MH 17 – endlich Klarheit

Die Separatisten warens. Der BND hat Beweise gesammelt.

Schade nur, dass wir diese Beweise nicht vorgelegt bekommen. Sie sind vermutlich so geheim, dass ihre Veröffentlichung die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährden würde. Insbesondere würde mich interessieren, wie es die Separatisten geschafft haben, sich binnen kürzester Zeit an diesem komplexen Waffensystem auszubilden/ausbilden zu lassen. Ströbele (dem das BND-Material vorlag und den es nicht überzeugt hat) und die niederländische Regierung haben die BND-Behauptung übrigens bereits zurück gewiesen.

Frommes, linkes Denken

Die Welt glich einem Tollhaus, in dem sich die Herren in den Chefetagen der Banken und Konzerne beinahe nach Belieben auszutoben pflegten. Doch dabei prallten sie eben aufeinander. Nervös schielten sie nach ihren Machtinstrumenten, ihren Staaten. Die Mittelmächte, besonders Deutschland, waren hoch gerüstet. Aber Frankreich und besonders Russland, nach der niedergeschlagenen Revolution von 1905 geschwächt, holten mit atemberaubender Geschwindigkeit auf.
Für die deutschen Kapitalisten wurde es Zeit. Sie wollten, sie brauchten Krieg. (Kühne, Steve, 1914 – Krise, Krieg und Widerstand, Berlin 2014, Eigenverlag der SAV, ohne ISBN, p. 6)

Es stimmt so gut wie nichts.

Die vehementen Kriegstreiber von 1914 waren nicht “die” Kapitalisten. Es waren männliche bürgerliche Intellektuelle, die in imperialen, nationalistisch-rassistischen (also völkischen), sozialdarwinistischen, militaristischen Gedanken Antworten auf die Anforderungen der Moderne fanden. Angehörige der Funktionselite: Militärs (da gehört es sowieso zum Betriebssystem, pro Krieg zu sein), Lehrer, Professoren, kurzum: das Bildungs- und Besitzbürgertum. Diverse Kapitalisten – zunächst noch Stinnes, Ballin, fast die gesamte Londoner City – waren bekanntlich gegen diesen Krieg. Und von den zwei berühmtesten und klügsten, weil präzisesten Warnern vorab – Bloch und Angell – war der eine, Bloch, Kapitalist und Oligarch reinsten Wassers. Und der andere kann auch nur sehr eingeschränkt als Halb-Linker durchgehen.

Bei Kühne lenint und luxemburgt es zum linkserwärmen. Es stimmt nur nicht, denn Lenins und auch Luxemburgs Imperialismustheorien gehen fehl. Wäre ich Marxist (was immer das sei), würde ich sagen: Der Krieg 14-18 war ein Überbaukrieg, ein Krieg, der aus ideologischen Gründen statt fand. Subjektiv gab es wirklich den Glauben, politische Herrschaft über das Gebiet X würde sich auch in wirtschaftlichem Erfolg niederschlagen. (zB: “ich” brauch das Erz aus Briey, also die politische Kontrolle darüber, ansonsten kann “ich” keine Gewinne für “Deutschland”/”mich” generieren.) Aber das war, angesichts der damals schon erreichten Internationalisierung des Kapitals, Humbug. Hokuspokus. Man möchte fast vom nationalen Kapitalfetischismus sprechen. Es stimmt einfach nicht, dass 1914 eine Verfestigung und Konzentration des Kapitals existierte, die gleichsam einen Krieg unumgänglich machte – und eine nationale schon gar nicht. Eben gerade aufgrund des technologischen Fortschritts wurden damals, und werden seither immer wieder, die Karten neu verteilt – und eben deswegen ist der Kapitalismus so wandlungsfähig.

