AfD

Die AfD ist nicht schwer zu verstehen: Sie bedient den kleinbürgerlichen Mief – “werden wir demnächst zwangsverpflichtet, Flüchtlinge aufzunehmen?” – mit jener Direktheit, für die die Union, zumindest die CDU, meistens noch einen letzten Rest an Schamgrenzen vorhielt. Wenn die Partei sich nicht selber zerlegt wie damals Schill, werden wir sie nicht mehr los.

Denn die Wahlerfolge der AfD bilden einfach nur ab, wie es um die Bevölkerung bestellt ist. Nicht ihr Erfolg überrascht mich, sondern ihr jahrzehntelanges Fehlen im Parteienspektrum, denn das Publikum für dieses in jeder Hinsicht widerwärtige Konglomerat absurdester Vorurteile gab es immer. Ja, müssen bekämpft werden. Tu ich auch, Indianerehrenwort. Und würde ich sogar noch etwas überzeugter tun, wenn man mir ein tragfähiges Rezept an die Hand gäbe dafür, dem innerlich verwahrlosten Kleinbürgertum einmal überzeugend und mit Chancen auf Gehör darzulegen, dass es nicht ihre Interessen sind, die verhandelt werden, wenn zB über die “faulen Griechen” schwadroniert wird. Es gibt eine ganze Menge Leute, die in den letzten 7 Jahren an der Weltwirtschaftskrise sehr gut verdient haben – jene Griechen, die sich inzwischen nicht einmal mehr eine medizinische Grundversorgung leisten können, gehören ganz gewiss nicht dazu. Aber das erkläre mal einem AfD-Wähler…keine Chance, keine.

Eine Software druckt Geld

Aus meinem Spamkorb. Gute Güte, wie dumm oder verzweifelt (nur die letzteren tun mir leid) muss man sein, um auf sowas reinzufallen?

Immer wieder, fast schon lästig hört man von einer automatischen Software, die bis zu 563,56 Euro pro Tag verdienen soll. Und das VOLLAUTOMATISCH!?

Wir berichten über Onlinesoftware Optionnavigator, wovon momentan sehr oft schon gehört hat.
Hier ein Link zur Webseite: >>hier klicken<<

Ist das denn wirklich möglich?

Wir haben uns deshalb mal schlau gemacht. Schnell wurde uns bekannt; und das ist Fakt.Die alleinige Lizenz für die Software wird schon bei 84 Mio Euro gehandelt. 23 Banken und 139 wohlhabende Menschen möchten unbedingt alleiniger Besitzer der Software sein! (Quelle: Börse Frankfurt / New York / London)

Wenn man denn so viel Geld für eine Software zahlen würde, dann müsste diese doch auch wirklich super sein, oder nicht?

5 Tage lang haben wir diese Software vorsichtig getestet und sind verblüfft. Mit unserem geringen Kapital werden wir sicher nicht Millionär, aber wir sind sicher, dass Sie sich damit ein super Haupteinkommen aufbauen können.

Wir haben 6 Stunden am Tag die Software eingeschaltet und konnten 198,30 Euro schon am ersten Tag und 563,56 Euro am zweiten Tag generieren.

Von Montag bis Freitag können Sie diese Software nutzen, da nur an diesen Tagen die Börse offen hat. Im Mai wären dass dann 23 Tage wo Sie im Schnitt 350 Euro verdienen könnten. Das wären 8.050 Euro im Monat! Wie gesagt, Sie werden kein Millionär, aber könnten damit hauptberuflich arbeiten.

HIER KLICKEN um das Video anzuschauen

Mit mehr Einsatz können Sie aber noch mehr verdienen!

Kann es denn auch schief gehen? Kann man damit auch schlechte Erfahrungen machen?

Ja kann man! Die Software gewinnt viele Trades. Kann aber auch einige Trades verlieren.

Mit unserem 20-köpfigen Team haben wir diese Software getestet und wollten wissen, ob jeder auch so ein Erfolg hat wie wir.

