Lieber Burks

Ich weiß ja nicht, aber wer ist denn so blöde, darauf hereinzufallen? Ich habe mir mal einige dieser Handbücher durchgesehen, vor allem das rcs-9-technician-final.pdf ist interessant. Auf keinen Fall kann die Spionage-software zum Erfolg kommen, wenn der Nutzer sich vernünftig verhält. Und bei Linux auch nicht. Wen wollen sie also ausspionieren? Klein Fritzchen?

Lieber, lieber burks. Zum gefühlten 268sten Mal: Auch einem DAU darf man keine Spionagesoftware oder gar Kinderfickerbilder aufspielen. Dein Insistieren auf PC-Kompetenz in allen Ehren: Aber nicht jede/r mag sich in Manuals einfummeln.

Neues Altes vom NSU

Mit dem, was dieser V-Mann ablieferte, hätte das Neonazi-Terror-Trio schon früh gestoppt und deren Mordserie verhindert werden können. Nun soll der frühere Neonazi Carsten Sz., der als V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes mit dem Decknamen „Piatto“ geführt wurde, im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München als Zeuge gehört werden – doch das brandenburgische Innenministerium wehrt sich mit einem Sperrvermerk.
(…)
„Piatto“ hatte Brandenburgs Verfassungsschutz 1998 über das untergetauchte Terror-Trio informiert – dass die Neonazis sich Waffen besorgen und Banken überfallen wollen. Die Hinweise waren nicht in ihrer Tragweite erkannt worden oder versickert

Da ist gar nichts versickert – da kann nichts versickert sein, und Missverständnisse hinsichtlich der Tragweite scheiden auch aus. Der Hinweis, man werde sich bewaffnen und Banken überfallen, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das läßt sich beim besten Willen nicht mehr auf “Idiot” oder “dumm gelaufen” herunterbrechen. Übrigens: Beamte können ihre Pensionen verlieren – zum Beispiel, wenn sie wegen Gefährdung der demokratischen Rechtsordnung zu mehr als einem halben Jahr rechtskräftig verurteilt wurden.

Vielleicht hat er aber auch selber wenig Lust, auszusagen. Nicht, dass auch er auf einmal aus Liebeskummer Selbstmord begeht, unerkannter Diabetes unerbittlich sein Opfer fordert oder was es da sonst noch für Möglichkeiten gibt.

Killer von Brabant

Die Mordserie wird neu aufgerollt. Da nach belgischem Recht (kennt es so etwas wie eine Verjährungshemmung? Experten an die Front!) die Taten 2015 verjährt sein werden, kann man Martine Michel nur eine glückliche Hand wünschen.

MH 17 – endlich Klarheit

Die Separatisten warens. Der BND hat Beweise gesammelt.

Schade nur, dass wir diese Beweise nicht vorgelegt bekommen. Sie sind vermutlich so geheim, dass ihre Veröffentlichung die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden würde. Insbesondere würde mich interessieren, wie es die Separatisten geschafft haben, sich binnen kürzester Zeit an diesem komplexen Waffensystem auszubilden/ausbilden zu lassen. Ströbele (dem das BND-Material vorlag und den es nicht überzeugt hat) und die niederländische Regierung haben die BND-Behauptung übrigens bereits zurück gewiesen.

Frommes, linkes Denken

Die Welt glich einem Tollhaus, in dem sich die Herren in den Chefetagen der Banken und Konzerne beinahe nach Belieben auszutoben pflegten. Doch dabei prallten sie eben aufeinander. Nervös schielten sie nach ihren Machtinstrumenten, ihren Staaten. Die Mittelmächte, besonders Deutschland, waren hoch gerüstet. Aber Frankreich und besonders Russland, nach der niedergeschlagenen Revolution von 1905 geschwächt, holten mit atemberaubender Geschwindigkeit auf.
Für die deutschen Kapitalisten wurde es Zeit. Sie wollten, sie brauchten Krieg. (Kühne, Steve, 1914 – Krise, Krieg und Widerstand, Berlin 2014, Eigenverlag der SAV, ohne ISBN, p. 6)

Es stimmt so gut wie nichts.

Die vehementen Kriegstreiber von 1914 waren nicht “die” Kapitalisten. Es waren männliche bürgerliche Intellektuelle, die in imperialen, nationalistisch-rassistischen (also völkischen), sozialdarwinistischen, militaristischen Gedanken Antworten auf die Anforderungen der Moderne fanden. Angehörige der Funktionselite: Militärs (da gehört es sowieso zum Betriebssystem, pro Krieg zu sein), Lehrer, Professoren, kurzum: das Bildungs- und Besitzbürgertum. Diverse Kapitalisten – zunächst noch Stinnes, Ballin, fast die gesamte Londoner City – waren bekanntlich gegen diesen Krieg. Und von den zwei berühmtesten und klügsten, weil präzisesten Warnern vorab – Bloch und Angell – war der eine, Bloch, Kapitalist und Oligarch reinsten Wassers. Und der andere kann auch nur sehr eingeschränkt als Halb-Linker durchgehen.

