spiel ist.

Hat jemand eine Idee, warum diese g u t e Nachricht -. keine massenhaft vergewaltigten Frauen in Köln – bei den besorgten Bürgern soviel Aggressionen freisetzt?

„Sylvesterübergriffe“

So langsam lüftet sich einiges:

In der Urteilsbegründung ging die Vorsitzende Richterin mit den Ermittlern hart ins Gericht: „Die Polizei wollte durch den öffentlichen Druck und auch den der Medien und der Politik unbedingt Ermittlungserfolge sehen.“ Und: „Die Polizeibeamten haben der Zeugin Fotos gezeigt, bevor sie eine Täterbeschreibung abgegeben hat. Das halte ich nicht nur für unprofessionell sondern dramatisch.“

Eine Polizistin habe dem Angeklagten Alireza N. in der Vernehmung „an den Kopf geworfen“, dass sie wüsste, was er getan habe. Richterin Meier-Göring: „Ich möchte mich ausdrücklich für diesen Teil der Befragung entschuldigen.“

Der Polizei, so die Vorsitzende, sei keine Überführung gelungen: „Sondern sie hat schlicht und ergreifend geraten.“ Das Opfer, das sich erst Tage später nach Medienberichten bei der Polizei gemeldet habe, sei nicht traumatisiert, sondern habe nach den Übergriffen noch bis halb fünf weitergefeiert. (meine Hervorhebung)

– Quelle: http://www.mopo.de/25013026 ©2016

Für die meisten Kölner „Übergriffe“ dürfte ähnliches gelten. Insbesondere für jene „Übergriffe“, an die man sich Tage später, nach der Medienhysterie, erinnerte.

 

Respekt, Anerkennung an die Vorsitzende für diese klaren Worte! Dazu gehört angesichts der Hysterie (siehe jetzt die üble Hetzkampagne gegen Maas) einiges. (Man muss Maas nicht kritiklos lieben, aber was da derzeit – übrigens nicht nur per Pegida und AfD, auch per BILD – abgeht, sprengt jeden Rahmen. Und ja, das ist bereits andeutungsweise Weimar, da leg ich mich mal fest…)

 

Kölle

Da ist jemand aber enttäuscht! In der Tat: Die weitaus meisten Taten in der Sylvesternacht waren, sofern real, Bagatelldelikte. „Gib Kuß, Puppe!“, Antatschereien, Klaps aufn Po – alles nicht schön, gar keine Frage, alles primitiv, aber eben Dinge, die an jedem Wochenende in jeder Disco, in jedem Club ständig vorkommen. Hier wurde ja so getan, als ob über Stunden hinweg ein durchorganisierter Mob ein Haberfeldtreiben eröffnet hätte. Gegen „unsere“ Frauen (also: mir gehörn se nich, wem gehörn se denn dann? Frau Petry? Herrn Meuthen?)

Übrigens: Die erste Falschbeschuldigung wg angeblicher Vergewaltigung ist aufgedeckt: Ein offenbar psychisch labiles Mädchen (dem ich selbstverständlich keine großen Vorwürfe mache, sondern eher alles Gute für ihre Zukunft wünsche) hatte die ohnedies unglaubwürdige Behauptung erfunden, sie sei auf der Domplatte vergewaltigt worden und danach schwanger gewesen. (War im Arriba-Bad genauso: Die massiven, inzwischen widerlegten Vorwürfe stammten von zwei wohl ebenfalls psychisch instabilen Mädchen. Auch ihnen wünsche ich Stabilität und Ruhe.)

Das Ganze ist nur noch verrückt. Ich gehe davon aus, dass diversen Redaktionen das offenkundige Missverhältnis zwischen dem Kölner Narrativ und der Kölner Realität längst klar ist, sich aber niemand rantraut. Dafür war die Hysterie – inklusive front page story in der New York Times – zu massiv.

Anbei: was wäre eigentlich…

wenn der „Reichsbürger“ heute in Bayern Mehmet geheißen hätte?  Wie lange hätte Frau Petrys Twitteraccount geschwiegen? 1 Minute, 2 Minuten? Wer bietet mehr?

