ppp ist Finanzkapitalismus

Der ppp-Schwindel (öffentliche Hand zahlt, die Privaten greifen ab) wurde erst im finanzkapitalistischen Zeitalter post Lambsdorf-Papier inauguriert. Vorher gab es den rheinischen, ehrlichen Kapitalismus, wo der ehrliche Onkel im Blaumann für ehrliche Arbeit ehrliches Geld bekam. Erst danach kamen die Heuschrecken. In den 60er Jahren war alles noch fair; Verträge, die nicht einmal die Parlamentarier zu sehen bekamen, gab es noch nicht. gez. Müller/Berger, nachdenkseiten*.

Siehe zum Beispiel die Starfighter-Beschaffung End 50er/Beginn 60er… äh, upps? Nanu? Was war denn da los? Könnte der Finanzkapitalismus (also die Phase des Kapitalismus, in der die Ware Kapital zur entscheidenden Ware wird) etwa doch eher etwas mit dem Kapitalismus zu tun haben als mit der Finanzwelt? Ich dachte, wir reden über die Elbphilharmonie, aber wir reden über den längst abgeschriebenen und ausgemusterten Starfighter… 50er/60er Jahre. Als der ehrliche Blaumannträger noch gut und ehrlich verdiente, Teil der Gesellschaft war… Nanu? Mögen sich die Keynesianer hierzu vielleicht mal verhalten?

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* okay, das ist jetzt etwas unfair. Ich gehe davon aus, dass Albrecht Müller und Jens Berger über die Skurrilitäten und Absurditäten rund um die Starfighter-Beschaffung informiert sind. Aber gerade dann frage ich mich, warum die Beiden und eben auch viele andere nicht sehen, dass wir über den Kapitalismus als solchen reden…und nicht über Lambsdorf.

Hurricane

Hurricane Carter ist gestorben – passabler Boxer…und Opfer einer rassistischen Justiz. Ich erinnere mich noch dunkel an Dylans Song. Die Geschichte steht exemplarisch für Justizirrtümer, wobei es schwer fällt, hier von einem “Irrtum” zu sprechen. Carter hat sich später dem Kampf für Justizopfer gewidmet. Die Verfilmung seines Falles, mit Denzel Washington in der Hauptrolle, ging schief – klassischer Fall von “gut gemeint”. Ich mache entweder einen dokumentarischen Spielfilm, in dem die hard facts dann aber auch stimmen müssen, oder einen fiktiven Film – aber nichts dazwischen. Das entwertet, andererseits, aber natürlich nicht Carters Leben. An genau solchen Fehlschlüssen leidet die öffentliche Debatte ja notorisch.

Kurzer Sermon zu den Truthern

Bemerkung vorab: Ich hab diesen Blogpost bewusst ohne Links geschrieben. Alles ist öffentlichen Quellen entnehmbar, meistens sinds sogar schlicht Wiki-Links. Bitte zur Abwechslung einfach mal selber googlen.

Im Rahmen der von Jutta Ditfurth angeleierten, wichtigen Kampagne rund um die neuen Montagsdemos – wem ich mich da bei geselle, habe ich hoffentlich hinreichend deutlich gemacht! – werden immer wieder auch die sog. “Truther” erwähnt, also Leute, die die offizielle/offziöse darstellung rund um 09/11 nicht glauben, vielmehr mehr oder weniger fantasievolle Alternativen offerieren.

Hierzu sei klargestellt: Auch ich bin Truther. Nämlich dann, wenn es darum geht, zu wissen, was am 11.09.2001 eigentlich genau passiert ist. Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

Nein, ich glaube nicht, dass es “in Wahrheit” Raketen waren, und die Flugzeugbilder seien per Hologram vorgespiegelt worden. (Quatsch!) Nein, ich glaube nicht, dass WTC 7 gesprengt wurde. Ja, ich glaube, dass die Frage, wie die beiden Türme zusammen brechen konnten, hinreichend beantwortet wurde: Hitzebelastung, Schmelzen des Stahls etcetc. Die twin towers waren schlicht nicht dafür ausgelegt, die Treffer zweier Kerosinbomben dieses Ausmaßes auszuhalten.

