don alphonso sagt, wie es ist

Aber das mundtot machende Rechthaben bringt überhaupt nichts beim Kampf gegen den Antisemitismus, und ich glaube auch nicht, dass dieser schäbige Netzvorgang den Anliegen ebenjener Schwulen hilft, deren Seite mit dem Homophobiegeschrei im Netz angeblich ergriffen wird. Bei Homophobievorwürfen ist es wie mit den Antisemitismusvergleichen: Da agiert oft genug ein Mob der Selbstgerechten, die weder jüdisch noch homosexuell sind, und trotzdem dürfen sie sich moralisch überlegen fühlen – Trittbrettfahrer wie die Antideutschen, um die die jüdischen Gemeinden aus besten Gründen einen grossen Bogen machen. Die Folgen, die Denkverbote, das Schweigen, die Verwerfungen im Diskurs müssen dann diejenigen ausbaden, für die das Thema mehr als ein Tweet im Internet ist.

So ist es; auch dieser freundliche kleine Blog hat ja wieder und wieder angeredet gegen die selbstermächtigten Diskurs-Staatsanwälte, gegen diesen ganzen verquatschen neopietistischen Mist – die Lust am moralisch aufgeladenen Haberfeldtreiben immer mit dabei. Es hat keinen Sinn, mit Leuten zu diskutieren, die ihren Rassismus-Vorwurf alle Augenblicke zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten pawlowsch absabbern. Hier, ich sage es jetzt aber auch zum gefühlten 20sten Mal, war immer schon der logische Ort, wo ich mich von der linken Szene entfernt habe. Da taten sich Abgründe auf. Wenn bereits der ein Rassist sein soll, der, sachlich zutreffend, darauf hinweist, dass noch Martin Luther King ganz unbedarft von “Negern (negros)” sprach, können wir die Debatte an dieser Stelle beenden. Man nennt so etwas übrigens Sprachgeschichte und könnte an ihr etwas lernen, wenn man denn will.

Diesen Tüpinnen geht es nirgends um Emanzipation, es geht ihnen immer nur um sich, um sich, um sich, um ihre eigenen, sehr bürgerlichen Selbstgefälligkeiten und Distinktionsgewinne. Das alles könnte man noch unter “persönlich mitleiderregend” abbuchen – was ja auch zuträfe. Aber die Zerstörung jeder öffentlichen Unterredung, die mit solchen aggressiven Unterredungsgebahren einhergeht, ist leider gar nicht mehr mitleiderregend, sondern fatal.

Ich selber bin zum Beispiel heterosexuell – natürlich sagt mir die schwule Szene, sagen mir schwule Lebenswelten nichts und müssen das auch nicht. Was hat dieses uninteressante und banal richtige autobiographische Statement mit Homophobie zu tun? Schwulen wird im Gegenzug meine Lebenswelt nichts sagen – auch das ist in Ordnung und wird von mir nicht als Angriff wahrgenommen, warum auch? Ich möchte nicht auf der Grundlage eines falsch verstandenen Empathiebegriffs in schwule Lebenswelten gezwungen werden – so wenig, wie ich Schwule in meine Lebenswelt zwinge. Auch das ist nicht homophob. Homophob wäre es allein, den Schwulen ihre Lebenswelten zu bestreiten. Die Freiheit des hannoveraner Punks zu seinen Chaostagen ist die Freiheit des krachledernen Bayern zu seiner Blasmusik und vice versa – anders geht es nicht. Die Freiheit des hannoveraner Punks ist ferner die Freiheit, der krachledernen Blasmusik eine persönliche Absage erteilen zu können – und vice versa. Anders geht es nicht. Jemanden anerkennen bedeutet nicht, sich an dessen Lebenswelt heran zu wanzen – jemanden anerkennen bedeutet, dessen Recht, zu leben ‘nach dem Gesetz, nach dem er angetreten’, mit allen Mitteln zu verteidigen. Nicht homophob zu sein bedeutet nicht, beim CSD mit zu tanzen – ich gehe ja auch nicht in die Synagoge, denn ich bin nun mal kein Jude -, sondern es bedeutet allein und ausschließlich: Den Schwulen mit allen Mitteln beiseite zu stehen, wenn man ihnen das Recht auf Lebensfreude, auf Ausdruck ihrer selbst, auf ihre eigene Lebenswelt – kurz: Das Recht, zu sein – bestreitet. Die Diskriminierung Schwuler ist nicht deswegen falsch, weil Schwule am CSD so putzig, so lustig und fantasievoll sind…die Diskriminierung Schwuler ist allein und ausschließlich deswegen falsch und niederträchtig, weil sie Menschen sind, und weil niemand das Recht hat, andere Menschen unter seine Stiefel zu nehmen. Ich bin kein Taubenzüchterdiskriminierer, wenn mir persönlich die Welt der Taubenzüchter nichts sagt. Ist diese Fallunterscheidung wirklich so schwer zu verstehen?