Ist mir schlecht…

Und hätte es einen Brennpunkt gegeben?

Conne Island und was Rassismus nicht ist – edit

Wieder einmal pädagogisch wertvoll, der Fall. Schriebe man nur nicht selber über 25 Jahre gegen den Irrtum an, der Antirassismus mit Idyllik verwechselt. Nirgends auf dieser schadhaften Welt, in der first world nicht, und im sozialen Outback auch nicht, gibt es unbeschädigte Menschen. Einwanderer, Fremde, „die Anderen“ sind um keinen Deut schlechter und ebenso selbstverständlich um keinen Deut besser als Sie oder ich oder irgend wer.

Man ist kein Rassist oder „Kulturimperialist“, wenn man feststellt, dass auch muslimische Gesellschaften ein deutliches Gewaltproblem haben – nicht zuletzt in der Kindererziehung -, dass ihr Frauenbild häufig unterirdische Züge trägt und sie im übrigen auch einen veritablen Antisemitismus an den Tag legen können. (Für letzteres sollte ihnen eigentlich die Zuneigung der neuen Rechten sicher sein. Im übrigen rede ich über muslimische Gesellschaften, nicht über Mustafa und Ayse. Mustafa und Ayse sind allein für sich verantwortlich. Eine Eigenschaft, die sie merkwürdigerweise mit Moshe und Sarah, Michael und Sabine, Jim und Cynthia, Gerard und Yvette teilen. Und mit Tom und Tim und Marlene und Babette auch. Und wenn ich jetzt irgend eine Minderheit oder Mehrheit vergessen habe, dann ist es so…) Und man macht sich mit Schwarzers realitätslosem Wahnwitz auch nicht handgemein, wenn man sich Frauenhaß, Judenhaß, Gewalt überhaupt auch von Muslimen sehr deutlich verbittet und dagegen angeht; im Zweifelsfall auch robust, z.B. durch Hausverbote. Im menschlichen Verkehr kann es keinen moralischen Vorschuß geben. Oder sind Muslime qua Natur kleine Kinder? Hab ich was verpasst? Dass, wo Menschen sterben, sofort und ohne Ansehen der Person geholfen werden muss, bedeutet kein Freibrief, für niemanden. Wie kommt man überhaupt auf die Idee, das eine habe mit dem anderen zu tun? Das logische Tohuwabohu (ja, der Ausdruck, der meine ‘rassistische Mikrogewalt’ „belegt“, ist jetzt Vorsatz!) rund um solche Fragen ödet mich an seit eh. Antirassismus ist etwas anderes als Trischta. Der neopietistische Selbstzerknirschungsdiskurs ist politisch unfruchtbar und unbrauchbar.

Conne Island hat alles richtig gemacht.

Die Häme, die es pawlowsch von der „Jungen Freiheit“ (oder wie der Dreck sich schreibt) gibt, muss Island nicht irritieren. Dass Menschen innerlich verwahrlost, innerlich verludert sind, erkennt man in der Regel unter anderem daran, dass sie das Beklagenswerte hämisch genießend begrüßen. Inzwischen erfahren  wir, dass die AfD – die Niedertrachtskala ist ja nach unten offen – eine Propagandaaktion vorbereitet für den Fall, dass es einen großen Terrorakt in Deutschland geben wird. München – der Täter war bekanntlich AfD-Sympathisant – ging ja leider schief. Und NSU und Oktoberfestattentat sind irgendwie offenbar auch nicht gemeint. Soll ich jetzt – die infamen Anwürfe gegen Claudia Roth spiegelnd – der AfD sexuelle Perversion vorwerfen, weil sie ganz offenbar genau so lüstern, genau so geil auf das erste ‚richtige‘ islamistische Attentat in Deutschland wartet wie der Teufel auf die Jungfrauenseele?