Was ich mich allerdings frage: Warum wurden die Vorbereitungen für dieses Attentat denn nicht erkannt? Bei der Überwachung?

Wir haben, was die US-Geschichte betrifft, zwei Modellfälle für einen kriegsauslösenden “Schock”: Der Maine-Zwischenfall 1898, Pearl Harbor 1941. In beiden Fä#llen glaube ich nicht an vorsätzliches Geschehen-Lassen. Die USS Maine ist wohl wirklich durch eine innere Explosion zerstört worden (ähnlich der HMS Vanguard 1917 in Scapa Flow), was damals, die Spannungen mit Spanien bestanden vorher, dann natürlich zweifellos gerne zum Kriegsanlaß genommen wurde. 1941 ist es etwas komplexer gewesen. No doubts: Roosevelt wollte den Krieg (zum Glück! Zum Glück!). Er hat alles dafür getan, insbesondere Hitler (Japan war nur sekundär interessant) zu provozieren. Das ist keine revisionistische Geschichtsschreibung, sondern meines Wissens Forschungskonsens, wurde übrigens auch damals schon von den US-Bürgern, zutreffend, so wahrgenommen. Pearl Harbor aber wurde nicht wider besseres Wissen herbeiprovoziert. Dass man über kurz oder lang mit einem japanischen Schlag rechnete, ist schon klar – Admiral Kimmel hatte nicht ohne Grund eine Kriegswarnung auf dem Schreibtisch. Aber Ort und Zeit des Angriffs waren unbekannt. Ansonsten hätte die US-Navy einen vernichtenden Gegenschlag vorbereiten können.

Wie es sich mit 09/11 verhält, weiß ich nicht. Wusste man vorher davon? Wusste man zumindest, dass da demnächst ein “dicker Hund” kommen würde? Dass Bush 09/11 vernutzt hat, steht außer Frage, und wo Matthias Bröckers recht hat, hat er recht: Die erste Verschwörungstheorie – ich erinnere mich noch genau! – war die wenige Stunden nach dem Angriff aufgekommene, Bin Laden sei es gewesen. Was nur eben nicht bedeutet, Bin laden könne es genau deswegen definitiv nicht gewesen sein. Das ist ja der wesentliche Denkfehler, dem Verschwörungstheoretiker gerne erliegen: Das sie denen, gegen die die vorgebliche Verschwörung sich gerichtet haben soll/tatsächliche Verschwörung sich realitär gerichtet hat, vollständige Passivität unterstellen. Prominentestes Beispiel ist Hitlers Machtergreifung 1933. So, wie sie sich konkret vollzogen hat (Bankier von Schröder, Treffen 15. 01. 1933 usf) war es zweifellos auch eine Verschwörung – und das ist jetzt keine VT, das ist Fakt. Nur bedeutet das ja nicht, dass das deutsche Volk lediglich Opfer einer Verschwörung wurde. Das könnte den begeisterten Entjudern so passen, wie? Nur für die Herren Elsässer und Ken Jebsen: Der Bankier von Schröder (diesmal schreibe ich das “von” dazu!) hatte den großen Ariernachweis und war Gauwirtschaftsberater der NSDAP und SS-Mann. Beides hat ihm die FED vermutlich erlaubt…

Ich halte nichts davon, pawlowsch irgend eine VT hervor zu zaubern – ich halte jedoch ebenso wenig davon, jeden Hinweis auf mögliche Konspirationen ebenso pawlowsch als VT zu psychiatrisieren. An ihren Fakten sollt ihr sie erkennen! Die Fakten zu 09/11 kenne ich nicht, und wer, außer den möglichen Eingeweihten (wenn es sie denn gibt), behauptet, sie zu kennen, der lügt. Insofern bin auch ich ein Truther im präzisen Sinne des Wortes: ich möchte wissen, was da war. Dass die Ermordung von Tausenden von Menschen ein Verbrechen war, ist und bleibt, wäre von neuen Erkenntnissen völlig unberührt.