Update: Der Bildblog dokumentiert die redaktionellen Eingriffe, die der Kolumne von Barbara Eggert eine anderen Spin gaben. Und da es offenbar Missverständnisse gab und gibt – ich verteidige nicht die Kolumne, die eine (leider zeitgemäße) Überbesorgtheit gegenüber Kindern zum Ausdruck bringt und Probleme sieht, wo gar keine sind. Ich verteidige Barbara Eggert gegen maßlose Angriffe. Es wird ja fast so getan, als wolle sie den rosa Winkel wieder einführen.

Schnitzler in Katyn

Das “Katyn-Problem” live und in Farbe. Denn Karl-Eduard von Schnitzler hatte Recht – so weit und so lang er sich mit Kriegsverbrechern auseinandersetzte, die ja in der Tat nach 45 protegiert wurden.

Ich erinnere mich gut: Als im Sommer 1990 unsere lieben Freunde aus dem Osten in Hamburg aufschlugen, war es ihnen ums Verrecken nicht klar zu machen, dass es sich beim Vietnam-Krieg mit seiner unfassbaren Hekatombe von Zivilisten, beim Pinochet-Putsch, bei der Rattenlinie nicht um von-Schnitzlerschen Propagandatünneff handelte, sondern um Realität. Mein Bruder sprach neulich mir gegenüber vom dröhnenden Schweigen der DDR-Bürgerrechtler zum NSU-Desaster. Das traf es genau. Wer über die Orga Gehlen nicht reden mag, schweige doch bitte über die Stasi – vice versa natürlich auch, lieber “Ossietzky”!

Softwareprobleme

Also Softwareprobleme waren es diesmal. Dass eine Software die Triebwerke einfach so abstellen kann, ist schon gespenstisch. Aus genau diesem Grund habe ich, ohne Fachmann zu sein, schwere Bedenken gegen führerlose Züge, führerlose Autos, irgendwann auch wohl pilotenlose Flugzeuge. Es wird kommen, ist mir klar, aber ich finde es bedenklich. Die gesamte neue Automatisierung, auch die Amazon-Drohnen, wäre wirklich mal eine (weltweite) gesamtgesellschaftliche Debatte wert…aber solange die Leute lieber darüber faseln, wer demnächst wieder in den Dschungel geht…

Streik! Und was er mit Vegetarismus/Veganismus zu tun hat

bildstreik

Na hoffentlich!

Interessant finde ich, dass trotz der Einseitigkeiten, die fast die gesamte Berichterstattung über den Streik durch den “Qualitäts”journalismus auszeichnet, noch so viele Bundesbürger den Streik nachvollziehen können. Ob 68, ob die Willy-Willy-Jahre, der linke Teil der Öko-Bewegung (also jener Teil, der immer auch soziale Fragen ins Spiel brachte und sich nie auf Naturesoterik reduzieren ließ – Naturesoterik haste auch bei Heinrich Himmler und dem Vegetarier Adolf Hitler*) nicht vielleicht doch mehr Einfluß hatte, als ich bis dato dachte? Es wäre zu wünschen…

Übrigens: Meine Frau und unser Sohn hatten unter dem letzten Streik zu “leiden”…und haben es akzeptiert. Da ich für gewöhnlich mit der S-Bahn zur Arbeit fahre und nur ungern auf die U-Bahn umswitche, ist der Streik auch nicht gerade in meinem Interesse. Dennoch: Streikgraf, bleibe weiterhin hart!