 

edit: Auf Fratzenbuch hat es hier eine kurze Debatte gegeben; daraus mein Beitrag:

ich hoffe, dass die Linke/Progressiven jetzt endlich mal nachdenken. Meine Güte! Diese Menschen kommen zT aus totalitären Systemen zu uns! Oder aus Gesellschaften, wo Kleriker den Schulunterricht und weiteres bestimmen. Was erwartet man denn? Dass sie problemlos in den Adorno-Foucault-Wittgenstein-Kant geprägten europäischen Diskurs einsteigen? Blödsinn! Nur sagen muss man es, festhalten muss man es. Ruhig, sachlich, unaufgeregt.

Peggy, Böhnhardt und Behörden

Ich bin immer noch völlig fassungslos über die neueste Wende, die der Fall genommen hat. Dabei kommt sie nicht einmal überraschend. Seit Tino Brandt (sozusagen mehrfacher Mitarbeiter des Monats beim Thüringer Inlandsgeheimdienst) rechtskräftig wegen sexueller Gewalt gegen Kinder (fälschlich immer sexueller Kindesmissbrauch genannt – was wäre dann ein adäquater sexueller Gebrauch von Kindern), ferner wegen Förderung der Prostitution verurteilt wurde, waren diese Bezüge aktenkundig. Es gibt übrigens noch einen zweiten Mordfall, 1993, Jena; auch dort gab es unklare Bezüge zum NSU-Umfeld. Und seit langem weiß man, dass auf den NSU-Rechnern Kinderpornos gefunden wurden. Die Stand jetzt (11:20 Uhr) neuesten Entwicklungen hier. Dürfte in wenigen Stunden nicht mehr aktuell sein.

Natürlich tun sich nunmehr Abgründe auf. Die Protektion, die der NSU genossen hat, genossen haben muss (denn anders ist das alles nicht mehr rational zu erklären) könnte hier seinen Grund haben: Es ist pure Spekulation…aber ist es ausgeschlossen, dass ein oder mehrere Behördenmitarbeiter auch auf dieser Ebene Kontakte zum NSU-Umfeld, Brandt und ggfls Konsorten, unterhielten? Wie plausibel ist es, dass der Thüringer Inlandsgeheimdienst über Brandts abweichendes Sexualverhalten nicht informiert war? War er, waren einige seiner Beamten ggfls zu gut und zu persönlich informiert? Man muss diese Frage zulassen – es würde vieles erklären. Allerdings muss vor logischen Kurzschlüssen gewarnt werden: Es sind Fragen! Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ich glaube nicht an den einen tiefen Staat – denn dann wäre der gesamte NSU-Komplex unterm Paletot gehalten worden.

Beim Wiederlesen Hannah Arendts:

Hannah Arendt an Karl und Gertrud Jaspers, Chicago, 24. November 1963

Lieber Verehrtester, liebe Gute –

Ich schreibe noch ganz unter dem Entsetzen über die Ermordung Kennedys. Seit Tagen sitzt man am Radio und hört Nachrichten, die nicht nur furchtbar, sondern und vor allem auch ganz undurchsichtig sind. Die zweite Ermordung des Verdächtigen! – bei dem man ja gar nicht umhin konnte, Verdacht zu schöpfen, daß er einfach auf gut Glück oder, schlimmer, nicht auf gut Glück festgenommen war – durch diesen Unterweltcharakter, von dem man eben durchs Radio gibt – wie nebenbei -, daß er mit der Polizei in Dallas gut bekannt war (auf bestem Fuße stand?), hat alles noch viel schlimmer gemacht.
(…)
Mary MacCarthy flog gerade nach New York zurück, weil sie noch versuchen will, dort einen Ausschuß unparteiischer Menschen zu gründen, die auf einer wirklichen Investigation der Tatbestände bestehen. Texas hat bereits gemeldet, daß für sie der Fall nunmehr erledigt sei; und das, ohne daß irgendwelche wirklich schlagenden Schuldbeweise ja an die Öffentlichkeit gekommen sind…(…)
Die Texas-Geschichte selbst mit dem doppelten Mord  und den offenbaren Versuchen, die Öffentlichkeit nicht zu informieren , klingt wie ein Vorkommnis aus einem Polizeistaat.