18 haben mit der Software gute Zahlen geschrieben. Bei 2 von 20 lief es leider nicht so gut.

Woran liegt es?

Es kann sein, dass die Software viele Trades hintereinander verliert, dann aber wieder umso mehr gewinnt. Leider glauben dann die 2 "Verlierer" nicht mehr an den Erfolg der Software. DOCH DAS IST FALSCH!

Geben Sie nicht auf! Denn in der 2. Runde sind die "Verlierer" zu Gewinnern geworden!

Bitte beachten Sie: Das Gewinnen ist normal, das Verlieren aber auch!

Wichtig ist aber nur, dass die Software am Ende des Monats mehr gewonnen als verloren hat! Und das tut Sie auch.

Fazit: Mit dieser Software kann man sich ein schönes Geld hinzuverdienen. Es funktioniert wirklich! ABER: Geben Sie NICHT auf, denn Sie werden auch noch damit gewinnen. Ganz sicher!

HIER KLICKEN um das Video anzuschauen

Münkler setzt seine Geschichtsstudien fort

Ja, 1912, 1913 gab es ja sehr starke Friedensbewegungen. Wir sollten
nicht vergessen, dass sich die Sozialistische Internationale mehrfach
dahingehend verständigt hat, dass man, wenn in Europa ein solcher
Krieg angezettelt werden würde, diesen dann mit einem Generalstreik
verhindern wolle.

Sicher doch. Davor steht man fassungslos…

Münkler paukt Geschichte ein (notwendiges edit)

Italien galt seit dem Lybienkrieg von 1911 als ein ausgesprochen unsicherer Partner, und auch auf die Bündnistreue Rumäniens, des geheimen Vierten im Dreibund, meinten die Verantwortlichen in Berlin und Wien sich nicht verlassen zu können. Dementsprechend bezogen sie die Regierungen beider Länder in den Wochen nach dem Attentat weder in die politischen Konsultationen ein noch informierten sie diese über ihr weiteres Vorgehen. Die Führung in Rom hat dies zum Anlaß genommen, die Kriegserklärung Russlands an Deutschland und Österreich-Ungarn nicht als Bündnisfall zu betrachten, wozu sie eigentlich verpflichtet gewesen wäre. (Münkler, Herfried, Der grosse Krieg, Berlin 2013, p. 36-37)

Das ist kein bloßer Lapsus, wie damals Sinn mit brutto-nettoImport-Export. Das findet sich an einer argumentativ durchaus wichtigen Stelle des Buchs, eines Buchs, das die Rezensenten, auch die vom Fach, loben und hochleben lassen. Das ist das Niveau einer Debatte, in der die Sehnsucht nach Entschuldung mit allen Händen greifbar ist – mit Versailles im Hinterkopf natürlich, denn wenn ohne Versailles kein Hitler (was in gewisser Weise sogar stimmt, zumindest einiges für sich hat), dann… Es ist unfassbar kläglich.

edit: Siehe den Kommentarteil. Einige scheinen es nicht zu wissen, was ich jetzt nicht böse meine (ich, zB, weiß wenig über höhere Mathematik, und danke jeder/jedem, die/der mir da auf die Sprünge hilft): Also nochmal, ganz langsam: Natürlich hat das kaiserliche Deutschland den betreffenden Mächten den Krieg erklärt, nicht umgekehrt. Münkler wird sich für diese finale Blamage mit Sicherheit auf einen Lektoratsfehler hinausreden. (Wer schreibt das Buch? Autoren oder Lektoren?) Wie sich die Hymniker rausreden weiß ich nicht und ahne ich nicht…und es interessiert mich auch nicht. Auf genau diesem Niveau wird derzeit in Deutschland diskutiert. Auf Münkler-Niveau, also auf Nicht-Niveau.