Bei Kühne lenint und luxemburgt es zum linkserwärmen. Es stimmt nur nicht, denn Lenins und auch Luxemburgs Imperialismustheorien gehen fehl. Wäre ich Marxist (was immer das sei), würde ich sagen: Der Krieg 14-18 war ein Überbaukrieg, ein Krieg, der aus ideologischen Gründen statt fand. Subjektiv gab es wirklich den Glauben, politische Herrschaft über das Gebiet X würde sich auch in wirtschaftlichem Erfolg niederschlagen. (zB: “ich” brauch das Erz aus Briey, also die politische Kontrolle darüber, ansonsten kann “ich” keine Gewinne für “Deutschland”/”mich” generieren.) Aber das war, angesichts der damals schon erreichten Internationalisierung des Kapitals, Humbug. Hokuspokus. Man möchte fast vom nationalen Kapitalfetischismus sprechen. Es stimmt einfach nicht, dass 1914 eine Verfestigung und Konzentration des Kapitals existierte, die gleichsam einen Krieg unumgänglich machte – und eine nationale schon gar nicht. Eben gerade aufgrund des technologischen Fortschritts wurden damals, und werden seither immer wieder, die Karten neu verteilt – und eben deswegen ist der Kapitalismus so wandlungsfähig.

Im 19. Jhdt lauteten die Innovationstechnologien u.a.: Telegraph, Dampfschiff, Eisenbahn, Stahlbau, Chemie. 1914 am innovativsten: Autos, Luftfahrt, Funk/Elektrik, Medien. Und und und. Endabschließende Monopole im Leninschen Sinn wird es erst dann geben, wenn die Möglichkeiten technologischen Fortschritts ausgereizt sind. Das sind sie jedoch mitnichten, auch heute nicht, you better believe it, damals schon gar nicht. Gerade die leninschen “Trusts” waren übrigens ja gegen diesen bornierten, nationalistisch begründeten Krieg. Luxemburgs These hat mehr Realität für sich – Ausdehnung des Kapitalismus in präkapitalistische Gegenden sei Antrieb imperialen Agierens -, geht aber schlussendlich ebenso fehl und ist letztlich leider ebenso antimarxistisch wie Lenin: Denn das Kapital, das mag man bei Marx lernen, hat kein Vaterland. Kapital erheischt Vermehrung. Ob diese Vermehrung durch die Ausbeutung deutscher, chinesischer, südneuseeländischer oder nordargentinischer Arbeiter generiert wird, ist ihm egal. Kriege werden, so lese ich Marx, geführt dann und nur dann, wenn sie gewinnmaximierende Folgen zeitigen. Sie werden unterlassen, wenn sie Gewinne schmälern. (Jeweils rationales Handeln im Sinne des Kapitalismus vorausgesetzt – aber genau das setzt Marx ja auch voraus!) Der Kapitalismus, so Marx, reduziert Menschen auf Akteure im Gewinnspiel. Gerade dieses Traditionszerstörende ist ja sein innovativer Aspekt (das kommunistische Manifest setze ich hiermit als bekannt voraus). Genau deswegen aber ist der Erste Weltkrieg, technologisch der erste voll entwickelte Technologiekrieg, marxistisch gedeutet gleichsam eine der letzten Feudalkriege, ein Anachronismus. Ein sozusagen nationalkapitalistischer Krieg in einer Welt, in der das Kapital längst gobal agierte und international verflochten war. Wenn Hugo Stinnes dem lieben Heinrich Claß (natürlich kannte und schätzte man sich!) bereits 1911 erklärte, der gute Heinrich solle seine Expansionspläne doch mal sein lassen, in wenigen Jahren würde Deutschland den Kontinent doch sowieso wirtschaftlich beherrschen (was vermutlich auch so gekommen wäre), wenn der Hapag-Reeder Ballin verzweifelte Friedensinitiativen startete, wenn der Direktor der Bank of England Sir Edward Grey August 14 weinend anflehte, den Krieg sein zu lassen, denn nach einem solchen Krieg wäre England pleite (was es dann auch war), dann ist das aus modern-kapitalistischer Sicht konsequent und richtig gedacht gewesen. “Die Kapitalisten” haben den Krieg nicht gemacht; Kühne schreibt hier einfach Unfug. Den Krieg gemacht hat das bornierte, völkisch-nationale, imperialistisch-sozialdarwinistische, rassistische und antisemitische Bürgertum – insbesondere das deutsche mit seiner “Weltpolitik”-Besoffenheit. (zB das englische Bürgertum war allerdings letztlich kaum anders strukturiert in seinem imperialen Superioritätswahn, wie ich Adam Hochschilds interessantem Blick entnehme. Die Befunde für Frankreich dürften ähnlich ausfallen.)