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* ja, das war jetzt unfaire Polemik. Ich weiß, dass auch Franz Kafka Vegetarier war. Aber die Tatsache, dass sowohl der jüdische Jahrtausendschriftsteller Kafka (die gesamte Familie in Auschwitz ausgemordet!) als auch Hitler Vegetarier waren – was sie beide ja nun unstreitig waren – sollte anzeigen, dass Vegetarismus/Veganismus als soziale Bewegung nichts bedeutet, gar nichts. In dieser Welt geht es, sorry, nicht um Essgewohnheiten. Übrigens, auch, wenn Veg/etarier/aner es nicht hören mögen: Biologisch kommen wir vom Alles/Aßfresser her. Gehungert wird in dieser Welt nicht, weil es Fleischfresser gibt. Gehungert wird aus anderen Gründen. Diese Gründe wollen Vegetarier/Veganer offenkundig nicht diskutieren. Da müsste man ja über den Kapitalismus sprechen. Ein bißchen persönliche, verbeamtete Wohlfühlmoral ist da viel angenehmer. Ich selber esse Fleisch, achte aber ansatzweise (immer leisten kann ich es mir nicht) darauf, dass es sich um Bio-Fleisch handelt…nicht wegen “der Natur”, sondern einfach, weil ich keine Tiere leiden wissen will. Tiere aus Nahrungsgründen töten ist das, was unsere Vorfahren (Stichwort Höhlenmalerei) immer schon taten. Vegetarier/Veganer stammen also von Völkermördern ab. Nun, das tu ich als Deutscher ohnedies. Naja, jetzt wirds richtig schräg. Anyway: Wenn wir bedenken, dass auch Pflanzen rudimentärste Ansätze von Empfindung haben, auch Wirbellose… Nun gut. Essen müssen wir. Am Gesündesten ist dabei eine ordentliche Portion Fleisch. Unsere nächsten Verwandten in der ach so friedfertigen Natur – die Schimpansen/Bonobono – gehen sogar, kannibalistisch böse, wie sie veranlagt sind, auf Artgenossenjagd.

Wo waren wir? Ach ja, Streik! Streikt! Streikt für uns alle!

“Auswege aus dem Gefängnis der Märkte”

Es gibt Auswege? Mit Verlaub: Welche denn? Banken verstaatlichen, was Vogl ja offenbar im Sinn hat? Zurück zum Wohlfahrtstaat? Ach, die Kulturwissenschaftler. Ich studier den Kram derzeit ja selber, halte aber wenig davon, den Kulturbegriff isoliert als maßgeblich zu sehen. Da hat der gute alte Marxismus mit seinem Basis-Überbau-Theorem schon Recht: Keine kulturelle Äußerung, von der Alltagskultur in Gestalt des Tassendesigns bis zu Rembrandt, ist ohne materielle Basis denkbar. Vogl sieht den kapitalistischen Wald vor lauter kulturellen Bäumen nicht. 2008 haten wir also eine revolutionäre Situation? Du lieber Gott… Es geht nicht um ein bißchen weniger Privatisierung. Dabei weiß er Bescheid:

Dass es für alle nicht reicht, ist die Definition des Kapitalismus. Der Kapitalismus oder die Kapitalwirtschaft im weitesten Sinne, dieses ökonomische System funktioniert unter der Bedingung, dass die Güter knapp sind. Das heißt also, dass das Brot, das ich nicht esse, jemand anderem trotzdem fehlt, nur unter dieser Bedingung lässt sich das System erhalten. Das heißt, es funktioniert unter der Bedingung, dass zwangsläufig nicht alle satt werden, satt werden dürfen, ansonsten würde das System kollabieren.

Volltreffer. Gut gebrüllt, Löwe. Und? Was könnte das in diesem Zusammenhang bedeuten?

Kinderficken in Australien

Verrückt!

Aber so etwas passiert in einer aufgeheizten Situation, in der wildgewordene Kleinbürger überall “Pädophilenringe” sehen wollen (merkwürdige Projektion übrigens; ich soll doch wohl nicht glauben, diese lustangstbesetzten Dauerspiegelungen verwiesen auf etwas?) und TüpInnen wie Guttenberg und Hahne allen Ernstes als Kinderschützer wahrgenommen werden. Welcher Teufel reitet diese Leute? Ich habe vor dieser schmierigen Geilheit auf ein veritables Haberfeldtreiben mehr Angst als vor allen Pädophilen der Welt zusammen.