WW 1 und heutiges

Da hier die Frage aufgekommen ist: Was denn die Debatte um die Ursachen des ersten Weltkriegs mit heutigen Problem zu tun habe? Vielleicht dies:

Die inneren Gegensätze als Ursache oder Motiv für eine “Flucht in den Krieg” geltend zu machen, wie es die Historiographie der Bundesrepublik zeitweilig getan hat, heißt, die “nivellierte Mittelstandsgesellsvchaft” der frühen Bundesrepublik zum Parameter der Friedensfähigkeit zu erklären. (Münkler, Herfried, Der große Krieg, Berlin 2013, p. 22)

Ganz abgesehen davon, dass er gerne präzise hätte sagen dürfen, wen er meinte (Es ist primär Wehler, ich will es verraten)…hat man noch ein Gespür für das hintergründig Infame, das solchen Zeilen eignet?

Winkler über die Clark-Debatte

Ich bin, ganz offen, jetzt doch einfach mal nur froh über Winklers Erwiderung auf die Clark-Kontroverse. Meine Güte, war das schlimm. Ich habe auch gegen Winklers Sicht noch Einwände – aber in der Substanz ist es gut, dass der primus inter pares der deutschen Geschichtswissenschaftler sich so eindeutig äußert. Dass ausgemacht zur Einhundertjahr-Trauerfeier dieser klägliche, realitäts- und quellenfreie Revisionismus billig Triumphe feierte, widert mich an. Ein Beispiel nur: Weder in Clarks noch in Münklers noch (leider, leider) in Krumeichs Werk zum “Jubiläum” wird der Schweizer Historiker Adolf Gasser auch nur im Literaturteil erwähnt. Man muss ja Gassers Monographien nicht kritiklos mitmachen. Aber man muss ihn doch reflektieren. Ich persönlich bewundere insbesondere seine erste Monographie, die von 1968, in der er bei noch unsicherer Quellenlage allein aufgrund der Preisgabe des Aufmarschplans Ost eine Kriegsbereitschaft des deutschen Militärs für einen Hegemonialkrieg ab 1913 für 1914 – 1916 nachwies.

Übrigens: Der Poincare/Viviani-Besuch in St. Petersburg (vor Ausbruch der Krise verabredet) spielt in Clarks Buch bekanntlich eine große Rolle. Wie steht Clarks Buch eigentlich zu Folgendem:

a) Die deutsche Marine hat, das ist bekannt, Poincares Abfahrt errechnet und hat ihr Ergebnis Wien mitgeteilt, worauf Wien die Übergabe des Ultimatums um eine Stunde verzögerte, damit Poincare aber auch sicher in See sei. Soviel mal zu der Uninteressiertheit und Nicht-Beteiligung der Deutschen…

b) Die deutsche Marine hat durch sog. Störfunken dafür gesorgt, dass Poincare und Viviani bis zum 29. Juli nicht angemessen mit Paris kommunizieren konnten. (Poincare und Viviani waren mit den Dreadnought-Schlachtschiffen “France” und “Jean Barth” in St. Petersburg)

Ich soll doch hoffentlich nicht annehmen müssen, diese beiden unstreitigen Tatsachen seien in Clarks Buch (in welchem so gute Quellenstudien betrieben wurden wie noch nie!) gar nicht erwähnt.

Na, da mach ich mir gar keine Sorgen. Die vehement agierenden Clarkianer werden mir ganz gewiss innert weniger Stunden die Zitatnachweise bringen.

1. September 1939

Heute vor 75 Jahren begann, u.a. mit dem Beschuß der Westerplatte durch die “Schleswig-Holstein”, der Krieg, den Hitler und Nazideutschland immer schon im Sinn gehabt haben…und den er zum Beispiel, auch an Bord der “Schleswig-Holstein”, schon am 3. Februar 1933 der begeisterten Generalität ankündigte. Übrigens darf gerne daran erinnert werden, dass auch die Ermächtigung Bouhlers und Brandts zur Aktion T 4 – der erste Massenmord von mehreren – auf den 1. September 1939 rückdatiert wurde.

