Garcia Marquez

Er ist in Ehren alt geworden, die Nachricht war zu erwarten, er litt zuletzt an Demenz, und ein jegliches hat seine Zeit, ja, alles richtig – dennoch darf ich vielleicht ein bißchen melancholisch sein: Gabriel Garcia Marquez ist verstorben.

“Magischer Realismus” – auch so ein Hilfswort ohne Bedeutung. Natürlich ist mir die Qualität von “Hundert Jahre Einsamkeit” nicht entgangen. Aber mir haben seine kürzeren Romane/Novellen in ihrer Härte (hier spürt man, wie in Hemingways besten Passagen, den Journalisten) immer noch besser gefallen. “Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt” ist einfach eine Jahrhundertnovelle, die “Chronik eines angekündigten Todes” ebenso. Der Bericht eines Schiffbrüchigen ist schon stark, “Die Geiselnahme” (über Nicaragua, die Sandinisten und das Somoza-Gesindel) und der Miguel Littin…mir, der ich, wie wohl die Meisten, mich in der faszinierenden Geschichte Lateinamerikas nicht auskannte, brachte vor allem Garcia Marquez diese Geschichte nahe.

Literarisch ist ihm der Spagat gelungen: Er war Sozialist, aber seine Literatur verkam nie zur gereimten Gesinnungsbekundung, sondern riskierte immer den literarischen Blick, der ja auch von der Distanz lebt. “Verwundet von den Todesspeeren eigener und fremder Sehnsüchte” – das ist es, das ist es!

Jetzt werden seine Millionenauflagen erwähnt. Skepsis gegenüber Millionenauflagen zu haben ist legitim. Aber man sollte ab und an schon an das bekannte Foucault-Wort denken: Nie werde man ihm weismachen können, dass ein Buch schlecht sei, weil sein Autor im Fernsehen zu sehen war. Natürlich sei es ebenso wenig aus diesem Grund schon gut. Garcia Marquez war im Fernsehen zu sehen, und seine Bücher sind gut, sehr gut, zum Teil sogar überragend gut. Ich lobe nicht, ich stelle meine Dankbarkeit fest.

Zusammenfassung bei exportabel

Genova hats brillant zusammen gefasst. Schön, dass andere einem die Arbeit abnehmen… Ich frage mich schon seit Jahren, wie bekloppt man sein muss, um der Elsässer (ver)querdenk GmbH & Co KG aufzusitzen. Deren Kommanditisten sind doch bekannt.

Wird man ja wohl noch mal sagen dürfen

Da ich per Mail auf scheinbare Widersprüche in meinem Blog aufmerksam gemacht werde, sei deutlich erklärt: Präzise und mit Gründen zu fragen, welche Rolle der Inlandsgeheimdienst beim NSU gespielt hat, hat mit “Ostküste”, “Juden”, “Reichsflugscheiben”, “Amis nicht auf Mond” und Ähnlichem – mal ists Unsinn, mal Niedertracht, und meistens beides – nicht das geringste zu tun. Ich bin gegen das infame Label “Ostküste/FED” – aber ich bin auch gegen den pawlowsch gezückten Vorwurf, Verschwörrungsirrer zu sein. Ich bin kein Verschwörrungsirrer, wenn ich die Rolle des “Verfassungsschützers” T. in Kassel erklärt bekommen will.

Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!

Jutta Ditfurth

Ihr heutiges Statement (nur wenige Zeit verfügbar wg blödem Staatsvertrag) hat mir sehr gut gefallen. So ist es. Und es ist nicht erst seit gestern so. Was mich, und hier muss sich auch Jutta Ditfurth Fragen gefallen lasen, daran hindert, links zu sein, ist sicherlich zunächst einmal das “sein”: Ich bin nicht links – wenn ich denn überhaupt etwas “bin”, dann ein in den later sixties im Norden der former Bunzereplik geborener, heterosexuell orientierter weißer Mann, der Literatur und im weiteren Kunst und Philosophie überhaupt liebt. Darüber hinaus bin ich sogar so doof, Kant und Schiller Ernst zu nehmen. Denn wer Moral Ernst nimmt, der weiß nicht mehr nach Haus in dieser durchgeknallten Welt, der ist heimatlos, in jeder Hinsicht des Wortes. Diese Heimatlosigkeit, dieses “Denken ohne Geländer” (Arendt) sollten wir begrüßen. Was mich von “der” (aha!) Linken trennt, sind nicht die Inhalte – da sind wir uns bestürzend häufig einig -, sondern die Pflicht zum Bekenntnis. Ich bin zu gar nichts verpflichtet außer dazu, Menschen als Menschen zu sehen und zu behandeln. Ist das links? Okay, dann bin oder “bin” ich links.

T. und die Verschwörungstheorie

Der Vater eines Opfers der mutmaßlichen NSU-Terroristen ist auf der Suche nach der Wahrheit und trifft auf einen Zeugen, der bei der Aufklärung der NSU-Morde für viele zur Personifizierung des Behördenversagens geworden ist und für Verschwörungstheorien gesorgt hat.

(…)

T., eine frühere Kollegin sowie ehemalige Vorgesetzte aus dem hessischen Landesamt für Verfassungsschutz trugen vor Gericht kaum oder gar nicht zur Aufklärung bei und machten zum Teil absurde Erinnerungslücken geltend.

Finde den Fehler.

Solange alle, die die Fragen stellen, die jedem Vernünftigen auf der Hand liegen, zu Verschwörungstheoretikern umgedeutet werden, können wir die Sache vergessen. Sollte irgend wann einmal eine Geschichte der öffentlichen Unterredung unserer Jahre geschrieben werden – das griffige Label “Verschwörungstheorie” dürfte eine prominente Rolle spielen. Um Russells berühmtes Bonmot abzuwandeln: Als “Verschwörungstheorie” bezeichnen Qualitätsjournalisten derzeit einfach alle Auffassungen, die ihnen nicht gefallen.