Er klagt ja nun nicht. Edel von ihm – allerdings wäre eine Klage immerhin pädagogisch wertvoll gewesen.

irgendwann wird es den ersten geben, der wegen eines Facebookshitstorms ähnlicher Couleur totgeschlagen wurde (für die Grammatikfreaks: worden sein wird…).

Merkel lügt – na und?

Es liegt kein Grund mehr vor, die Dinge elegant zu umschreiben: Angela Merkel lügt ganz einfach. Das Lügen hat sie schließlich gelernt. Und wer wissen wollte, den wird das jetzt doch im Ernst nicht überraschen. Schon als Umweltministerin hat diese Frau getrickst und getäuscht, dass Gott erbarm. Was glaubt ihr eigentlich, wo ihr lebt?

Es stimmt ja gar nicht, dass Merkel kein Narrativ bedient. Im Gegenteil. Ihre große Erzählung ist die von der Normalität, die sie sehr geschickt her zu stellen weiß. “Ich bin die, die dafür sorgt, dass der Malle-Urlaub auch im nächsten Jahr noch herausspringt” – ein erfolgversprechenderes Narrativ als dieses gibt es nicht in der hedonistisch-egoistischen Postmoderne. Vermutlich wird sie auch diese Affäre überleben. Im Zweifelsfall per wegducken. Ihr habt sie gewählt. Ihr werdet sie wieder wählen. Also haltet die Klappe und nervt mich nicht.

Übrigens, ich habe es schon mal gefragt: Mit wem haben wir eigentlich ein no-spy-Abkommen – und selbst wenn? “Dass wir Deutsche ausspioniert werden, ist empörend…” – bin ich der einzige, der da ein nationalistisches Grundrauschen wahrnimmt? Kameruner darf man ausspionieren?

So, jetzt muss ich mich aber um wirklich wichtige Dinge kümmern, um ousia, pros hen und kath’ hen bei Aristoteles und um die Substanz bei Thomas von Aquin. Es ist Lebensfreude pur.

Erste Faustregel – und einige Reflexionen

Und immer wieder: Tatsachen und Moral müssen sich dem taktischen Denken verweigern. Das ergibt sich bereits analytisch aus den Begriffen Tatsache und Moral. Denn sie verwirken ihren jeweiligen Anspruch, wenn sie relativiert, taktisch gewendet und dadurch diskreditiert werden.

Der gesamte Sartre-Camus-Streit, den ich nach wie vor für die mit wichtigste politische Debatte des 20. Jahrhunderts halte, zentrierte sich um dieses Problem. Das (“um einmal ein Wort zu verwenden, das ich nicht sonderlich liebe” – Benn) Tragische an diesem Streit: Sartre hat das Problem taktischer Verwertbarkeit berechtigter moralischer Anklagen sehr wohl gesehen – natürlich wurde der GuLaG vom ‘Westen’ taktisch vernutzt -, aus dieser Einsicht aber nichts gelernt. Camus, an sich (aber hier gibt es kein an sich) der weniger systematische Denker, hat es richtig gedeutet: Es gibt keine Versöhnung zwischen Existenzialismus und Marxismus, kann es nicht geben. Denn zwischen säkularer Geschichts-Eschatologie und individuellem Freiheitsakt ist kein Auslgeich denkbar. Entweder ich insistiere auf persönliche Moral (thats me!), oder ich handle als Parteitagsbeauftragter!

Ich nenne es seit eh das “Katyn-Problem”: ja, Katyn wurde von Goebbels taktisch vernutzt, richtig…und diese propagandistische Nutzlandgewinnung muss dargestellt und kritisiert werden. Nur hat diese Kritik mit den ganz anders gelagerten Fragen (wer tat in Katyn was, wann, wie, warum, zu welchem Zweck, mit welchen Mitteln und welchem Ergbnis?) natürlich wenig zu tun. Und jetzt kommt es zu einer Diskrepanz, die in meinen Augen zentral ist für das Verständnis von Mediendemokratie.