Was Marx in dieser Schärfe m.E. nicht gesehen hat: Dass der ideologische Überbau, der zur Systemstabilisierung nötig ist, eben auch Eigenleben gewinnen kann und Begehrlichkeiten entwickelt. Wenn die Klassengesellschaft zB im kaiserlichen Deutschland nur noch dann funktioniert, wenn ich ihre Akteure mit einem national-völkischen Überbau infiziere, der den Laden ideologisch bei Laune hält, so wird der Infektionsherd irgendwann seinen Preis fordern – und genau das tat er in Deutschland seit ca 1890 (“Weltpolitik”)…

Zurückgezogener Blogpost

Ein Blog ist ein learning-by-doing-Projekt, man darf auch zurückziehen, und das tue ich mit einem Blogpost zum Thema “Rassismus”, weil ich mich eigentlich ganz zurückziehen will von Themen, die mit unschöner Regelmäßikeit willentliche und wissentliche Mißversteher anlocken (damit meine ich ausdrücklich nicht die Kommentatoren, die bis jetzt geantwortet haben) und nur aus Schwäche immer mal wieder auf solche Anregungen eingehe.

IS hat Massenvernichtungswaffen

Laut “New York Times” gibt es im Irak noch tausende alte Senfgas-Geschosse aus Saddam Husseins Chemiewaffenprogramm. Die USA ließen die Öffentlichkeit über Jahre darüber im Unklaren. Nun sind die Waffen in der Hand des “Islamischen Staats”.

Ich bin spontan hinten über gekippt vor Lachen. Das können die doch nicht Ernst meinen… Sie können. Sie können, you better believe it. Ich lach mich schlapp.

“Äh, hm, leider ham wer die Senfgasgranaten so n büschn da liechn lassn…” Klar, kann ja mal passieren.

Wann gibt es die erste Alarmmeldung, der IS würde Israel mit Senfgas oder Sarin bedrohen? Was sagt ihr? Morgen? Oder schon im Lauf des Tages? Andeutungen (“Zyklon B”) gibt es ja schon…

Kriegspropaganda – update

Warum ist es immer noch so schwierig, den IS militärisch zu besiegen, obwohl sich nun sogar die USA am Kampf gegen die Terroristen beteiligen?

Die USA und ihre Verbündeten haben relativ lange abgewartet. In dieser Zeit ist es der Terrorgruppe nicht nur gelungen, Freiwillige aus aller Welt zu mobilisieren, sondern auch große Gebiete zu besetzen und schwere Waffen zu erbeuten.

Das ist gelogen oder inkompetent vom “Stern”; was schlimmer ist, kann er sich gerne selber aussuchen. Schwere Waffen erbeuten bringt mir gar nichts, wenn ich nicht an ihnen ausgebildet wurde oder werde – wie der “Stern”, hemmungslos inkonsistent, wenige Absätze später in Bezug auf die irakische Armee ja selber einräumt. Wer hat die IS-Kämpfer denn ausgebildet?

update: Norman Paech über die Herkunft der IS-Waffen.

dark ages

Beiläufig gesprochen: Die dark ages werden nicht kommen.

Sie sind längst da, wir leben in ihnen. Seeßlen spricht vom dritten Weltkrieg; allein schon statistisch hat er recht. Die schmutzigen Kriege “an der Peripherie” (wie demaskierend Sprache sein kann! – ist ja bloß die Peripherie, nicht das Zentrum, also unwichtig!) übertreffen schon in der schieren Zahl ihrer Opfer jedes Maß. Der Krieg ist derzeit Dauerzustand. Dass er für den postmodernen Spießer, der in den Machtzentren der Welt vor sich hin lebt mit seinen Privilegien, nur im TV oder im Web statt findet, ist unerheblich. (Die sog. Postmoderne ist der versteckte Herrenmenschenrassismus der sog. ersten Welt: Nur für uns happy few lösen sich diese Kriege “an der Peripherie” in Virtualität auf; für die Betroffenen ist er tödlicher Alltag.)

Ich bin aufgewachsen mit dem Topos des “warum habt ihr geschwiegen?”. An dieser Frage war oder ist natürlich nichts auszusetzen, nur: Immerhin war Nazi-Deutschland tatsächlich ein Terrorregime, das oppositionelles Verhalten erbarmungslos sanktionierte. Warum wird heute geschwiegen? Schlimmer: es wurde damals, es wird heute ja gar nicht geschwiegen. Es wurde und wird sehr lautstark und hemmungslos geredet, gestammelt…und vor allem gehaßt.

Die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass ich vermutlich gar kein Linker ‘bin’. Ich war, bin und bleibe versoffener, entgleister Schillerianer und möchte nichts anderes sein. Das Insistieren auf basalen Menschenanstand scheint mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich die einzige Möglichkeit, politisch zu agieren. Man wird auch unsere Generation, vielleicht sogar mit mehr Recht, fragen, warum sie geschwiegen habe angesichts so vieler offenkundiger Verbrechen – und die Antworten werden ungeheuer kläglich ausfallen.

Distanz halte ich zu Leuten, die

- irgend ein neues IPhone für ein Event halten und so dumm sind, dass sie nicht einmal merken, damit lediglich Apples Werbeetat zu entlasten
– sich selber für Sieger halten, weil “ihre” Mannschaft gewonnen hat
– Anselm Grüns oder Margot Käßmanns Bücher allen Ernstes lesen

wird fortgesetzt

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