Ich weiß ja, dass ich bei einer bestimmten, denkunfähigen Klientel damit gegen eine Wand rede. Aber ab und an will ich mich doch noch mal melden, so sinnlos es erscheint. Deswegen nochmal: Stefan Herres widerwärtiges, hasserfülltes, rassitisches Wahnwitzprojekt namens PI zu verdammen heißt nicht, sämtliche Lebensäußerungen der muslimischen Welt für hehr, recht, mild und gut zu erklären. Dass man solche Selbstverständlichkeiten immer wieder brav mit dazu sagen muss, ist einfach furchtbar. Ich nenne es das “Denken in Disclaimern” resp das “Katyn-Problem”. Egal…oder auch nicht, weil dieses pawlowsche Absondern von Klischees als Denksurrogat ja wirklich nicht weiterhilft…
Das hier ist furchtbar. Und es ist daran auch nichts zu verhandeln. Das hat gefälligst auszufallen wegen iss nich; Diskussionsspielraum 0,0 Millimeter, langsam sinkend. Ob Fundamentalchristen Antischwulengesetze vorantreiben, Schwule (die also krank sein müssen) geheilt zu sehen wünschen, ob Fundamentaljuden Demos gegen Schwule organisieren, oder ob Fundamentalmuslime Schwule jagen…es ist immer dasselbe Gesindel am Werk. Übrigens liegen die Verhältnisse in anderen, nicht- westlichen Religionen um kaum einen Deut besser, um das Mindeste zu sagen. Entscheidend für die Beurteilung, wie eine religiös geprägte Gesellschaft mit Minderheiten umgeht, ist ohnedies nicht irgend welche Textkritik – es gibt seit Jahrzehnten absurder weise ja sogar so etwas wie eine feministische Theologie, die dann die Bibel “progressiv” liest -, sondern die Praxis dieser Gesellschaften, und die ist zB sowohl im Hinduismus als auch zumindest teilweise im Buddhismus trist. (Vom Freund des SS-Manns Harrer, dem darling der CIA, Herrn Dalai Lama, schweige ich in diesem Zusammenhang lieber. Sonst habe ich noch ne teure Unterlassungsklage des römisch-katholischen Weltbild-Verlags an den Hacken: Wer will seinen Bestseller-Autor schon beschädigt sehen?)
Soll ich jetzt sagen, Religion, das sei eine Veranstaltung, die den Hass organisiere? Die Ausgrenzung? In gewisser Weise ist das so. Ich weiß, dass es viele, sehr viele gute Leutz in allen Religionen gibt, und ich achte, als echter Agnostiker und Liberaler (in diesem Punkt bin ichs) natürlich jedes religiöse Bekenntnis. Dennoch: Ob mir nun ein Jude erzählt, er vertrete das Licht der Welt, ich sei bloß ein Goj, ein Christ, er sei Teil der Kinder Gottes, mich habe er auch damit zu beglücken, sonst käme die Hölle über mich, oder ob mir ein Buddhist erzählt, er und nur er wisse um den Weg zur Erlösung, und wenn ich nicht brav und artig bin, könne ich auch als Kröte wiedergeboren werden (soviel zur Frage, ob der Buddhismus Gewalt enthalte)…meine Amy-Winehouse-schwangere Antwort lautet jederzeit: No, no, no! Niemand ist das Licht der Welt, niemand ist privilegiertes Kind Gottes, und niemand weiß den bevorzugten Weg zur Erlösung. Jeder anders lautenden Behauptung ist jene Gewalt immanent, die dann irgendwann im Faschismus kulminiert oder zumindest kulminieren kann. Und bitte jetzt nicht Marga Meussel, Domprobst Lichtenberg, Sophie Scholl. Klasse Leutz, zweifellos, Klasse gerade auch, weil sie sich durch ihre zeitgegebenen Beschränkungen erst hindurch kämpfen mussten. (Nichts ist ja kläglicher als der “Nachweis”, Sophie Scholl sei mit 17 Antisemitin gewesen. Natürlich war sie das, unter diesen Voraussetzungen! Who cares!) Nur: welche Unterstützung haben sie von ihren Kirchen erhalten, als ein jeglicher geschätzet wurde? Darum geht es doch.
Jetzt also der Fall Kaschgari. ich erwarte von jede/r/m Muslim/a, was ich von allen anderen auch erwarte, und nicht, weil sie Muslim/e/a sind, sondern weil sie Menschen sind: Gegen dieses empörende Haberfeldtreiben anzugehen. Es wäre “sogar” dann empörend, wenn Kaschgari Mohammed wirklich beleidigt hätte – was er gar nicht getan hat.
PS: Kennen Sie eigentlich meinen Lieblingswitz? Jesus am Kreuz. Darunter: “Masochismus ist heilbar!”