Für die vom Fache – die Historiker/innen, Philosoph/en/innen, Politikwissenschaftler/innen usf. – ist diese Fallunterscheidung wenig aufregend. Der mörderische deutsche Nazi-Wahnwitz wird durch den zutreffenden Hinweis, auch andere “hätten”, in nichts besser, in nichts legitimiert. Alle quellenkritisch abgesicherten Fakten sind ruhig und unaufgeregt darzustellen. Aber die öffentliche Unterredung in Deutschland stürzt sich natürlich lustvoll in solche Untiefen. Tieffrequenzig, also körperlich spürbar, dröhnt das “Juhu!” durch Deutschland, sobald man zB auf Katyn aufmerksam macht. Dieser Jubel ist schlicht ekelhaft.

Im letzten Jahr feierten wir Deutschen uns. Endlich, endlich wurde uns Gewißheit: Wir sind ja gar nicht Schuld! “Chris” (Sönke Neitzel – peinlich, peinlich!) Clark erzählte uns: Es sei ja gar nicht so gewesen! Das deutsche Reich, seine Machtelite? Nicht mehr Schuld an WW 1 als andere auch! Dass Clark quellenkritische Fehler beging, die sogar mir Laien auffielen…unerheblich! Hauptsache Freispruch! Wie in einem schlechten Krimi.

Kein no-spy-Abkommen?

Gibt es irgend jemanden, der davon überrascht ist, hat irgend ein Dussel der Moderatorin wirklich geglaubt?

Wem sichert der BND eigentlich “no spy” zu – und selbst wenn? Wie naiv seid ihr denn?

Der Sisyphos-Diskurs – update

Nun ja. Auch ich bin zusammen gezuckt – aus reichlich persönlichen Gründen -, als der eine oder andere Politiker psychisch Kranke auf einmal quasi unter Kuratel stellen wollte. Einen witzigen Beitrag las ich dazu im SpON-Forum: Auf den Vorschlag, diverse Berufsgruppen psychologisch zu untersuchen und ggfls Berufsverbote auszusprechen, notierte ein SpON-Leser: So also stellten sich arbeitslose Psychologen den Himmel vor…LoLoL

In der Substanz hat che natürlich recht. Diese Antisemiten/Homophoben/Rassisten/___________erwünschtes bitte eintragen-Riecherei ist einfach nur noch zum Kotzen und hat dinglich nichts mehr mit Aufklärung zu tun und hatte es auch nie. Das sind Machtdiskurse, mit denen Menschen aus dem Diskurs ausgesperrt werden sollen (“Du bist ein Rassist, halt die Klappe!”) und weiter gar nichts. Gegen diesen neopietistischen Zerknirschungsdiskurs zusamt seiner klammoffenen Aggression trommel ich seit Jahrzehnten. (Update: Und natürlich muss jetzt – wir sind mitten drin im Thema! – ganz brav der Disclaimer dazu gesagt werden: Nein, ich bin nicht für Rassismus et al, ich bin nur dagegen, dass gewisse menschliche Ungeschicklichkeiten mit knallharten Rassismus a la “Schade, dass noch keine Flüchtlinge drin waren, als das Heim brannte” ineins gesetzt werden.)

Diese kruden innerlinken Debatten spiegeln allerdings nur die Großwetterlage der öffentlichen Unterredung überhaupt. Ich halte es inzwischen generell für aussichtslos, im gegenwärtig medial bereitsgestellten Diskursraum wieder und wieder Kriterien fairer Unterredung einzufordern. Es ist, um nur ein Beispiel zu nennen, sinnlose Sisyphos-Arbeit, zu erklären, dass man weder mit der unappetitlichen Pegida-Bewegung noch mit seiner spiegelbildlichen Entsprechung, dem wahnverzerrten Islamismus, irgend etwas zu schaffen haben mag. Der mörderische Drohnenkrieg und die kruden islamistischen Gotteskriegereien sind aufeinander bezogen – beide können nicht ohne einander. Solche dialektischen Untiefen – Hegel würde von einer schlechten Unendlichkeit reden – mag ich nicht länger befahren. Ich weiß, dass das nichts mit überlegener, gelassener Souveränität zu tun hat (zu der diese Haltung des “ohne mich” gerne umgelogen hat), sondern mit Resignation. Aber was soll ich machen? Ich bin den Sisyphos-Diskurs, also das Denken in Disclaimern so pappesatt!

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