Netzerpresser

Meine Güte, ein bißchen tut sie mir schon auch leid…aber wie naiv seid Ihr denn manchmal?

Toter V-Mann

Hinweise auf enge Kontakte gibt es allerdings viele. 1995 lernte R. das spätere NSU-Mitglied Uwe Mundlos auf einem Rechtsrock-Konzert in Dresden kennen, wie Andreas Speit in der taz berichtet. Später habe er dem Verfassungsschutz gemeldet, dass Mundlos mit Gesinnungsgenossen die Kameradschaft Jena gegründet hatte – ein Netzwerk, dessen Mitglieder später tatkräftig die untergetauchten Kameraden unterstützten. Zudem pflegte R. Verbindungen zum Szeneheft Der Weiße Wolf. Darin erschien im Jahr 2002 die Botschaft “Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen” – das Trio hatte dem Herausgeber David P. eine Spende von 2.500 Mark zukommen lassen. P. ist als Zeuge im Prozess geladen.

Mimen wir nicht die Naiven. Natürlich überrascht das niemanden. Aber es bleibt ungeheuer deprimierend. Orga Consul reloaded.

Schnug versucht es mit Lesen

Helmut Schnug hat versucht, Hannah Arendt zu lesen, die er spassigerweise auch noch mit Albert Einstein verwechselt – kann ja passieren. (Verfasserin des offenen Briefes ist mit Sicherheit Arendt gewesen; wenigstens das sollte man doch problemlos herausrecherchieren können.) Abgedruckt in: Arendt, Hannah, Israel, Palästina und der Antisemitismus, Berlin 1991, p.117 ff; die dortige Übersetzung von Eike Geisel scheint mir besser zu sein als die, die Schnug verwendet. Egal, er publiziert diesen Brief sogar und sinnenststellende Übersetzungsfehler lese ich in Ellen Rohlfs Übersetzung nicht! Dennoch schreibt Schnug allen Ernstes:

In diesem grundlegenden Brief an die New York Times in 1948 erklärten Einstein (es war Arendt, hf) und die Unterzeichner sehr eindeutig und aufrichtig, warum der Regierung Israels nicht vertraut werden kann und diese weder Geld noch Unterstützung durch die Amerikaner erhalten dürfe.

Durch den Brief sollen Amerikaner und die Welt vor den Gefahren gewarnt werden, welche durch die Emergenz von Rassismus, Faschismus, Terrorismus und religiösem Fanatismus besteht, die innerhalb der Regierung des neu gegründeten Staates Israel repräsentiert wird.

Eine unbefangene Lektüre ergibt ein anderes Bild: Arendt und mit ihr die Mitunterzeichner (wie zB Einstein, Sidney Hook und andere) warnen, wie problemlos nachgelesen werden kann, mitnichten vor der israelischen Regierung (und allemal nicht vor Israel überhaupt), sondern allein vor dem Irgun und der daraus entstandenen “Freiheitspartei”, Begins damaliger politischer Bewegung – die damals und für Jahrzehnte nicht an der Regierung beteiligt war. Warum Schnug Frau Arendt-Einstein – offenkundig faktenwidrig – unterstellt, sie warne vor “der israelischen Regierung”, das lasse ich seine elende Sache sein. Auf genau diesem Niveau wird in der deutschen Linken über Nah-Ost debattiert, und genau deswegen möchte ich meine Energien nicht mehr an diese Debatte verschwenden. Es ist schon einige Zeit her, dass ich mir von einem damaligen Linksruckler anhören musste, Arendt habe in ihrem Buch “bewiesen”, dass Eichmann mit den Zionisten Hand in Hand gearbeitet habe…

Das Sozialamt oder die Arbeitsagentur bezahlen m.W. auch heute noch Alphabetisierungskurse.

Für dieses Mal “Danke” an Herrn Karl; mir wäre das Zeugs sonst gar nicht aufgefallen.

V-Mann tot – update

V-Mann Corelli ist tot. Ich häte eigentlich Selbstmord vorgeschlagen, aber die Alternative nicht erkannter Diabetes ist auch okay.

update: Sehr lustig ND:

»Corelli« hatte in Vernehmungen Kontakte zum NSA(!!!) abgestritten

Sie werdens demnächst wohl korrigieren.

Über ad sinistram

Lieber Roberto, von mir kriegste n herrlich-eindeutiges JEIN dazu. Klar. Das Spiel “Spieglein Spieglein an der Wand, wer ist der einzig wahre Linke im deutschen Land? – Aber der X hinter den 7 Bergen mit den 7 marxistisch-leninistisch/maoistisch/trotzkistischen (gewünschtes ankreuzen!) ZWERGEN ist taaaaauuuuuusendmal linker als Du!” ödet mich an seit eh. Das rrrrevolutionäre Moralrollkommando ist einfach nur widerlich. Kritk an der Totalitarismusthese hin, Kritik an der Totalitarismusthese her – der GuLaG mit seinen grauenhaften Menschenabdeckereien war kein Zufall. Hier lediglich bei Stalin eine bedauerliche kleine Macke zu konstatieren, ist intellektuell einfach zu mager.

Andererseits möchte ich mit Leuten, die von nationalem Sozialismus schwadronieren und über eine Querfrontstrategie faseln, nichts zu schaffen haben. Typen wie Elsässer waren, sind und bleiben mir ein Greuel, und wer über “die Rolle der Juden, äh, des Zionismus” im globalisierten Kapitalismus nach”denkt”, hat einfach eine Macke, sorry. Da bin ich lieber LiLiSch-Bürger.

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