Die ganze Debatte rund um die Rolle von Verschwörungstheorien spiegelt im Grunde nur die rund um die Rolle von Medienmanipulationen (mediale Manipulationen sind ja letztlich nur Verschwörungen): Manipulationen benötigen immer Stücker Zweie: Die, die manipulieren, und die, die sich, obwohl Gegenmaterial in Hülle und Fülle vorliegt, manipulieren lassen. Diesen Punkt haben zB die “nachdenkseiten” jahrelang außer Acht gelassen. Manipulationen müssen als solche benannt werden – die Manipulierten jedoch auch.

PS: Hier meine 10 Cent zum Reichstagsbrand 1933: Ja, Marinus van der Lubbe war es. Aber: Er wurde ja vorher schon bei Brandstiftungen in Berlin erwischt, und die haben ihn nicht etwa festgesetzt, sondern machen lassen. Lass wer mal gucke, opps pascht! Es hat gepasst, wir wissen es.

Garcia Marquez

Er ist in Ehren alt geworden, die Nachricht war zu erwarten, er litt zuletzt an Demenz, und ein jegliches hat seine Zeit, ja, alles richtig – dennoch darf ich vielleicht ein bißchen melancholisch sein: Gabriel Garcia Marquez ist verstorben.

“Magischer Realismus” – auch so ein Hilfswort ohne Bedeutung. Natürlich ist mir die Qualität von “Hundert Jahre Einsamkeit” nicht entgangen. Aber mir haben seine kürzeren Romane/Novellen in ihrer Härte (hier spürt man, wie in Hemingways besten Passagen, den Journalisten) immer noch besser gefallen. “Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt” ist einfach eine Jahrhundertnovelle, die “Chronik eines angekündigten Todes” ebenso. Der Bericht eines Schiffbrüchigen ist schon stark, “Die Geiselnahme” (über Nicaragua, die Sandinisten und das Somoza-Gesindel) und der Miguel Littin…mir, der ich, wie wohl die Meisten, mich in der faszinierenden Geschichte Lateinamerikas nicht auskannte, brachte vor allem Garcia Marquez diese Geschichte nahe.

Literarisch ist ihm der Spagat gelungen: Er war Sozialist, aber seine Literatur verkam nie zur gereimten Gesinnungsbekundung, sondern riskierte immer den literarischen Blick, der ja auch von der Distanz lebt. “Verwundet von den Todesspeeren eigener und fremder Sehnsüchte” – das ist es, das ist es!

Jetzt werden seine Millionenauflagen erwähnt. Skepsis gegenüber Millionenauflagen zu haben ist legitim. Aber man sollte ab und an schon an das bekannte Foucault-Wort denken: Nie werde man ihm weismachen können, dass ein Buch schlecht sei, weil sein Autor im Fernsehen zu sehen war. Natürlich sei es ebenso wenig aus diesem Grund schon gut. Garcia Marquez war im Fernsehen zu sehen, und seine Bücher sind gut, sehr gut, zum Teil sogar überragend gut. Ich lobe nicht, ich stelle meine Dankbarkeit fest.

Zusammenfassung bei exportabel

Genova hats brillant zusammen gefasst. Schön, dass andere einem die Arbeit abnehmen… Ich frage mich schon seit Jahren, wie bekloppt man sein muss, um der Elsässer (ver)querdenk GmbH & Co KG aufzusitzen. Deren Kommanditisten sind doch bekannt.

Wird man ja wohl noch mal sagen dürfen

Da ich per Mail auf scheinbare Widersprüche in meinem Blog aufmerksam gemacht werde, sei deutlich erklärt: Präzise und mit Gründen zu fragen, welche Rolle der Inlandsgeheimdienst beim NSU gespielt hat, hat mit “Ostküste”, “Juden”, “Reichsflugscheiben”, “Amis nicht auf Mond” und Ähnlichem – mal ists Unsinn, mal Niedertracht, und meistens beides – nicht das geringste zu tun. Ich bin gegen das infame Label “Ostküste/FED” – aber ich bin auch gegen den pawlowsch gezückten Vorwurf, Verschwörrungsirrer zu sein. Ich bin kein Verschwörrungsirrer, wenn ich die Rolle des “Verfassungsschützers” T. in Kassel erklärt bekommen will.

Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!

Jutta Ditfurth

Ihr heutiges Statement (nur wenige Zeit verfügbar wg blödem Staatsvertrag) hat mir sehr gut gefallen. So ist es. Und es ist nicht erst seit gestern so. Was mich, und hier muss sich auch Jutta Ditfurth Fragen gefallen lasen, daran hindert, links zu sein, ist sicherlich zunächst einmal das “sein”: Ich bin nicht links – wenn ich denn überhaupt etwas “bin”, dann ein in den later sixties im Norden der former Bunzereplik geborener, heterosexuell orientierter weißer Mann, der Literatur und im weiteren Kunst und Philosophie überhaupt liebt. Darüber hinaus bin ich sogar so doof, Kant und Schiller Ernst zu nehmen. Denn wer Moral Ernst nimmt, der weiß nicht mehr nach Haus in dieser durchgeknallten Welt, der ist heimatlos, in jeder Hinsicht des Wortes. Diese Heimatlosigkeit, dieses “Denken ohne Geländer” (Arendt) sollten wir begrüßen. Was mich von “der” (aha!) Linken trennt, sind nicht die Inhalte – da sind wir uns bestürzend häufig einig -, sondern die Pflicht zum Bekenntnis. Ich bin zu gar nichts verpflichtet außer dazu, Menschen als Menschen zu sehen und zu behandeln. Ist das links? Okay, dann bin oder “bin” ich links.

T. und die Verschwörungstheorie

Der Vater eines Opfers der mutmaßlichen NSU-Terroristen ist auf der Suche nach der Wahrheit und trifft auf einen Zeugen, der bei der Aufklärung der NSU-Morde für viele zur Personifizierung des Behördenversagens geworden ist und für Verschwörungstheorien gesorgt hat.

(…)

T., eine frühere Kollegin sowie ehemalige Vorgesetzte aus dem hessischen Landesamt für Verfassungsschutz trugen vor Gericht kaum oder gar nicht zur Aufklärung bei und machten zum Teil absurde Erinnerungslücken geltend.

Finde den Fehler.

Solange alle, die die Fragen stellen, die jedem Vernünftigen auf der Hand liegen, zu Verschwörungstheoretikern umgedeutet werden, können wir die Sache vergessen. Sollte irgend wann einmal eine Geschichte der öffentlichen Unterredung unserer Jahre geschrieben werden – das griffige Label “Verschwörungstheorie” dürfte eine prominente Rolle spielen. Um Russells berühmtes Bonmot abzuwandeln: Als “Verschwörungstheorie” bezeichnen Qualitätsjournalisten derzeit einfach alle Auffassungen, die ihnen nicht gefallen.

Netzerpresser

Meine Güte, ein bißchen tut sie mir schon auch leid…aber wie naiv seid Ihr denn manchmal?

Toter V-Mann

Hinweise auf enge Kontakte gibt es allerdings viele. 1995 lernte R. das spätere NSU-Mitglied Uwe Mundlos auf einem Rechtsrock-Konzert in Dresden kennen, wie Andreas Speit in der taz berichtet. Später habe er dem Verfassungsschutz gemeldet, dass Mundlos mit Gesinnungsgenossen die Kameradschaft Jena gegründet hatte – ein Netzwerk, dessen Mitglieder später tatkräftig die untergetauchten Kameraden unterstützten. Zudem pflegte R. Verbindungen zum Szeneheft Der Weiße Wolf. Darin erschien im Jahr 2002 die Botschaft “Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen” – das Trio hatte dem Herausgeber David P. eine Spende von 2.500 Mark zukommen lassen. P. ist als Zeuge im Prozess geladen.

Mimen wir nicht die Naiven. Natürlich überrascht das niemanden. Aber es bleibt ungeheuer deprimierend. Orga Consul reloaded.

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