Im 19. Jhdt lauteten die Innovationstechnologien u.a.: Telegraph, Dampfschiff, Eisenbahn, Stahlbau, Chemie. 1914 am innovativsten: Autos, Luftfahrt, Funk/Elektrik, Medien. Und und und. Endabschließende Monopole im Leninschen Sinn wird es erst dann geben, wenn die Möglichkeiten technologischen Fortschritts ausgereizt sind. Das sind sie jedoch mitnichten, auch heute nicht, you better believe it, damals schon gar nicht. Gerade die leninschen “Trusts” waren übrigens ja gegen diesen bornierten, nationalistisch begründeten Krieg. Luxemburgs These hat mehr Realität für sich – Ausdehnung des Kapitalismus in präkapitalistische Gegenden sei Antrieb imperialen Agierens -, geht aber schlussendlich ebenso fehl und ist letztlich leider ebenso antimarxistisch wie Lenin: Denn das Kapital, das mag man bei Marx lernen, hat kein Vaterland. Kapital erheischt Vermehrung. Ob diese Vermehrung durch die Ausbeutung deutscher, chinesischer, südneuseeländischer oder nordargentinischer Arbeiter generiert wird, ist ihm egal. Kriege werden, so lese ich Marx, geführt dann und nur dann, wenn sie gewinnmaximierende Folgen zeitigen. Sie werden unterlassen, wenn sie Gewinne schmälern. (Jeweils rationales Handeln im Sinne des Kapitalismus vorausgesetzt – aber genau das setzt Marx ja auch voraus!) Der Kapitalismus, so Marx, reduziert Menschen auf Akteure im Gewinnspiel. Gerade dieses Traditionszerstörende ist ja sein innovativer Aspekt (das kommunistische Manifest setze ich hiermit als bekannt voraus). Genau deswegen aber ist der Erste Weltkrieg, technologisch der erste voll entwickelte Technologiekrieg, marxistisch gedeutet gleichsam eine der letzten Feudalkriege, ein Anachronismus. Ein sozusagen nationalkapitalistischer Krieg in einer Welt, in der das Kapital längst gobal agierte und international verflochten war. Wenn Hugo Stinnes dem lieben Heinrich Claß (natürlich kannte und schätzte man sich!) bereits 1911 erklärte, der gute Heinrich solle seine Expansionspläne doch mal sein lassen, in wenigen Jahren würde Deutschland den Kontinent doch sowieso wirtschaftlich beherrschen (was vermutlich auch so gekommen wäre), wenn der Hapag-Reeder Ballin verzweifelte Friedensinitiativen startete, wenn der Direktor der Bank of England Sir Edward Grey August 14 weinend anflehte, den Krieg sein zu lassen, denn nach einem solchen Krieg wäre England pleite (was es dann auch war), dann ist das aus modern-kapitalistischer Sicht konsequent und richtig gedacht gewesen. “Die Kapitalisten” haben den Krieg nicht gemacht; Kühne schreibt hier einfach Unfug. Den Krieg gemacht hat das bornierte, völkisch-nationale, imperialistisch-sozialdarwinistische, rassistische und antisemitische Bürgertum – insbesondere das deutsche mit seiner “Weltpolitik”-Besoffenheit. (zB das englische Bürgertum war allerdings letztlich kaum anders strukturiert in seinem imperialen Superioritätswahn, wie ich Adam Hochschilds interessantem Blick entnehme. Die Befunde für Frankreich dürften ähnlich ausfallen.)

Was Marx in dieser Schärfe m.E. nicht gesehen hat: Dass der ideologische Überbau, der zur Systemstabilisierung nötig ist, eben auch Eigenleben gewinnen kann und Begehrlichkeiten entwickelt. Wenn die Klassengesellschaft zB im kaiserlichen Deutschland nur noch dann funktioniert, wenn ich ihre Akteure mit einem national-völkischen Überbau infiziere, der den Laden ideologisch bei Laune hält, so wird der Infektionsherd irgendwann seinen Preis fordern – und genau das tat er in Deutschland seit ca 1890 (“Weltpolitik”)…

Zurückgezogener Blogpost

Ein Blog ist ein learning-by-doing-Projekt, man darf auch zurückziehen, und das tue ich mit einem Blogpost zum Thema “Rassismus”, weil ich mich eigentlich ganz zurückziehen will von Themen, die mit unschöner Regelmäßikeit willentliche und wissentliche Mißversteher anlocken (damit meine ich ausdrücklich nicht die Kommentatoren, die bis jetzt geantwortet haben) und nur aus Schwäche immer mal wieder auf solche Anregungen eingehe.