Unterdessen läßt ein transatlantischer General die Bevölkerung von Weimar vor den Krematorien des dortigen Konzenrationslager vorbeidefilieren und erklärt sie – soll man sagen: Mit Unrecht? -, erklärt diese Bürger die in scheinbaren Ehren ihren Geschäften nachgingen und nichts zu wissen versuchten, obgleich der Wind ihnen den Stank verbrannten Menschenfleischs von dorther in die Nasen blies, – erklärt sie für mitschuldig an den nun bloßgelegten Greueln, auf die er sie zwingt, ihre Augen zu richten. Mögen sie schauen – ich schaue mit ihnen, ich lasse ich schieben im Geiste von ihren stumpfen oder auch schaudernden Reihen. Der dickwandige Folterkeller, aus dem eine nichtswürdige, von Anbeginn dem Nichts verschworene Herrschaft Deutschland gemacht hat, ist aufgebrochen, und offen liegt unsere Schmach vor den Augen der Welt, der fremden Kommissionen, denen diese unglaubwürdigen Bilder nun allerorts vorgeführt werden und die zu Hause berichten: Dies übertreffe an Scheußlichkeit alles, was menschliche Vorstellungskraft sich ausmalen könne. Ich sage: unsere Schmach. Denn ist es bloße Hypochondrie, sich zu sagen, daß alles Deutschtum, auch der deutsche Geist, der deutsche Gedanke, das deutsche Wort von dieser entehrenden Bloßstellung mitbetroffen und in tiefe Fragwürdigkeit gestürzt worden ist? Ist es krankhafte Zerknirschung, die Frage sich vorzulegen, wie überhaupt noch in Zukunft ‘Deutschland’ in irgendeiner seiner Erscheinungen es sich soll herausnehmen dürfen, in menschlichen Angelegenheiten den Mund aufzutun?

(…) Wie wird es sein, einem Volk anzugehören, dessen Geschichte dieses gräßliche Mißlingen in sich trug, einem an sich selber irre gewordenen, seelisch abgebrannten Volk (…) ein Volk, das sich nicht sehen lassen kann? (Thomas Mann, Doktor Faustus, das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde)

Julikrise – neuer Blog

Ich habe hier einen neuen Blog eingerichtet, weil mich die Sache jetzt doch etwas tiefer gepackt hat. Mal sehen, ob ich auch alle alten Postings rüber ziehe.

Was ist Wahrheit… (update)

Mit Dank an burks. Vergl insbesondere ab Min 9:21. Selber Lügen, also das Begriffsparr Wahrheit/Lüge macht- und profitbewusst vernutzen, und dann verkünden, Lüge und Wahrheit verwischten sich ohnehin – das hab ich so richtig gerne. Darüber sollten unsere Damen und Herren Strukturalisten und Subjektdekonstruierer mal nachdenken. Aber das trommel ich seit mehr als 25 Jahren… Ceterum censeo: Ich bin entgleister, versoffener Schillerianer und möchte nichts anderes sein.

Ab Min 14:00 wirds noch besser: Der Medienmanager hat zweifellos ein Hochschulstudium hinter sich. Hält er es wie der Werbefritze, den ich mal kennen lernte, der früher auch mal Adorno lesen durfte und der sich besoff, um mir zuzulallen “Eigenlich weissich, dassich von Lügn läbä – scheisse”?

update: Einziger Einwand gegen den Bericht: Allzu hurtig wird das Spiel “böse private versus gute öffentlich-rechtliche” gespielt. Zumindest in den Histotainment-“Dokumentationen” auf Phoenix haben sich längst auch die öffentlich-rechtlichen Sender auf scripted reality eingelassen.

Julikrise und 1870

Lektüreempfehlung: Wilhelm Liebknecht, Die Emser Depesche oder wie Kriege gemacht werden

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