IS hat Massenvernichtungswaffen

Laut “New York Times” gibt es im Irak noch tausende alte Senfgas-Geschosse aus Saddam Husseins Chemiewaffenprogramm. Die USA ließen die Öffentlichkeit über Jahre darüber im Unklaren. Nun sind die Waffen in der Hand des “Islamischen Staats”.

Ich bin spontan hinten über gekippt vor Lachen. Das können die doch nicht Ernst meinen… Sie können. Sie können, you better believe it. Ich lach mich schlapp.

“Äh, hm, leider ham wer die Senfgasgranaten so n büschn da liechn lassn…” Klar, kann ja mal passieren.

Wann gibt es die erste Alarmmeldung, der IS würde Israel mit Senfgas oder Sarin bedrohen? Was sagt ihr? Morgen? Oder schon im Lauf des Tages? Andeutungen (“Zyklon B”) gibt es ja schon…

Kriegspropaganda – update

Warum ist es immer noch so schwierig, den IS militärisch zu besiegen, obwohl sich nun sogar die USA am Kampf gegen die Terroristen beteiligen?

Die USA und ihre Verbündeten haben relativ lange abgewartet. In dieser Zeit ist es der Terrorgruppe nicht nur gelungen, Freiwillige aus aller Welt zu mobilisieren, sondern auch große Gebiete zu besetzen und schwere Waffen zu erbeuten.

Das ist gelogen oder inkompetent vom “Stern”; was schlimmer ist, kann er sich gerne selber aussuchen. Schwere Waffen erbeuten bringt mir gar nichts, wenn ich nicht an ihnen ausgebildet wurde oder werde – wie der “Stern”, hemmungslos inkonsistent, wenige Absätze später in Bezug auf die irakische Armee ja selber einräumt. Wer hat die IS-Kämpfer denn ausgebildet?

update: Norman Paech über die Herkunft der IS-Waffen.

dark ages

Beiläufig gesprochen: Die dark ages werden nicht kommen.

Sie sind längst da, wir leben in ihnen. Seeßlen spricht vom dritten Weltkrieg; allein schon statistisch hat er recht. Die schmutzigen Kriege “an der Peripherie” (wie demaskierend Sprache sein kann! – ist ja bloß die Peripherie, nicht das Zentrum, also unwichtig!) übertreffen schon in der schieren Zahl ihrer Opfer jedes Maß. Der Krieg ist derzeit Dauerzustand. Dass er für den postmodernen Spießer, der in den Machtzentren der Welt vor sich hin lebt mit seinen Privilegien, nur im TV oder im Web statt findet, ist unerheblich. (Die sog. Postmoderne ist der versteckte Herrenmenschenrassismus der sog. ersten Welt: Nur für uns happy few lösen sich diese Kriege “an der Peripherie” in Virtualität auf; für die Betroffenen ist er tödlicher Alltag.)

Ich bin aufgewachsen mit dem Topos des “warum habt ihr geschwiegen?”. An dieser Frage war oder ist natürlich nichts auszusetzen, nur: Immerhin war Nazi-Deutschland tatsächlich ein Terrorregime, das oppositionelles Verhalten erbarmungslos sanktionierte. Warum wird heute geschwiegen? Schlimmer: es wurde damals, es wird heute ja gar nicht geschwiegen. Es wurde und wird sehr lautstark und hemmungslos geredet, gestammelt…und vor allem gehaßt.

Die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs wissen, dass ich vermutlich gar kein Linker ‘bin’. Ich war, bin und bleibe versoffener, entgleister Schillerianer und möchte nichts anderes sein. Das Insistieren auf basalen Menschenanstand scheint mir zum gegenwärtigen Zeitpunkt tatsächlich die einzige Möglichkeit, politisch zu agieren. Man wird auch unsere Generation, vielleicht sogar mit mehr Recht, fragen, warum sie geschwiegen habe angesichts so vieler offenkundiger Verbrechen – und die Antworten werden ungeheuer kläglich ausfallen.

Distanz halte ich zu Leuten, die

- irgend ein neues IPhone für ein Event halten und so dumm sind, dass sie nicht einmal merken, damit lediglich Apples Werbeetat zu entlasten
– sich selber für Sieger halten, weil “ihre” Mannschaft gewonnen hat
– Anselm Grüns oder Margot Käßmanns Bücher allen Ernstes lesen

wird fortgesetzt

Jonestown

Für mich eine der, wenn man so will, lehrreichsten Fälle religiösen Wahns. Alles ist vorhanden: Die Befriedigung der sexuellen Bedürnisse der Oberschicht, die das Fussvolk zu leisten hat, was ihm natürlich religiös verbrämt wird, der Erlöserwahn, die Gewalt hinter der friedlichen Fassade, und natürlich der schlichte Lug und Trug. Siehe die “Wunderheilungen” ab Min 22:00: Schieres Gauklertum. So schön kriegt das nicht mal die katholische Kirche hin.

Vermutlich ist jede institutionalisierte Religion als Ausdruck von Zwangsstörungen zu werten (vielleicht als der ihrer Kleriker, allemal als der ihrer Schäfchen). Es wird an solchen Extremen wie Jonestown zwar besonders gut deutlich. Man denke aber auch an Frau Bojaxhio – Verlogenheit ist jeder öffentlich ausgelebten Religion eigen. Faustregel der Religionskritik: “…doch der schrecklichste der Schrecken/ das ist der Mensch in seinem Wahn”.

Ein sehr zurückhaltender Dokumentarfilm, der kaum Partei ergreift und dies nicht muss, weil die präsentierten Fakten für sich sprechen. Interessant, dass Jones Kirche die antirassistisch-progressive Karte spielen konnte und damit bei den Liberals bis hin zu Jimmy Carter zeitweilig Erfolg hatte.

Eikonal

Alle haben mitgewusst, alle Vögel, alle (Kurt Tucholsky)

Ich habe das sensationell Neue an dieser Enthüllung jetzt nicht ganz verstanden. Sicher, man verliert so langsam den Überblick, aber von dem, was Mascolo, Leyendecker und Goetz hier schildern, ging ich auch vorher schon aus…

Unklar war, ob Daten deutscher Bürger an die NSA weitergeleitet worden waren.

Mir nicht. Wie naiv seid ihr denn!

Bersarin hat Recht. Das ist nicht meine Welt, nicht meine Sphäre, und seit Wochen (Monaten, Jahren, Jahrzehnten) spüre ich immer dringender ein “ich will hier raus”… Eine Neuübersetzung von Shelleys Ode an den Westwind wäre längst fällig, aber ich bekomme das Endlostonband im Kopf nicht abgeschaltet…

Ich will hinterher nichts hören, kein Wort! “Äh, da häpp we nix von weten” – und wie Ihr gewusst habt! Und es hängt ja zusammen: Geheimdienst, Oktoberfest, Lübecker Hafenstrasse, Waffenhandel, Coltan…wir reden hier über Verbrechen. Und wie ihr mitgewusst habt! Alle! “Beim nächsten Mal wird man von Kollektivschuld nicht reden dürfen, sondern reden müssen” (Günter Anders)

Analytische Faustregel bzgl sinistrer Dienste

“Was würde ich Geheimdiensten zutrauen, wenn ich ein Verschwörungsirrer wäre?” – und das trifft dann meistens zu.

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